Deutsche Minderheit

60 Jahre und Heiligabend an einem Tag

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Christel Leiendecker wird am Heiligabend 60 Jahre alt.

Ein Dezember-Geburtstag ist immer etwas Besonderes – doch für SP-Politikerin Christel Leiendecker wird der 24. Dezember zum doppelten Fest. An Heiligabend feiert sie ihren 60. Geburtstag.

Einen runden Geburtstag am Heiligabend kann die Nordschleswigerin Christel Leiendecker in diesem Jahr feiern. Sie wird am 24. Dezember 60 Jahre alt.

Wie ist das, an Weihnachten Geburtstag zu haben? Christel Leiendecker sagt: „Das Einzige, was mich vielleicht früher etwas gestört hat, ist, dass die anderen immer zweimal feiern konnten und ich Weihnachten und Geburtstag an einem Tag hatte.“

Die Sonderburger SP-Politikerin erzählt, dass sie dank ihrer Mutter nie das Gefühl hatte, nicht Geburtstag zu haben: „Mein Geburtstag fing morgens um 9 Uhr an. Da waren dann auch immer alle meine Freunde eingeladen und wir hatten immer volles Haus. Das Ganze ging dann bis mittags, und dann mussten alle abgeholt werden.“

Geboren 1964 auf dem Bauernhof Bøsbœk

Der erste Teil des Tages war also für ihren Geburtstag bestimmt. Im weiteren Verlauf des Tages war es dann Zeit, Weihnachten zu feiern: „Meine Geschwister und ich haben uns nach der Feier umgezogen und sind mit meinem Vater in die Kirche gegangen. Meine Mutter hat in der Zwischenzeit aufgeräumt und alles für Weihnachten vorbereitet. Als wir nach Hause gekommen waren, war dann auch alles fertig, sie hat immer alles im Griff gehabt.“

Christel Leiendecker kam am 24. Dezember 1964 in Sonderburg zur Welt. Zusammen mit ihren jüngeren Brüdern und den Eltern Karin und Peter Matzen wuchs sie bis zu ihrem 7. Lebensjahr auf dem Bauernhof Bøsbœk zwischen Broacker und Ekensund auf. 1971 zog die Familie nach Minde, wo ihr Vater die Marina Minde baute.

„Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass ich keinen Geburtstag habe“, erzählt sie weiter. Als Kind wusste sie ihre Vorteile daraus zu ziehen: „Der Vorteil war natürlich auch, dass ich dann größere Geschenke bekommen konnte, da sie für beide Anlässe zusammen waren“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Christel Leiendecker feiert ihren 60. Geburtstag mit ihrer Familie und der Familie ihres Ex-Manns Thomas.

Das Thema Gäste war auch zu keinem Geburtstag ein Problem: „Meine Freunde waren eigentlich immer bei allen Geburtstagen mit dabei. Meine Mutter hat immer alle eingeladen. Ich glaube, die anderen Eltern haben ihre Kinder am Weihnachtsmorgen auch wohlgesonnen abgegeben“, erinnert sie sich.

Mit dem Alter hat sich die Geburtstagsplanung immer mal wieder verändert. Mal wurde am 26. oder am 27. Dezember gefeiert.

Seit ihrem 40. Lebensjahr hat sich dann der Abend des 23. Dezember eingebürgert. Das ging auch so weiter zum 50. und eben auch bis dieses Jahr.

In diesem Jahr feiert sie am 24. Dezember mit der Familie ihres Ex-Mannes in zwei Sommerhäusern, im engsten Kreis der Familie. Morgens steht wie immer ein Frühstück mit ihren Töchtern zu Hause auf dem Programm.

Weihnachten nie zweitrangig

Die Weihnachtsfreude hat nie unter dem Geburtstag gelitten oder andersherum: „Ich habe mich auf beides immer gleich gefreut. Ich hatte die Freude morgens meinen Geburtstag zu feiern und dann genauso abends nach der Kirche das nächste Fest vor der Tür zu haben.“

Das könnte allerdings auch an ihrer Affinität für Weihnachten und die Adventszeit liegen: „Ich brenne für Weihnachten, das ist etwas ganz Besonderes für mich. Ich genieße diese Zeit und könnte mir gar nicht vorstellen, dass der 24. nicht voll geplant ist.“

Ähnlich erging es auch ihren Kindern: „Für meine Kinder war das auch ganz normal am 24. Dezember: morgens hatte Mama Geburtstag und nach der Kirche wurde dann Weihnachten gefeiert. Diese Tradition haben wir immer beibehalten.“

Die Kirche legte immer den Schalter zwischen beiden Festen um.

