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Bußgeldflut: Deutscher Fuhrunternehmer verzweifelt an dänischem Maut-System

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Ausländische Fuhrunternehmen haben Schwierigkeiten, die dänischen Vorschriften zur Erfassung ihrer Kilometer auf dänischen Straßen einzuhalten (Archivbild).

Der Geschäftsführer eines Transportunternehmens aus Südschleswig kritisiert das Vorgehen der dänischen Behörden bei der Straßenmaut. Seit Januar wurden rund 40.000 Bußgelder an Transportfirmen verhängt – oft wegen technischer Probleme.

Lars Hansen ist frustriert. Der Geschäftsführer des Transportunternehmens Nord-Spedition in Großenwiehe (Store Vi) hat in nur einem halben Jahr elf Bußgelder in Höhe von insgesamt 54.000 Kronen – mehr als 7.200 Euro – erhalten, weil er die dänische Straßenmaut nicht korrekt bezahlt hat. Und das, obwohl das Unternehmen in ein zugelassenes elektronisches System investiert hat, um zu registrieren, wie viel zu zahlen ist, wenn seine Lkw in Dänemark unterwegs sind.

„Es macht einfach keinen Spaß mehr, in Dänemark zu fahren“, sagt er zu „Flensborg Avis“.

Laut Lars Hansen hat Nord-Spedition gegen die Bußgelder Einspruch eingelegt, aber nur in drei Fällen Recht bekommen. Den Rest muss das Unternehmen bezahlen – obwohl nachgewiesen werden kann, dass ihr System korrekt funktioniert hat.

„Aber die dänischen Behörden sagen, dass auch ihr System ordnungsgemäß funktioniert. Ich vermute, dass die beiden Systeme Schwierigkeiten haben, miteinander zu kommunizieren, aber ich weiß es nicht“, sagt er. Er hofft, dass es bald eine konstruktive Lösung gibt.

40.000 Bußgelder

Das Transportunternehmen Nord-Spedition ist bei Weitem nicht allein. Laut dem Branchenverband International Transport Danmark (ITD) in Pattburg (Padborg) wurden seit Einführung der Maut am 1. Januar bis zum 29. Juli dieses Jahres rund 40.000 Bußgelder an dänische und ausländische Spediteurinnen und Spediteure verhängt – obwohl viele von ihnen zugelassene Systeme in ihren Fahrzeugen installiert haben.

„Nord-Spedition ist nicht das einzige Unternehmen. Ich habe Anfragen von osteuropäischen Firmen erhalten, die ebenfalls mit Bußgeldern überhäuft werden. Das ist ein weit verbreitetes Problem“, sagt John A. Skovrup, Vorsitzender von ITD in Pattburg.

Schon damals, als die dänischen Politikerinnen und Politiker beschlossen, die Maut einzuführen, war er sehr skeptisch gegenüber dem System.

„Angesichts der kurzen Zeit, die für die Einführung des Systems zur Verfügung stand, war mir klar, dass dies zu Problemen führen könnte. Es wäre wohl das erste Mal in der Weltgeschichte, dass jemand ein brandneues System so schnell einführt, ohne dass es zu einer Menge Probleme kommt“, sagt Skovrup.

Laut Skovrup forderte ITD die dänischen Behörden auf, bestehende europäische Lösungen in Betracht zu ziehen, darunter das deutsche Maut-System, das er als gut funktionierend bezeichnet. Aber es kam ein Nein – das dänische System sollte ganz eigenständig sein.

Enorme Geldstrafen

Die Folge ist laut ITD eine Welle von Geldstrafen – und seit Juni hat sich der Betrag sogar verdoppelt: von 4.500 Kronen (etwas über 600 Euro) auf 9.000 Kronen (etwas über 1.200 Euro) pro Verstoß.

„Das ist unserer Meinung nach sehr kritikwürdig. Wir haben versucht, mit den Behörden in einen Dialog zu treten, aber sie sind sehr arrogant: Wenn es Fehler gibt, sind andere schuld“, sagt Skovrup.

ITD hat sich bei der EU-Kommission über die Bußgeldpraxis des dänischen Staates beschwert und hofft, dass deutsche Speditionsunternehmen die Angelegenheit unterstützen werden.

Weder das dänische Transportministerium noch Sund & Bælt, der Betreiber des Mautsystems, haben sich gegenüber „Flensborg Avis“ zu der Kritik geäußert.

In einer schriftlichen Antwort an „DR“ teilt das Unternehmen jedoch mit, dass das System ordnungsgemäß funktioniere und die überwiegende Mehrheit der Zahlungen ohne Probleme erfolge – über 99,6 Prozent der Fahrerinnen und Fahrer hielten sich an die Regeln.