Südschleswig

Seit zehn Jahren geschlossen: Was aus der Eissporthalle „Gletscher“ in Harrislee wurde

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Große Teile des Gebäudes der ehemaligen Eissporthalle stehen heute leer.

Strengere Umweltvorschriften bedeuteten im Jahr 2016 das Aus für die beliebte Freizeitattraktion direkt an der deutsch-dänischen Grenze. Wiederbelebt wurde die Eissporthalle nie. Teile davon erfüllen mittlerweile einen anderen Zweck.

Mehr als drei Jahrzehnte leuchteten nicht nur Kinderaugen, wenn es zum „Gletscher“ in Harrislee ging. Direkt an der B200 und noch zu einer Zeit, als Grenzbeamtinnen und -beamte in den längst abgerissenen Kontrollhäuschen saßen und fast jeden Ausweis kontrollierten, eröffnete auf dem Hügel oberhalb die „Eissporthalle Gletscher“.

Eissporthalle entwickelte sich zum Besuchermagneten

Zwischen November und April jeden Jahres konnten kleine und große Kufenflitzer fortan auf der riesigen Eisfläche des fast 3.000 Quadratmeter großen Gebäudekomplexes ihre Runden auf der Eisbahn drehen. Der „Gletscher“ entwickelte sich schnell zu einer festen Institution in der Region und wirkte aufgrund seiner Nähe zu Dänemark auch nördlich der Grenze als Magnet für Besucherinnen und Besucher. Dazu trug auch die wöchentliche „Eisdisco“ bei, die jeden Freitag stattfand.

Errichtet wurde die Attraktion von dem Unternehmer Erich Toffer, dem zu dieser Zeit auch das benachbarte „Hotel des Nordens“ sowie ein Grenzsupermarkt gehörte. Die Bauweise wies gewisse Besonderheiten auf, denn die Halle war nach Norden hin offen und gab den Blick auf die Bäume des Waldes zwischen der Zollsiedlung und der Grenze frei.

Eishockey und Eisstockschießen bis zum Landesmeister-Titel

Im vorderen Teil ließ Toffer vor die Stahlträgerhalle einen festen Vorbau errichten. Darin befanden sich ein Restaurant und die Umkleidekabinen für die Eislaufenden. Die Verfügbarkeit einer Eisfläche sorgte auch für ein Erwachen des Eishockey-Sports in der Region. Der „Flensburg Harrisleer Eissportclub“ (FHEC) schaffte es bis in die Regionalliga. Zudem schuf der Verein ein Angebot im Eisstockschießen, in dem die Damenmannschaft 1989 und 1990 Landesmeister wurden. Auch die Eisstock-Sparte des SV Adelby nutzte die einzige Eissporthalle im Norden des Landes.

Professioneller Eissport endete bereits lange vor der Schließung

Im Bereich des Eissports soll es dann aber schon lange vor der Schließung zu einem Bruch zwischen dem neuen Eigentümer des Areals, dem „Fleggaard“-Konzern, und dem FHEC gekommen sein, was hauptsächlich an unterschiedlichen Vorstellungen für die Hallenmiete gelegen haben soll. Da der Eissportclub über keine Eisfläche mehr verfügte, musste er seine Aktivitäten zur Saison 2003/2004 einstellen.

Schock vor neun Jahren: Kälteanlage darf nicht mehr genutzt werden

Doch im Freizeitbereich sausten am „Gletscher“ weiter die Kufen über das künstliche Eis. Das änderte sich aber schlagartig, als im Jahr 2016 strengere Vorschriften für den Einsatz von Kältemitteln in Kraft traten. Die mit dem Kältemittel FCKW arbeitende Anlage durfte zur Saison 2016 nicht wieder in Betrieb genommen werden. 

Kurzfristig teilte der Betreiber im Oktober 2016 mit, dass die Anlage zur Saison nicht wieder öffnen werde – ein herber Schlag für den mittlerweile beliebten Freizeitsport nördlich und südlich der Grenze. Begründet wurde die Entscheidung mit zu hohen Kosten für eine Kältemittelanlage.

Stattdessen kündigte das „Hotel des Nordens“ an, auf dem Gelände seinen Wellnessbereich erweitern zu wollen. Doch auch aus diesen Plänen wurde offenbar nichts, denn Bau- und Umbauarbeiten gab es nicht.

Vorderer Teil wurde zum „Click & Collect“-Lager

Mittlerweile wird das Gelände anderweitig genutzt. Immer noch fahren jeden Tag dutzende Autos auf den Parkplatz vor dem großen Gebäude. Schlittschuhe hat jedoch keiner der Besuchenden mehr dabei – stattdessen aber meistens leere Kofferräume. Denn der Fleggaard-Konzern hat den vorderen Teil des ehemaligen „Gletschers“ zu einem Abhollager für online bestellte Getränke und Süßigkeiten umfunktioniert.

Alte Eissporthalle ist dem Verfall preisgegeben

Die ehemalige Eissporthalle im hinteren Teil des Areals steht hingegen seit der Schließung weitgehend leer und verfällt zusehends. Als Lager darf sie nach Angaben eines Mitarbeiters des Grenzhandels nicht mehr genutzt werden. Mehrere Scheiben der Seitenwände sind mittlerweile gebrochen und wurden zum Schutz gegen ungebetene Gäste mit Holzplatten verschlossen. Zudem erobert auch die Natur den hinteren Teil des Grundstücks zusehends zurück.

Eine Wiederbelebung der Eishalle, an der vor neun Jahren auch die Gemeinde Harrislee noch versucht hatte zu vermitteln, scheint damit ausgeschlossen.