Christel Leiendecker ist ein echtes Kind der Minderheit. Sie besuchte die Deutsche Schule in Broacker (Broager) und zog als Grundschülerin in die neu gebaute Förde-Schule um. Nach der Mittelstufe an der Deutschen Privatschule Apenrade machte Christel Leiendecker ihr Handelsabitur.

Für ihren Geburtstag schmückt Christel jedes Jahr weihnachtlich.

Karrierebeginn in den Hilton-Hotels

1981 begann ihre Karriere in der Hotelbranche: Nach einem mehrjährigen Praktikum beim Hilton-Konzern in Düsseldorf und einer Hotelfachausbildung studierte sie Hotelmanagement in Aalborg. Anschließend arbeitete sie in Hilton-Hotels in Düsseldorf, Mainz und München.

1991 heiratete sie Thomas Leiendecker, den sie in der Lehre kennengelernt hatte. Nach einigen Jahren in der Gastronomie in Kopenhagen kehrte das Paar nach Nordschleswig zurück. 1993 übernahm das Paar das Hotel Baltic in Hörup (Hørup).

1992 kam Tochter Sarah zur Welt, 1994 Stephanie und 1998 Ann Sophie.

2001 zogen die Leiendeckers nach Hamburg und gründeten eine Marmeladen-Manufaktur. 2009 eröffnete Christel Leiendecker ihr eigenes Bistro in Bargteheide, wo sie auch ihren Wohnsitz hatte.

Das kommende Geburtstagskind in ihrem Zuhause in Broacker

Als zwei ihrer Töchter nach dem Besuch der Deutschen Nachschule Tingleff in Dänemark bleiben wollten, erwog auch Christel Leiendecker den Rückzug nach Nordschleswig.

Ein spontanes Jobangebot vom Hotel Benniksgaard gab den Ausschlag: Christel Leiendecker sagte zu und zog im Dezember 2014 zurück nach Nordschleswig.

Neuer Arbeitgeber DSSV

Bei der Kommunalwahl 2017 kandidierte Christel Leiendecker für die Schleswigsche Partei – und zog 2018 in den Sonderburger Stadtrat ein. Sie arbeitete im neu eröffneten Hotel Alsik in Sonderburg und bildete sich mit Kursen zur Projektleiterin und zur Coachin weiter aus.

Nach der Mitarbeit in der IT-Firma ihres Bruders bewarb sich Christel Leiendecker auf eine Stellenausschreibung des Deutschen Schul- und Sprachvereins Nordschleswig (DSSV).

Seit 2023 arbeitet sie für den DSSV als administrative Koordinatorin. Kommunalpolitisch ist sie als Stadtratspolitikerin und Vorsitzende des kommunalen Ausschusses für Kultur, Sport und Mitbürgerschaft aktiv.

Auch das kommende Lebensjahr wird durch die Kommunalwahl geprägt sein: Christel Leiendecker kandidiert zum dritten Mal für die Schleswigsche Partei.

Christel Leiendecker ist Vorsitzende des Ausschusses für Mitbürgerschaft, hier bedient sie in ihrer Funktion als Stadtratspolitikerin beim traditionellen Fest für die Ehrenamtlichen in Norburg.

Als Vorsitzende des „Broager Udviklingsforum“ und des lokalen Kulturausschusses organisiert sie regelmäßig große Konzerte, so holte sie 2022 unter anderem Nena nach Broacker. In ihrer Freizeit genießt das kommende Geburtstagskind Natur und Ruhe, Joggen, Meditation und Lesen, wann immer es geht.

„Man lernt die Zeit noch mehr zu schätzen!“

Ihre drei Enkelkinder – ein viertes folgt in Kürze – bereiten ihr viel Freude. Zwei Töchter leben in Hadersleben (Haderslev) und Sonderburg, die jüngste Tochter wohnt derzeit in Norwegen.

Ihrem 60. Geburtstag sieht sie auch nachdenklich entgegen. „Ich hatte nie mit einem runden Geburtstag Probleme, mit dem 30. nicht, mit dem 40 nicht und auch nicht mit dem 50. Aber jetzt, mit bald 60, beginnt man zu realisieren, dass der Großteil des Lebens vorbei ist. Das stimmt einen nachdenklich und man lernt, die Zeit, die man hat, noch mehr zu schätzen!“

Christel Leiendecker vor dem Broagerhus. Das ehemalige Rathaus dient lokalen Vereinen seit 2017 als Zentrum für Aktivitäten.