Restaurierung

Millionenschweres Geschenk holt Gartenhaus aus dem Dornröschenschlaf

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Projektleiterin Alice Øvlisen Brun freut sich über die finanzielle Förderung für das Projekt in Wiesby. Links neben dem Gebäude wird eine behindertengerechte Toilette gebaut. Der Pfad, auf dem Alice steht, führt durch die beiden verbundenen Gebäude hindurch.

Mit Unterstützung der Nordea-Stiftung rückt die Restaurierung des historischen Gartenhauses „Trosalta“ in greifbare Nähe. Der Lokalrat in Wiesby setzt auf ein neues Kapitel für das lange verlassene Gebäude – als offenen Ort für Begegnung, Kultur und Erinnerung.

„Dieser Zuschuss bedeutet wahnsinnig viel. Das ist ein Gütesiegel“, sagt Projektleiterin Alice Øvlisen Brun im weitläufigen Park in Wiesby. Die Stiftung Nordea fördert die Restaurierung des dort gelegenen Gartenhäuschens mit einer Million Kronen.

Den ersten Qualitätsstempel für das 2,5 Millionen Kronen teure Vorhaben gab es bereits 2024, als die Stiftung Realdania einen Zuschuss in Höhe von 500.000 Kronen bewilligte. Daran war die Bedingung geknüpft, dass eine Architektin oder ein Architekt eine Projektmappe entwerfen sollte.

„Jetzt glaube ich daran, dass das Projekt realisiert wird. Es handelt sich ja um ein kleines Haus in einem kleinen Ort. Daher ist es fantastisch, dass die Idee bei Geldgebern ankommt“, zeigt sich Alice Øvlisen Brun zuversichtlich.

Ein Haus mit Geschichte

Die Bewerbung kommt vom Lokalrat, der die Interessen der 524 Menschen in der Gemeinde Wiesby vertritt. Ausschlaggebend für den Zuschuss seien die fantastische Geschichte des Gebäudes und die örtliche Rückendeckung, so Alice. Das Haus würde vielen Menschen etwas bedeuten. „Es ist kein schönes Haus, es hat aber eine gute Geschichte“, sagt die Projektleiterin.

Entscheidend sei zudem gewesen, dass die Kommune Tondern (Tønder) als Besitzerin dem Lokalrat das Gebäude zur Verfügung gestellt hat.

Das Gartenhaus und seine Geschichte

An dem Haus, das nicht unter Denkmalschutz steht, nagt der Zahn der Zeit sichtbar.

Das Gartenhaus mit dem mysteriösen Namen „Trosalta“ stammt aus der Zeit des Pastors Niels Møller und seiner Frau Christine. 1908 ließ sich der 27-jährige Pastor Niels Møller aus Beftoft (Bevtoft) gemeinsam mit seiner Frau Christine in dem alten Pastorat in Wiesby nieder.

Der junge Pastor interessierte sich sehr für Gartenarbeit und kaufte bald eine Fläche unweit des Pastorats, wo er einen großen Gemüsegarten und später einen Park anlegte. Sie verkauften unter anderem Blumenkohl aus dem Garten auf dem Markt in Hamburg. Die Kohlköpfe wurden aus Wiesby mit der Bahn in die Hansestadt geschickt.

Ein alternatives Leben

Nielsen war es auch, der im Park das kleine Haus baute, dem die Eheleute den Namen „Trosalta“ gaben. Dort lebten sie ab 1922, nachdem Møller krankheitsbedingt vorzeitig pensioniert worden war. Der Geistliche, in Berlin ausgebildet, vermochte es nie, einen guten Draht zu seiner Gemeinde zu bekommen.

Das fortschrittliche Ehepaar stach aus der Dorfgemeinschaft heraus. Die Nielsens kleideten sich unter anderem in langen Gewändern. Christine Nielsen, die an Tuberkulose litt, starb 1924. Ihr Mann blieb bis zu seinem Tod sieben Jahre später in „Trosalta“ wohnen.

Der Pastor starb 1931, seit 1948 wohnte niemand mehr in dem Gebäude. Zwischenzeitlich kamen zeitweise Obdachlose dort unter. Danach diente es als eine Art Geräteschuppen.

