Kulturgeschichte

Vergangenheit trifft Gegenwart: Tonderns Schiffbrücke wird lebendig

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Jan Peter Jensen begrüßt es, dass die Geschichte des Hafens vermittelt wird.

Mit der offiziellen Eröffnung der neuen Anlaufstelle auf der Schiffbrücke wird ein Stück Tonderner Stadtgeschichte wieder erlebbar. Wo früher Schiffe anlegten, erinnern heute Relikte, Informationstafeln und ein offener Stadtraum an die maritime Vergangenheit. Jan Peter Jensen gehört zu den Menschen, für die damit ein Kindheitstraum wahr wurde.

„Als echter Tonderaner Junge bin ich sehr froh, dass es jetzt eine Lösung gibt“, sagt Jan Peter Jensen am Rande der offiziellen Eröffnung der neuen Anlaufstelle auf der Schiffbrücke in Tondern.

20 Stufen geht es hinab zu den Relikten der ehemaligen Seestadt, die fast neun Jahrzehnte unter einer Asphaltdecke ein verborgenes Dasein führten. Sie sollen nun die Nachwelt daran erinnern, dass die Wiedaustadt einst als Hafenstadt eine bedeutende Rolle spielte.

Indes erinnert sich der erwachsene Jan Peter Jensen oben an einem runden Infopunkt noch an drei Träume, die er als Zwölfjähriger seinem Vater bei einem Spaziergang erzählt hatte.

Drei Wünsche bezüglich der Stadtgeschichte

„Ich wünschte mir damals, dass der Kaakmann wiederkehren würde, dass man in den Wasserturm hineinkommen könnte und dass es wieder einen Hafen geben würde“, so Jan Jensen. Er kennt sich nicht nur mit der Stadtgeschichte aus, sondern ist auch eng mit der Schiffbrücke verbunden, da sein Vater dort aufwuchs.

„Der Hafen wurde zugeschüttet, da es damals kein Wasser gab und es voller Ratten war und dreckig“, weiß er von seinem vor Jahren verstorbenen Vater.

Während Tonderns hölzener Scharfrichter – der Kaakmann – seit 1993 als Replik auf dem kleinen Markt und im Original im Museum zu sehen ist, kann der Wasserturm seit vielen Jahren als Teil der Museen betreten werden.

Geschichte zum Anfassen

Dei Einweihung der neuen maritimen Vermittlungsstelle stieß auf großes Interesse.
Bürgermeister Jørgen Popp Petersen bei der Einweihung

Der Hafen kehrte zwar nicht in vollem Ausmaß zurück, seine Spuren sind aber auf der Schiffbrücke einsehbar. Ein Band aus gelben Klinkern veranschaulicht zudem die Konturen des Hafensbereichs.

Nachdem die Schiffbrücke seit mehr als drei Jahren von Maschinen geprägt gewesen war, sei sie nun ein Ort, wo Vergangenheit und Gegenwart aufeinanderträfen, so Bürgermeister Jørgen Popp Petersen (Schleswigsche Partei) in seiner Rede.

„Unsere gemeinsame Geschichte wird lebendig und zugänglich gemacht. Obgleich es unterwegs mehrere Steine auf dem Weg gab, bestand nie ein Zweifel, dass die Geschichte vermittelt werden sollte. Für neue Generationen ist es nicht verständlich, wenn es nicht erklärt wird”, so Popp Petersen.

Zu den Menschen, die seit 50 Jahren an der Idee festhielten, auf der Schiffbrücke die Bedingungen für ein blühendes Leben und Zusammensein zu schaffen, gehört Harald Christensen.

Bent Schulz, der seit Jahren die Pläne verfolgt und sich aktiv eingesetzt hat, zeigte sich im passenden Outfit.
Während der archäologischen Ausgrabung an der Schiffbrücke waren auch die Überreste eines Schuhs aufgetaucht.

Er kam als letzter Vorsitzender der inzwischen aufgelösten Hafengruppe zu Wort. Die Gruppe hat im Laufe der Jahre bei verschiedenen Aktionen 120.000 Kronen gesammelt, die dem Projekt zur Verfügung gestellt wurden. Daran erinnert nun ein Schild.

Für die Vermittlung der Hafengeschichte investierte die Kommune Tondern 11 Millionen Kronen.

Fehlerhafte Texte werden geändert

Das Schild soll an die Hafengruppe erinnern, die das Projekt unterstützt hat.

