Geschichte

Hitlers DNA analysiert: Dänische Forschende liefern neue Einblicke

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Der Eingang zum Führerbunker Adolf Hitlers im Garten der Reichskanzlei in Berlin nach der Einnahme Berlins durch die Rote Armee.

Ein blutbefleckter Stofffetzen aus Hitlers Führerbunker dient als Grundlage für eine neue DNA-Analyse. Das Forschungsteam aus Aarhus findet im Erbgut des Führers unter anderem Hinweise auf Autismus, Schizophrenie und bipolare Störung.

Ein britisches Dokumentarteam hat Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Aarhus damit beauftragt, Adolf Hitlers genetische Veranlagung für psychiatrische Erkrankungen zu untersuchen. Grundlage ist ein Stoffstück aus Hitlers Führerbunker in Berlin, das ein US-Offizier 1945 aus dem blutbefleckten Sofa herausgeschnitten haben soll, auf dem Hitler sich zuvor selbst erschossen hatte. Die DNA-Auswertung ist Teil einer neuen Channel-4-Dokumentation, über die CNN berichtet.

Nach Jahrzehnten der Spekulationen

Nachdem Hitlers Erbgut sequenziert worden war, wurde Ditte Demontis, Professorin am Institut für Biomedizin der Universität Aarhus, um eine Einschätzung gebeten. Sie und ihr Team beschäftigen sich seit Jahren mit genetischen Risikoscores für psychiatrische Erkrankungen.

Demontis betont, wie wichtig eine saubere wissenschaftliche Methode und eine klare Kommunikation der Ergebnisse sind: „Es wird seit Jahrzehnten spekuliert, ob Hitler eine psychiatrische Erkrankung gehabt haben könnte. Uns war wichtig, dass diese Untersuchung wissenschaftlich robust erfolgt.“

Hohe Werte in drei Bereichen

Die Forscherinnen und Forscher analysierten Hitlers sogenannte polygene Risikoscores für verschiedene psychiatrische Störungen und verglichen die Werte mit genetischen Daten von 37.000 Däninnen und Dänen. Polygenen Scores lassen Rückschlüsse darauf zu, wie stark jemand aufgrund vieler verschiedener Genvarianten für bestimmte Erkrankungen besonders anfällig ist.

Die Analyse ergab auffallend hohe Werte für Autismus, Schizophrenie und bipolare Störung – jeweils im obersten Prozentbereich. „Wir haben uns gefragt: Wie viele der 37.000 Vergleichspersonen erreichen ähnlich hohe Werte in allen drei Bereichen? Die Antwort war: niemand“, so Demontis.

Gleichzeitig warnt sie vor Fehlinterpretationen. Aus solchen Scores lasse sich weder eine tatsächliche Diagnose ableiten noch etwas über Charakter oder Handlungen einer Person sagen. Umweltfaktoren und seltene genetische Varianten würden etwa gar nicht erfasst.

Kein Hinweis auf jüdische Vorfahren

Die Untersuchung wird von der britischen Genetikerin Turi King geleitet. Laut CNN geht sie davon aus, dass das Blut auf dem Stoff tatsächlich von Hitler stammt – gestützt auf den Vergleich mit einer DNA-Probe eines Verwandten.

Die Dokumentation greift zudem alte Spekulationen über ein mögliches jüdisches Familienerbe Hitlers auf. Die genetischen Daten liefern dafür laut einer Mitteilung der Universität Aarhus jedoch keine Hinweise.

Hitler litt am Kallmann-Syndrom

Darüber hinaus halten beteiligte Forscherinnen und Forscher es für plausibel, dass Hitler am Kallmann-Syndrom litt – einer seltenen hormonellen Störung, die die Pubertät verzögert und zu unterentwickelten Geschlechtsorganen sowie verminderter Fruchtbarkeit führen kann.

Die wissenschaftliche Publikation der Ergebnisse steht noch aus; die beteiligten Forschenden arbeiten daran.