Freizeitbeschäftigung

„Hygge“ und Hämmern: Das Insel-Baufestival zum Mitmachen

Veröffentlicht Geändert
Das Baufestival legt einen besonderen Fokus auf Gemeinschaft, Kreativität und Nachhaltigkeit. Teilnehmerinnen und Teilnehmer können an eigenen oder gemeinsamen Bauprojekten arbeiten, unabhängig von Erfahrung oder Vorkenntnissen.

Das Baufestival auf der Halbinsel Kjer bietet eine Plattform, um gemeinsam zu bauen, sich auszutauschen und nachhaltige Projekte umzusetzen. Was dahintersteckt – und wer sich auf den Weg gemacht hat.

Es riecht intensiv nach Sägespänen, und kaum hat man die große Wiese des Festivalgeländes betreten, sieht man die Quellen des Geruchs: Überall sägen und schrauben Menschen an Holz. Die Kreissäge kreischt, Akkuschrauber bohren Löcher und drehen Schrauben ins Holz.

Das Besondere: Es sind keine Profis, sondern Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, Eltern und Großeltern, die hier zimmern, schrauben, sägen und bohren.

Das Ziel des Festivals ist es, Bauen nachhaltig umzusetzen – nicht nur praktisch, sondern auch gemeinschaftlich. „Wir wollten von Anfang an, dass alle Werkzeuge selbstständig und sicher genutzt werden“, berichtet Festivalbetreiber Noa Skovdal.

Das Team legt Wert darauf, dass alle Altersgruppen mitmachen und voneinander lernen. Wer Wissen hat, teilt es – außerdem stehen einige Profis mit Rat und Tat zur Seite.

Holz, das normalerweise im Müll landet

Rund 20 Tonnen Holz verarbeiten die Teilnehmenden des Festivals.

Zum Nachhaltigkeitskonzept gehört, dass das gesamte Holz entweder gebraucht oder upgecycelt ist. Die Veranstalterinnen und Veranstalter sammeln in Zusammenarbeit mit lokalen Betrieben wie „Stark“ überschüssige Materialien ein.

„Wir bekommen Holzteile, die auf Baustellen übriggeblieben sind oder durch Sonne und Feuchtigkeit kleine Makel haben – Material, das normalerweise im Müll landen würde.“

Die beschützten Werkstätten am Center liefern weiteres gebrauchtes Holz, das in Handarbeit aufbereitet wird. So fließen fast ausschließlich Materialien ein, die bereits im Umlauf waren und durch das Festival einen neuen Zweck finden.

Das Festival findet rund um das „Center for Verdensmål“ auf Kjer statt. Das Erlebnisse- und Wissenszentrum für Nachhaltigkeit bietet die infrastrukturelle Basis für das Festival.

Die Kinder und Jugendlichen lernen vor Ort das Handwerk kennen, „und wir freuen uns jedes Jahr, dass in den sechs Jahren noch nie ein schwerer Unfall passiert ist“, so Noa Skovdal abschließend. Das Baufestival Alsen steht damit für den bewussten Umgang mit Ressourcen und für soziales Miteinander rund ums nachhaltige Bauen in Sonderburg.

Alles begann im privaten Rahmen

In einer großen Scheune können sich die Teilnehmenden mit Werkzeug und Baumaterial ausstatten und die Gegenstände aus den Regalen nehmen.

Das Baufestival Alsen in Sonderburg entwickelte sich 2007 zunächst aus einer kleinen, freundschaftlichen Bauaktion. Festivalbetreiber Noa Skovdal erinnert sich an die Entstehung so: „Am Anfang begann alles im Garten von Villads’ Mutter, weil damals eigentlich nur eine neue Tür eingebaut werden sollte.“

Schnell wuchs die Veranstaltung, weil das Miteinander und Selbermachen Begeisterung auslösten. Über die Jahre wurde daraus ein großes Fest mit rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern – und Villads’ Mutter wurde der Trubel vor ihrer neuen Haustür irgendwann zu viel.

Der Verein „Byggefestival Skaberkraft“ fand 2019 in Ebeltoft auf Djursland ein neues Zuhause – und als dort der Platz eng wurde, zog das Festival nach Kjer Vestermark um.