Indes fallen bei der schriftichen Vermittlung sprachliche Schönheitsfehler bei den deutschen Texten auf. „Das wird korrigiert. Das ist keine große Sache, da die Folien entsprechend geändert werden“, erklärt Vizekommunaldirektor Keld I. Hansen.

Auch er war bei der Übergabe durch die zuständige Firma aus Kopenhagen über Rechtschreibfehler gestolpert. Diese seien leider entstanden, obgleich die Kommune sich mit einer deutschkundigen Person zusammengetan hätte.

Die Musik spricht ihre eigene Sprache, und der erste Musiker, der dort auftrat und den neuen offenen Stadtraum mit Wohlklang erfüllte, war Mads Langelund aus Tondern; er wird hoffentlich nicht der letzte sein.

Die Teilnehmenden ließen sich nicht davon abschrecken, dass die Stufen durch den Regen etwas feucht waren.
Der Regen hatte an diesem Tag ein Wörtchen mitzureden.

Jan Jensen verrät, dass er weiterhin einen kleinen Traum hat. „Ich würde mir noch wünschen, dass hier zwei Fahnen mit Tonderns Stadtwappen der Fregatte wehen würden, wie es in Hamburg, Bremen und Lübeck der Fall ist.“ Inzwischen zählt der kleine Junge von damals 71 Lenze.

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Der Hindernislauf

• Im Zuge der Kanalisationsarbeiten und Neugestaltung der Tonderner Schiffbrücke stoßen Mitarbeiter des Kjelkvist-Unternehmens Ende 2021 auf Reste des 1934 zugeschütteten Hafens. Dass sie dort lagen, wusste man.

• Während der archäologischen Ausgrabung entsteht die Idee, der Nachwelt über die Geschichte von Tondern als Seestadt zu erzählen.

• Am 17. Dezember 2021 trifft sich der Sonderausschuss für die Stadtmitte (Midtby-Udvalget) auf der Schiffbrücke. Das Gremium wünscht Zeichnungen, wie ein kleines unterirdisches Hafenmuseum aussehen könnte, um die gefundenen Hafenreste zu sichern und für Vermittlungszwecke zu nutzen.

• Im Februar 2022: Der Stadtrat beschließt, 9 Millionen Kronen in das Hafenmuseum zu investieren und wählt eine Tunnellösung. Dies war die teuerste Lösung von vier Vorschlägen. Für das Projektieren werden sofort 500.000 Kronen bewilligt.

• Im Juni 2023 und wenige Wochen später überraschen zwei Ausschreibungen negativ: Der Kostenrahmen wird wesentlich überschritten. Der Preis für das gewünschte Modell schnellt von 9 auf 13,1 Millionen Kronen. Die Kosten können nach Projektabstrichen um 660.000 Kronen gedrosselt werden. Dennoch fehlen 4,1 Millionen Kronen.

• Am 21. September 2023 einigt sich der Finanzausschuss geschlossen, an der Tunnellösung festzuhalten. Eine nachträgliche Bewilligung in Höhe von 4,1 Millionen Kronen ist erforderlich, wird aber nicht thematisiert. Eine Zustimmung gilt als eine Pro-Forma-Sache.

• 28. September 2023: Im Tonderner Stadtrat entsteht eine Stimmengleichheit (15:15 bei einer Enthaltung). Damit werden die noch fehlenden 4,1 Mio. Kronen nicht bewilligt.

• Im Oktober 2023 beschließt der zuständige Ausschuss für die Stadtmitte, dass Berechnungen über eine „offene Lösung“ durchgeführt werden sollen.

• Im April 2024: Der Stadtrat setzt sich bei zwei Gegenstimmen für die offene Lösung zum Kostenpunkt von 11 Millionen Kronen ein. Die Arbeiten werden mit einem festen Preis-Limit ausgeschrieben.

• Sommer 2024: Das Rothenkruger Tiefbauunternehmen Chr. Johansen nimmt die Arbeiten mit der Sicherung der brüchigen alten Hafenmole auf.

• Juli 2025: Die Pflasterarbeiten auf der Schiffbrücke befinden sich im Endspurt, und beim kleinen Hafenmuseum fehlt der Feinputz.

• September 2025: Die Schiffbrücke und das winzige Hafenmuseum werden offiziell eingeweiht.

Schiffbrücke kurz vor dem Ziel: Hafen-Geschichte bald unterirdisch erlebbar