Sommerserie

Der heiße Tipp: Eine kühler Schluck aus Sophies Quelle

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Ein frisch gezapftes Glas aus Sophies Quelle

Wer hat einen Tipp für den Sommer? Ein Rezept für heiße Tage, einen Ausflugstipp in der Kommune Hadersleben oder – umgekehrt – etwas für Regentage? Journalist Helge Möller hatte Durst und probierte das Wasser aus Sophies Quelle. Ein Ausflug mit Überraschung.

Der heiße Tipp kommt dieses Mal aus der Haderslebener Lokalredaktion selbst. Wer sich auf Wanderschaft ins Haderslebener Tunneltal aus der vergangenen Eiszeit begibt, das sich von der Ostsee bis nach Woyens (Vojens) erstreckt, kann sich am Haderslebener Damm mit einem kühlen Trunk stärken. Für Dürstende gibt es am Südufer, im Tiergarten, eine bekannte größere Quelle – Sophies Kilde genannt. Zu finden ist sie nördlich des Tierparks, am Ufer des Damms, unweit des Pamhuler Waldes.

Dank ihres unterirdischen Ursprungs soll das Wasser – so steht es direkt an der Quelle zu lesen – immer eine Temperatur von 8 Grad Celsius haben. Zu lesen ist auch, dass sich Wandernde nicht an der rostroten Verfärbung stören sollten. Das, was sich da im Wasser abscheidet, sind Eisenhydroxide – Rost also. Kennt man vom Auto. So enthält das Quellwasser laut Hinweisschild etwa 100-mal mehr Eisen als normales Leitungswasser. Ungefährlich, schreibt die Naturbehörde – und fügt noch hinzu, dass es Leute gebe, die meinten, genau das mache das Wasser gesund. „Drik bare løs“, trink einfach, lautet dann auch die Aufforderung. Na dann. Dann schöpfen wir doch mal aus dem Vollen.

„Drik bare løs“ – Eins:

Wie es schmeckt? Nun ja, Pippi Langstrumpf wäre vermutlich Fan. Warum jetzt ausgerechnet Pippi Langstrumpf? Das ist so: Pippi hat nichts dagegen, Schraubensuppe zu essen. Sie findet sie sogar sehr lecker – im Gegensatz zu ihren beiden Freunden Annika und Tommy. Und natürlich haben die Schrauben Pippis Zähnen überhaupt nichts ausmachen können – Zähne aus Eisen, könnte man sagen. Hat nun auch nicht jede oder jeder.

Da trifft es sich gut, dass hier im Glas, gefüllt mit Sophies Wasser, die Nägel sozusagen schon aufgelöst sind. Das Wasser ist klar, kühl und hat keinerlei Beigeschmack – nur den nach Eisen, den dafür sehr deutlich. Literweise wird es nicht die Kehle runtergehen, aber wer es mag. Und weil ein Zuviel an Fe den Geschmack beeinträchtigt und das Eisen auch ausfallen kann, was dann unschön in der Mineralwasserflasche aussehen würde, kommt es zur Wasserenteisenung, bei der das Wasser enteisent wird. Die beiden Begriffe gehen einem irgendwie nicht über die Lippen, immer wieder hört es sich falsch an.

Dort, wo das Quellwasser mit dem Luftsauerstoff in Kontakt kommt, fällt das Eisen aus dem Wasser aus.

„Drik bare løs“-Zwei:

Noch eine Anekdote zur Aufforderung „einfach trinken“: Kaum hatte sich der Proband auf der nächstgelegenen Sitzbank positioniert, um das Wasser zu testen, kam ein Herr in kurzer Hose und Freizeithemd mit seinen beiden kleinen Hunden flink um die Ecke gebogen – und ebenso schnell gönnte er den beiden Vierbeinern ein Bad in der Quelle. Die hatten ihr Vergnügen. Nur einen Augenblick später waren Hunde und Hundehalter verschwunden. Das sah eingeübt aus. Sie ließen eine plätschernde Quelle und einen Journalisten mit fragendem Blick zurück. Gut, dass das Wasser ständig nachsprudelt.

Von Pippi, Annika und Tommy, zwei Hunden und einem Herrchen zu Sophie. Woher stammt denn nun der Name? Das scheint nicht restlos geklärt. Die Naturbehörde vermutet den Zeichner Eduard Wassner (1815–1888) hinter der Namensgebung. Er zeichnete eine Quelle, die er „Sophies Quelle“ nannte – in Anlehnung an seine Frau Adelheid Sophie Karstens, die er 1852 ehelichte.

Am Damm unterhalb des Tiergartens liegt Sophies Kilde.

Besuch – ohne Bad vermutlich – wird die Quelle wohl am 28. August bekommen, wenn der Haderslebener Dammlauf stattfindet. Über 12,3 Kilometer geht es entweder einmal rund um den Damm oder auf sechs Kilometern auf der Südseite.