Grüne Wende

Widerstand in mehreren Orten wegen neuer Windparks

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Wer Windräder errichten will, muss viel Geduld haben.

In unter anderem Hostrup, Mögeltondern und Osterby formiert sich der Widerstand. Bis zum 8. Dezember laufen die richtungsweisenden Abstimmungen über 22 neue erneuerbare Energieprojekte. Am Donnerstag wird vor der Stadtratssitzung demonstriert. Rund 9.000 Bürgerinnen und Bürger werden befragt. Der Bürgermeister verkündete in der Wahlnacht neue Verhandlungen.

Die Nutzung erneuerbarer Energie hat in der Kommune Tondern wieder so viel an Brisanz gewonnen, dass sie sogar bei den „Regierungsverhandlungen“ der Kommunalwahl thematisiert wurde. Bürgermeister Jørgen Popp Petersen von der Schleswigschen Partei erklärte nach Abschluss der Koalitionsgespräche in der Wahlnacht, dass die Parteien Änderungen im Vergleich zu den heutigen Prozessen wünschen.

Dabei hatte es so gut unter seiner Führung angefangen, als der neugewählte Stadtrat Einigkeit erzielen konnte. Beim früheren Stadtrat verliefen die Projekte im Sand. 

Erstmals richtungsweisende Abstimmungen in Dänemark

In dieser Legislaturperiode konnten sogar einheitliche Richtlinien verabschiedet werden. Doch die beiden Abgeordneten der Konservativen, Hans Schmidt und Anette Abildgård Larsen, Allan Svendsen von der Dänischen Volkspartei und die fraktionslose Barbara Krarup Hansen waren die ersten, die im Laufe des Prozesses ausscherten. Jetzt bröckelt die Einigkeit weiter.

Auch die erstmals in Dänemark durchgeführten richtungsweisenden Abstimmungen in betroffenen Regionen wurden von Venstre und den Sozialdemokraten im Nachhinein infrage gestellt. Sie sollten nur richtungsweisend sein und den Politikerinnen und Politikern als ein wichtiges Instrument bei der Meinungsfindung dienen.

Der Stadtrat will vor dem Jahreswechsel priorisieren, an welchen Vorhaben weitergearbeitet werden soll. Dabei handelt es sich um 22 Windenergieprojekte, die 2025 eingereicht worden sind. Der größte Windpark mit 14 Rädern ist bei Westerterp (Vester Terp) geplant.

Wer darf wählen?

Diese sollen noch nach bestehenden Regeln behandelt werden. Nach der politischen Behandlung gehen die Vorhaben für acht Wochen in die öffentliche Anhörung. 

Bis zum 8. Dezember wird abgestimmt

Zu den 25er-Projekten begannen die digitalen Abstimmungen am Montag. Etwa 9.000 Bürgerinnen und Bürger haben einen Bescheid in ihrer E-Box erhalten, dass sie abstimmen können. Bis zum 8. Dezember können sie ihre Meinung sagen. 

In mehreren Orten wird Unmut laut. So waren die Bürgerinnen und Bürger aus dem Raum Mögeltondern (Møgeltønder) am Montag, 24. November, von drei Privatleuten zu einem Treffen im Versammlungshaus eingeladen. Geplant ist dort der Bau von neun, 180 Meter hohen  Windanlagen bei Bönderby (Bønderby).

Etwa 150 Menschen kamen und gaben ihrer Angst vor möglichen Gefahren, die von den Windrädern ausgehen, der Verschandelung der Natur  und dem damit drohenden rückläufigen Tourismus, Lärmbelästigung, Entvölkerung und sinkenden Hauspreisen Ausdruck. Von Landwirten wurde moniert, dass fruchtbarer Boden für den Windpark aufgegeben werden müsse. Auch eine Überproduktion von Strom wurde als Argument angeführt. Die Flügel der Windräder stünden oft still. Der nicht genutzte Strom sei nur für den Export vorgesehen. 

Auch in Hostrup warnen Bürgerinnen und Bürger mit entsprechenden Argumenten vor Windrädern in ihrer Nachbarschaft. In Osterby (Østerby), wo drei, 180 Meter hohe Windräder gebaut werden, fühlt man sich von allen Seiten von hohen Stromproduzenten umzingelt, erklärt Bewohnerin Runa Hofsted dem „Nordschleswiger“. Dort wurde ebenfalls eine private Aktionsgruppe gegründet. Sie befürchtet auch die Spaltung einere Ortschaft in Befürwortende und Gegnerinnen und Gegnern.

Demonstration vor der Stadtratssitzung

Aus der ganzen Kommune werden Menschen, die sich von Windkraftanlagen bedroht fühlen, ab 18 Uhr vor dem Rathaus versammeln, um gegen die Pläne zu demonstrieren. Um 19 Uhr findet die Stadtratssitzung statt.

Die Richtlinien der Kommune

  • Die ersten Richtlinien wurden 2020 verabschiedet. Eine Überarbeitung fand 2024 statt. Der Wunsch der Politikerinnen und Politiker ist es, dass im Laufe der kommenden Jahre mindestens 100, maximal 125 neue Windräder errichtet werden. Für Solarparks gilt, dass sie maximal 100 Hektar groß sein dürfen.
  • Die Fläche aller Projekte darf 1.500 Hektar nicht übersteigen. Die Abstände von den Energieanlagen zu Häusern wurden mit 1.250 Metern für Solarparks und 2.500 Metern bei Windrädern festgesetzt. Mit der Errichtung moderner, effektiverer Windräder wird davon ausgegangen, dass ältere Modelle ausgewechselt werden und ihre Anzahl von 250 auf 125 sinken wird.
  • Die Antragstellenden müssen transparente und attraktive wirtschaftliche Modelle für die Rendite von Anteilseignern und der Gemeinschaft aufstellen. Dabei sollen sie darauf hinarbeiten, dass ein lokales Eigentum auf Grundlage der Selbstkosten der Windräder realisiert wird, und sie müssen einen Plan darlegen, wie dies erreicht werden soll. Es wird angestrebt, dass mindestens 40 % lokal angeboten werden.
  • Die Antragstellenden müssen nachvollziehbare finanzielle Modelle darlegen, wie Bürger*innen in erneuerbare Energien investieren können