Der Sonderburger Martin Godt baute am Montag mit seinen Kindern ein Hundehaus für die Kuscheltiere seiner Tochter Johanne. „Wir sind zum ersten Mal dabei. Ein alter Schulfreund von mir hat uns gefragt, ob wir mitwollen, und jetzt sind wir hier.“

Der Eingang zum Festivalplatz. Ein Fünf-Tages-Armband für das Baufestival kostet 875 Kronen für Erwachsene – Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren zahlen 362 Kronen. Tagestickets gibt es ab 125 Kronen.

Mit zwei Kindern und seiner Frau fuhr er nach Kær Vestermark und kaufte sich Tagestickets. „Es macht einfach Spaß, mit Holz zu arbeiten, und wir haben als Familie eine gute Zeit“, sagt Martin Godt.

Familienvater Mikkel Sletø Enevoldsen campt mit seiner fünfköpfigen Familie die ganze Woche auf dem Festivalgelände. „Das ist der beste Spielplatz, den man sich nur vorstellen kann. Wir spielen mit allen Materialien und probieren alles Mögliche aus.“

Johanne, Martin und Frederik Godt haben bereits Messstock, Bleistift, Bohrmaschine und Säge geschwungen, um das Projekt Hundehaus in die Tat umzusetzen.
Das Angebot an Werkzeugen ist enorm, hier warten E-Hobel auf ihren Einsatz. Das Festival stellt professionelles Werkzeug, Materialien sowie fachkundige Unterstützung bereit.

Die Familie hat das Festival in Ebeltoft kennengelernt, wo es anfangs stattfand. „Jetzt fahren wir seit letztem Jahr nach Sonderburg, um dabei zu sein.“

Kristian Grove von Fünen ist nicht nur als Teilnehmer dabei, sondern teilt sein Wissen mit anderen. „Das Baufestival hat mich kontaktiert. Denn ich stelle mit meiner Firma Timbernest Mitfahrbänke her, und sie haben mich gefragt, ob ich einen Workshop geben kann.“

Um regensicher arbeiten zu können, baute Familienvater Mikkel Sletø Enevoldsen am Montag ein temporäres Arbeitszelt für seine Familienmitglieder. Das eigentliche Bauprojekt am Montag war, Hindernisse für den Steckenpferdparcours zu bauen.
Konzentration beim Zuschnitt der Hindernisse an der Kreissäge: Die Familie Sletø Enevoldsen von Südfünen ist dem Festival nach Alsen gefolgt.

Im Laufe des Montags entstand ein erster Prototyp, an dem er mit seinem Baupartner Christian Guldbrandt aus Sonderburg Ideen und Möglichkeiten ausprobierte.

Festivalbesucher Martin Ehrle kommt aus der Nähe von Stuttgart und macht Urlaub mit dem Festival. „Ich übernachte bei Freunden und tagsüber arbeiten wir hier an einer langen Liste. Wir planen unter anderem eine Unterstellmöglichkeit für das Fahrrad und eine Kletterhilfe für die Rosen – mehrere kleine Projekte.“

Christian Guldbrandt aus Sonderburg (l.) und Kristian Grove von Fünen bauen einen Prototyp für eine neue Tramp-Station, die nach Fertigstellung auf Fünen stehen soll.

Außerdem will er an einem Keramikkurs teilnehmen und dem Vortrag eines dänischen YouTubers zuhören, der über seine Arbeit mit „Tiny Houses“ berichtet.

Der Festivalveranstalter ist froh, dass es auf Kjer Vestermark so viel Platz gibt. „Das Center für Weltziele hatte uns damals, als wir mehr Platz benötigten, gefragt, ob wir einige unserer Ideen vor Ort umsetzen wollen, damit Themen wie Upcycling, weniger Verbrauch und Nachhaltigkeit sichtbarer werden“, erzählt Noa Skovdal. „Dafür gibt es hier einfach die perfekten Bedingungen.“

Mehr über das Festival sowie Tagestickets gibt es hier.

Martin Ehrle aus Süddeutschland ist zu Besuch bei Freunden in Sonderburg und macht eine Woche Urlaub auf dem Baufestival. Als erstes Projekt baute er eine Werkbank.
Viele Familien nehmen am Baufestival teil und arbeiten gemeinsam an ihren Projekten. Es stehen Campingflächen und Verpflegungseinrichtungen direkt auf dem Gelände zur Verfügung, sodass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer während des gesamten Festivals vor Ort bleiben können.