Große Pläne für ein kleines Haus

Idylle pur im Park mit dem Haus im Hintergrund

„Es benötigt eine liebevolle Hand“, bringt Alice Øvlisen Brun den strapazierten Zustand des kleinen Gartenhauses auf den Punkt. Und was es mit dem Namen „Trosalta“ auf sich hat, bleibt auch in der Gegenwart ein Geheimnis.

Von alten Menschen, die den Pastor gekannt haben, sei überliefert worden, dass er die Bedeutung des Namens „Trosalta“ nicht verraten wollte, erzählt Alice, während die Vögel im Park zwitschern.

Es reiche nicht nur aus, die Hülle zu renovieren, das Haus solle auch einen Inhalt bekommen. „Ähnlich wie unser Mehrzweckplatz soll es offen zugänglich sein, damit alle es als Treffpunkt nutzen können. Dort könnten Einheimische sich treffen oder Gäste aus dem Park zum Beispiel einkehren und ihr mitgebrachtes Brotpaket essen. Es wird auch eine kleine Teeküche eingerichtet“, sagt die Projektleiterin.

Zudem sind ein Bücher-Tausch-Schrank sowie eine Präsentierfläche für Hobbyarbeiten angedacht. Kleine Videos sollen die Geschichte des Hauses erzählen.

Seit dem Jahreswechsel 2023/2024 hat sich das Bestreben rund um das Haus intensiviert. Das Thema ist Bestandteil des Entwicklungsplans für Wiesby.

Alice im Wohnzimmer, das der Freundeskreis nach der Renovierung mit betagten Möbeln einrichten will.

„Es erfordert örtliche Rückendeckung, um ans Ziel zu kommen“, so die ehrenamtliche Projektleiterin, die bis vor einigen Monaten noch im Vorstand des Lokalrats war.

Ehrenamtlich engagiert ist auch der Freundeskreis „Trosaltas Venner“. Er ist bereit, das Haus auszuräumen und es nach der Renovierung mit antiken Möbeln einzurichten.

Zurück zur Ursprünglichkeit

Der ursprüngliche Charakter der Wandmalereien soll im Zuge der Restaurierung aufgefrischt werden.

Bei der Restaurierung beheben Handwerksleute Fehler früherer Renovierungsarbeiten, bei denen nicht originale Materialien verwendet wurden. Ein neues Dach muss her, und im sanitären Bereich gehören Wasser und Kanalisation zu den angestrebten neuen Errungenschaften.

Die Architektin hat einen Anbau entworfen, in dem eine barrierefreie Toilette und ein Geräteraum Platz finden sollen. „Das wird eine Kombination aus Alt und Neu. Die Holzlamellen des Anbaus werden farblich dem Haus angepasst“, erzählt Alice.

Hoffen auf weitere Finanzspritzen

Im Park gibt es nicht nur seltene Pflanzen, sondern auch Skulpturen aus der Zeit des Pastors.

1.810.000 Kronen der erforderlichen 2,5 Millionen Kronen sind in trockenen Tüchern. Die Projektleiterin hofft im Juni auf positive Rückmeldungen von zwei weiteren Stiftungen. „Wenn wir so viel Glück haben, dann könnte es nach den Sommerferien losgehen. Ansonsten vergeht ein weiteres halbes Jahr mit neuen Bewerbungen“, so Alice.

Während der Pastor und seine Frau im Park ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, wird mehr als neun Jahrzehnte später neues Leben für ihr Haus geplant. „Wenn alles klappt, können wir es im Sommer 2026 einweihen“, hofft Alice.

Die Finanzierung des Projekts

• Nordea Fonden: 1.000.000 Kronen
• Realdania: 500.000 Kronen
• Kommune Tondern: 150.000 Kronen
• Norlys Vækstpulje: 150.000 Kronen
• Visby Lokalråd: 10.000 Kronen
• Weitere finanzielle Mittel sind bei der staatlichen Landdistriktspulje und Toosbuys Fond beantragt worden.
• Es fehlen noch 690.000 Kronen für die Restfinanzierung.