Umweltschutz

Gift im Gully: Wie Autowäsche und Algenentferner der Natur schaden

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Um den Bürgerinnen und Bürgern klarzumachen, dass Gullys direkt in die Natur ableiten, kennzeichnet Jeppe Lorenzen mit seinem Team von Sonfor mehr und mehr Gullys mit einem blauen Fisch.

Wie funktioniert das System der Regenwasserabläufe in der Kommune Sonderburg? Nach der jüngsten Umweltverschmutzung erläutert Jeppe Lorenzen von der Versorgungsgesellschaft Sonfor, wie Bürgerinnen und Bürger Tragödien wie das Fischsterben in Nübel zukünftig verhindern können.

In Sonderburg gibt es mehrere Zehntausend Regenwasserabläufe, sogenannte Gullys. Seit den 1970er-Jahren trennt die Kommune das Abwasser: Während häusliches Abwasser zur Kläranlage geleitet wird, fließt Regenwasser von Straßen und Dächern direkt in die Natur. Etwa in Bäche, Teiche, in den Hafen von Sonderburg, ins Nübeler Noor oder in Regenrückhaltebecken.

Ein System, das bei menschlichem Fehlverhalten katastrophale Folgen für die Natur hat: Kürzlich starben Tausende Fische, weil giftige Flüssigkeit über einen Gully in einen Bach bei Nübel geriet.

Fast alle Abläufe leiten direkt in die Natur ab

Jeppe Lorenzen ist Abteilungsleiter für Abläufe bei der Sonderburger Versorgungsgesellschaft Sonfor. Er weiß: „Etwa 80 Prozent der Regenwasserabläufe führen bereits direkt in die Natur.“ Die Trennung der Systeme ist noch nicht überall abgeschlossen, wird aber kontinuierlich weiter umgesetzt.

Was darf in den Gully?

Zehntausende Regenablaufgitter leiten in der Kommune Sonderburg unterirdisch in die Natur ab.

Regenwasserabläufe sind ausschließlich für Regenwasser vorgesehen. „Man kann sicher sein, dass, wenn man dort etwas hineinschüttet oder das Auto daneben wäscht und das Wasser hineinläuft, es am Ende in unserer Natur landet“, warnt Lorenzen.

Schadstoffe wie Reinigungsmittel, Öl, Farbe oder Grünbelagentferner („algerens“) gelangen direkt in die Umwelt und können dort erheblichen Schaden anrichten. Das jüngste Fischsterben in Nübel zeigt, wie gravierend die Folgen sein können, wenn giftige Substanzen über die Gullys in einen Bach gelangen.

Um den Menschen klarzumachen, dass Gullys direkt in die Natur ableiten, kennzeichnet Sonfor mehr und mehr Gullys mit einem blauen Fisch.

Konkrete Hinweise für Bürgerinnen und Bürger

Auch hier an der Sundgade fließen unterirdische Rohre in die Bucht von Sonderburg.
  • Keine Chemikalien, Öle oder Farben in den Gully schütten.
  • Fahrzeuge nicht auf der Straße oder Einfahrt waschen, wenn das Abwasser in den Regenablauf gelangen kann. Wer das Auto reinigen möchte, sollte es mit klarem Wasser ohne Seife oder Produkte waschen – oder am besten eine Waschanlage nutzen.
  • Grünbelagentferner („algerens“) darf nicht in den Gully gelangen. Wer solche Algenreiniger verwenden möchte, sollte ein professionelles Unternehmen beauftragen, das die Rückstände auffängt und fachgerecht entsorgt.
  • Im Schadensfall sofort handeln: Wenn etwas Umweltgefährdendes in den Gully gelangt, sollte man die 112 anrufen und den Fall melden.

Aufklärungsarbeit und Prävention

Mit blauer Sprayfarbe auf dem Bürgersteig markiert Jeppe Lorenzen einen Ablaufschacht in der Sonderburger Ankersgade. Wichtig zu wissen: Auch die Gullys, die nicht gekennzeichnet sind, leiten in die Natur ab.

Um das Bewusstsein für den richtigen Umgang mit Regenwasserabläufen zu stärken, hat Sonfor eine Informationskampagne gestartet. „Wir haben vor allem Gullys vor Institutionen wie Kindergärten und Schulen mit blauen Fischen markiert, damit das Thema ins Gespräch kommt“, erklärt Lorenzen. „Wir möchten damit eine Verhaltensänderung erreichen, damit alle verstehen, wie wichtig es ist, auf die Umwelt zu achten.“

Lorenzen stellt klar: „Es ist nicht nur dort wichtig, wo wir blaue Fische aufgemalt haben. Es gilt auch für alle anderen Regenwasserabläufe. Nahezu alle führen in die Natur.“

Auch auf dem Land gilt Vorsicht

Nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land ist das Regenwasser von Dächern und Höfen Sache der Grundstückseigner und der Kommune. Auch dort dürfen keine Schadstoffe in die Abläufe gelangen, da sie ebenfalls direkt ins nächste Gewässer führen können. „Das System funktioniert überall gleich. Deshalb muss man auch auf dem Land besonders darauf achten, nichts in den Ablauf zu kippen“, betont Lorenzen.

Technische Lösungen und Verantwortung

Lorenzen erklärt, dass es technisch kaum möglich ist, das gesamte Regenwasser durch die Kläranlage zu leiten, da die Mengen zu groß wären. „Wir haben vielerorts Regenrückhaltebecken, die auch eine reinigende Wirkung haben, und wir schauen uns auch andere Lösungen für die Zukunft an“, sagt er. Die Verantwortung für die Einhaltung der Regeln liegt letztlich bei jedem Einzelnen.

Jeppe Lorenzen sagt im Namen der Fische: „Wenn du dein Auto reinigen möchtest, solltest du es mit klarem Wasser ohne Seife oder Produkte waschen – oder am besten eine Waschanlage nutzen.“