Gesundheit

Diabetes: Erwachsene in Nordschleswig mehr als doppelt so häufig erkrankt wie in Kopenhagen

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Insulinstift
Viele Diabetes-Erkrankte müssen ihren Blutzuckerhaushalt mithilfe von Insulin-Pens regulieren, mit denen sie sich Insulin spritzen (Symbolfoto).

Noch nie haben so viele mit der Krankheit gelebt. 368.000 Menschen in Dänemark haben Diabetes. Was wir dagegen tun können – und weshalb dahinter auch eine beruhigende Nachricht steckt.

„Wir stehen mitten in einer stillen Gesundheitskatastrophe“, sagt der Geschäftsführer des Interessenverbandes Diabetesforeningen, Claus Richter.

Anlass seines Warnrufes: Mehr als 368.000 Menschen in Dänemark leben aktuell mit Diabetes Typ 1 oder Diabetes Typ 2 – mehr als jemals zuvor.

Wie es in einer Pressemitteilung des Verbandes heißt, wird geschätzt, dass im Jahr 2030 etwa 467.000 Menschen in Dänemark Diabetes haben werden, wenn die Entwicklung so weitergeht.

Menschen in Nordschleswig gefährden sich besonders

In Nordschleswig sind die Zahlen noch alarmierender als im Landesdurchschnitt. Hier gibt es derzeit mehr als 15.000 Erwachsene allein mit Diabetes Typ 2. In den vier Kommunen des Landesteils nähert sich ihr Anteil stetig der 10-Prozent-Marke, während er in Kopenhagen seit Jahren stabil bei rund 4 Prozent liegt.

Hinter den Zahlen verbirgt sich auch ein Indikator dafür, wie die Menschen in den unterschiedlichen Regionen leben. Ob sie eher mit dem Auto oder dem Rad fahren, wie sie sich ernähren und so weiter. „Es gibt mehrere Ursachen, nicht nur eine. Es liegt daran, dass wir älter werden, an unserem Lebensstil und an der sozialen Vererbung“, sagt Richter.

Es gibt also auch eine beruhigende Nachricht: „Einer der Faktoren ist, dass wir auch mit einer chronischen Krankheit wie Diabetes länger leben“, so Richter. Doch: „Im vergangenen Jahr wurden 20.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Das zeigt, dass wir als Einzelne und als Gesellschaft die Krankheit ernster nehmen müssen“, sagt er.

Von den 368.000 Menschen mit Diabetes haben etwa 332.600 Typ-2-Diabetes, rund 35.600 Typ-1-Diabetes. Dazu wird geschätzt, dass etwa 100.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes leben, ohne es zu wissen.

Bin ich gefährdet? Das sind die Anzeichen

Diabetes Typ 1 und 2

„Auf Toilettendrang, Durst und Müdigkeit sollte man achten. Man kann auch einen Risikotest machen, um zu sehen, ob man gefährdet ist, Diabetes zu bekommen“, sagt Claus Richter.

Im Jahr 2028 werden die sogenannten Chronikerpakete Teil der Gesundheitsreform. Sie sollen Menschen mit Typ-2-Diabetes das Recht auf einen persönlichen Behandlungsplan geben.

Laut Richter ist das ein wichtiger erster Schritt, aber nicht genug: „Das löst nicht das grundlegende Problem: dass unser gesamtes System auf akute und nicht auf chronische Krankheiten ausgerichtet ist.“

Rund 500.000 Menschen in Dänemark haben Vorstufen von Typ-2-Diabetes. Früherkennung kann das Risiko schwerer Erkrankungen verringern, wie Schäden am Herzen, an den Nieren, an den Augen und anderen Organen.

Was tun, um Diabetes vorzubeugen?

Cykelgade
In Großstädten wie Kopenhagen haben Radfahrende häufig Vorfahrt. Wegen der Zeitersparnis gegenüber Autos und ÖPNV nutzen dort besonders viele Menschen das Rad als Transportmittel – und tun so zugleich etwas gegen das Diabetesrisiko (Archivfoto).

Wissenschaftlich gesichert ist heute, dass Diabetes Typ 2 vorbeugen kann, wer sich regelmäßig bewegt, sein Gewicht reduziert, sich ausgewogen ernährt und auf das Rauchen verzichtet. Zahlreiche Studien untermauern besonders die positive Wirkung von körperlicher Bewegung.

Dadurch steigt die Insulinempfindlichkeit der Zellen, der Blutzuckerspiegel sinkt, und die Insulinresistenz sinkt – sie ist eine Hauptursache für Typ-2-Diabetes.

Bewegung trägt aber auch zur Gewichtsabnahme bei, was das Diabetesrisiko weiter senkt. Schon ein Gewichtsverlust von 5 Prozent kann das Erkrankungsrisiko um über 50 Prozent reduzieren, wie große Studien zeigen.

Forschende der Süddänischen Universität (SDU) haben außerdem bewiesen: Wer regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, senkt sein Diabetesrisiko signifikant. Schon wer pro Woche einmal bis zu eine Stunde hin und zurück mit dem Rad zur Arbeit unterwegs ist, senkt sein Risiko für Typ-2-Diabetes um 28 Prozent.