Umwelt und Natur

Hier ist die Radon-Belastung in Nordschleswig am höchsten

Veröffentlicht Geändert
Ein Haus ist zu verkaufen
Besonders an der Ostseeküste in Nordschleswig ist die Radon-Belastung hoch, aber geringer als in anderen Landesteilen (Symbolbild).

Eine zu hohe Konzentration des Edelgases in Wohnräumen ist gesundheitsschädlich. In Schleswig-Holstein startet daher Mitte des Jahres eine Messkampagne zur Radon-Belastung. In Dänemark können Bürgerinnen und Bürger selbst aktiv werden. Über Karten lässt sich einsehen, wie hoch die Konzentration am Wohnort ist und welche Maßnahmen man am eigenen Haus ergreifen kann.

Es ist unsichtbar, geruchs- und geschmacklos. Das radioaktive Edelgas Radon. Dass es gesundheitsschädlich ist, wissen nur wenige. Radon entsteht auf natürliche Weise in der Erde und steigt von dort nach oben. An der frischen Luft verfliegt es schnell. Gelangt es aber durch Risse im Fundament, undichte Kellerwände oder durch Abflüsse in Gebäude, kann es sich dort in der Raumluft sammeln – und zur Gefahr werden. Denn Radon schädigt beim Einatmen das empfindliche Lungengewebe.

In Schleswig-Holstein bekommen daher bis Mitte des Jahres 1.000 Familien ein Messgerät, um die Konzentration des Edelgases in ihrem Haus oder der Wohnung zu messen, heißt es in einem aktuellen Bericht. Eine Karte des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) zeigt, wo im Nachbarland die Radon-Konzentration in Wohnungen besonders hoch ist. So zieht sich ein blau-grünes Band vom Bungsberg in Ostholstein bis nach Flensburg (Flensborg) die Ostseeküste entlang. Die dunkelgrüne Färbung steht für den höchsten Wert in Schleswig-Holstein: 100 bis 150 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m3). Im Boden liegt der Radon-Anteil an der Ostküste sogar zwischen 100.000 und 150.000 Bq/m3. Ein Becquerel gibt die Anzahl der Atome an, die pro Sekunde zerfallen.

Die Karte des Bundesamtes endet zwar an der Grenze, doch auch die Gesundheitsbehörde (Sundhedsstyrelsen) hat eine geografische Übersicht, die die geschätzte Belastung hierzulande zeigt. Das graue Band setzt sich nach Norden entlang der Ostseeküste fort, allerdings sind es in Dänemark Brauntöne. Die Radon-Konzentration wird in Dänemark in fünf Klassen eingeteilt.

Radonbelstung SH
Schätzung der Radonbelastung in der Raumluft, der Einwohnende einer Gemeinde in Schleswig-Holstein ausgesetzt sind.

Hohe Belastung an der dänischen Ostseeküste

Die Belastung ist besonders in drei der vier nordschleswigschen Kommunen hoch. Die Daten stammen aus dem Jahr 2001 und zeigen anhand der alten Kommunengrenzen, dass in großen Teilen der Kommunen Apenrade (Aabenraa), Sonderburg (Sønderborg) und Hadersleben (Haderslev) rund 3 bis 10 Prozent aller Einfamilienhäuser eine Radon-Konzentration von über 200 Becquerel pro Kubikmeter aufweisen (Klasse 3). Auf Nordalsen (Nordals) und im Bereich zwischen Warnitz (Varnæs), Blans und Gravenstein (Gråsten) sind es teilweise sogar 10 bis 30 Prozent aller Häuser (Klasse 4).

In der Kommune Tondern (Tønder) sind die Belastungen deutlich geringer. Hier sind nur 0 bis 1 Prozent (Klasse 0 und Klasse 1) aller Häuser betroffen. Weiter in Richtung Ostseeküste steigt die Belastung stellenweise auf Klasse 2.

Radon-Gefahr größer als gedacht

Neuere Zahlen zeigen, dass vier von zehn Menschen in Dänemark in ihren vier Wänden einer erhöhten Strahlung durch krebserregende Radonstrahlen ausgesetzt sind. Das fasst eine Studie der Aalborg Universität aus dem Jahr 2020 zusammen. Betroffen sind demnach bis zu 650.000 Haushalte, in denen bis zu 2,6 Millionen Menschen leben. Die Daten basieren auf Messungen, die in 16.943 Einfamilien- und Reihenhäusern zwischen 2015 und 2020 durchgeführt wurden.

Das Referenzniveau liegt laut der dänischen Gesundheitsbehörde bei 100 Bq/m3. Bei Werten darüber besteht ein Risiko für die Gesundheit. Laut Studie der Universität Aalborg gehört die Kommune Tondern mit 7 Prozent zu den Kommunen mit dem geringsten Anteil an Wohnungen und Häusern mit einer Belastung von 100 Bq/m3. In Brøndby beträgt der Anteil zum Vergleich 76 Prozent.

In den Kommunen Apenrade (46 Prozent), Sonderburg (57) und Hadersleben (51) überschreiten deutlich mehr Häuser die Grenzwerte.

Polonium, Bismut und Blei in der Lunge

Im „Radon-Bericht“ aus dem Jahr 2001 schreibt die Gesundheitsbehörde, eine Risikoanalyse habe ergeben, dass Radon in dänischen Wohnungen vermutlich Ursache für 300 bis 400 zusätzliche Lungenkrebsfälle pro Jahr ist. Demnach ist Radon nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Selbiges liest man auch von der Radon-Beratungsstelle des Landes Schleswig-Holstein.

Der Grund: Während das Radon wieder ausgeatmet wird, verbleiben seine Zerfallsprodukte, radioaktive Isotope der Elemente Polonium, Bismut und Blei, in der Lunge. Sie zerfallen weiter und schädigen dabei die strahlenempfindlichen Zellen der Lunge.

Deutsche und internationale Studien belegen, dass das Lungenkrebsrisiko pro 100 Becquerel um 10 bis 16 Prozent ansteigt. Die in Deutschland geltende Strahlenschutzverordnung besagt daher, dass in der Raumluft möglichst nicht mehr als 300 Becquerel enthalten sein sollen. Laut Weltgesundheitsorganisation wäre es für die Gesundheit besser, in dauerhaft genutzten Wohnräumen unter 100 Becquerel zu kommen. Dies entspricht dem Wert, den die Gesundheitsbehörde in Dänemark angibt.

Radon-Konzentration im Eigenheim kontrollieren

Während in Schleswig-Holstein die Landesregierung ab Mitte des Jahres in Privaträumen von rund 1.000 Familien die genaue Radonbelastung ermitteln möchte, können Hausbesitzerinnen und -besitzer in Dänemark selbst aktiv werden, wenn sie die Radon-Konzentration in ihrem Eigenheim unabhängig von den Karten messen lassen wollen.

In Deutschland beträgt der Durchschnittswert von Radon in einem Kubikmeter Raumluft 60 Becquerel. Im Norden sind aber bereits in Gebäuden vereinzelt Werte von bis zu 8.000 Becquerel gemessen worden – und das könnte auch örtlich in Nordschleswig der Fall sein.

Auf der Webseite „Radonguiden“ steht beschrieben, wie man Messgeräte bekommen kann, und wo sie aufgestellt werden sollten. Empfohlen werden je nach Gebäude 2 bis 4 der sogenannten Radonexposimeter, die über mindestens zwei Monate in der Periode 1. Oktober bis 30. April aufgestellt werden sollen. Weil in den Wintermonaten mehr kalte Luft von unten ins Haus gelangt und insgesamt weniger gelüftet wird, ist die Konzentration in diesem Zeitraum am höchsten. Die Geräte werden anschließend luftdicht verpackt und an den Hersteller zur Auswertung geschickt. Anschließend erhält man einen Radon-Bericht.

Je nach Konzentration Maßnahmen sinnvoll

Liegt der Messbereich im Eigenheim zwischen 100 und 200 Becquerel pro Kubikmeter, kann bereits mit kleinen Maßnahmen entgegengewirkt werden – etwa durch regelmäßiges Stoßlüften oder das Abdichten von Türen und Fundamenten. Liegt der Wert darüber, sind weitere Maßnahmen erforderlich, die in einer Empfehlungsliste gesammelt sind. Auch die Webseite radon-stop.dk bietet zahlreiche Hilfestellungen bei erhöhten Radonwerten. So kann etwa eine Sperrschicht zwischen Untergrund und Gebäude oder zumindest zwischen Keller und Wohnbereich installiert werden, um die Konzentration in den Wohnräumen zu senken.

In Neubauten muss in Dänemark seit 2010 sichergestellt werden, dass die Grenzwerte von 100 Bq/m3 nicht überschritten werden. Daher lohnt sich ein genauerer Blick, wenn Häuser älter sind. Wer einen Hauskauf plant, kann auf der Webseite dingeo.dk über die Eingabe der Adresse bereits eine Schätzung der Radon-Belastung einsehen.

Überschreiten die Ergebnisse der Messungen in Schleswig-Holstein bestimmte Parameter, muss das Land sogenannte „Radonvorsorgegebiete“ ausweisen und dort den Schutz erhöhen. Bei der Messung 2020 wurden die Schwellenwerte nicht erreicht. Eine erhöhte Konzentration über weite Flächen wird auch jetzt nicht erwartet.

Mit Material von shz.de/Eckard Gehm

Warum sind Radon-Werte unterschiedlich hoch?

Radon ist vor allem in Gestein und Erdreich mit hohem Uran- und Thoriumgehalt zu finden. Hohe Konzentrationen gibt es vor allem in Mittelgebirgen und dem Alpenvorland. Aber auch in Gegenden mit Gesteinsmoränen der letzten Eiszeit ist der Radon-Gehalt höher. Das betrifft etwa die Ostseeküste in Dänemark. Das Gas dringt aus den obersten Bodenschichten in die Atmosphäre, ins Grundwasser, in Keller oder Rohrleitungen.

In Dänemark finden sich vor allem in Nordseeland und auf Bornholm hohe Konzentrationen. In Südjütland ist das Radon-Niveau eher gering bis moderat. Daher ist neben der geografischen Lage des Hauses auch der Zustand ein Hinweis darauf, ob ein erhöhtes Risiko für hohe Radon-Werte besteht.

Ist ein Haus zum Beispiel schlecht belüftet, besteht ein größeres Risiko für hohe Radon-Werte. Das Gleiche gilt, wenn das Haus älter ist und Risse, Spalten oder andere undichte Stellen aufweist, durch die Radon eindringen kann. Dies können beispielsweise Lecks im Kellerboden, in Wänden, in der Decke zwischen Keller und Erdgeschoss oder Rohrdurchlässe sein.

Auch die Art des Hauses kann einen Einfluss darauf haben, wie hoch die Radon-Konzentration ist. In einem Gebäude ohne Keller ist die Wahrscheinlichkeit eines hohen Radon-Spiegels größer als in einem Gebäude mit Keller. Das liegt daran, dass Gebäude ohne Keller direkten Bodenkontakt haben. Der Keller kann daher als eine Art Puffer zwischen dem Boden und den anderen Stockwerken des Hauses fungieren. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass es, wie oben beschrieben, keine undichten Stellen in der Bodentrennung gibt.