Nachhaltigkeit

Nachhaltig Bauen und Renovieren: Tipps von der Expertin aus Nordschleswig

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Das Büro von Inge-Lise Kraghs Architektenunternehmen ist nachhaltig renoviert.

Inge-Lise Kragh setzt sich für die Bauwende ein. Sie gibt Bauherrinnen und -herren Ratschläge, wie sie klimabewusst und -schützend bauen oder renovieren können.

Ein Haus kommt in die Jahre. Tapeten werden unansehnlich, Wasserarmaturen verkalken, Regenrinnen werden krumm: Je nach Bauqualität müssen Teile ausgebessert oder sogar erneuert werden.

Bei solchen Maßnahmen kann man auf nachhaltige Materialien zurückgreifen. Die haben neben der CO₂-Ersparnis viele weitere Vorteile gegenüber herkömmlichen Produkten. Welche es unter anderem gibt, weiß Inge-Lise Kragh. Die gebürtige Süderwillstruperin ist Architektin und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem nachhaltigen Bauen und Renovieren von Häusern.

Atmungsaktiv isolieren

Inge-Lise Kragh ist Architektin mit Schwerpunkt auf nachhaltiges Bauen und Renovieren.

„In Nordschleswig gibt es viele wunderbare, ältere Häuser. Wenn man diese isolieren möchte, sollten Materialien gewählt werden, die atmungsaktiv sind“, rät Inge-Lise Kragh. Glaswolle in Kombination mit Dampfsperren aus Plastik wird häufig verwendet, schadet jedoch den historischen Häusern. „Durch diese Materialien wird die Feuchtigkeit eingeschlossen, was zu Schimmel und Verrottung führen kann“, erklärt die Absolventin des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig. Atmungsaktive Materialien wie beispielsweise Platten aus Hanfkalk, sogenanntes Hempcrete, bieten hier eine bessere Alternative.

Hempcrete ist ein Biokomposit-Beton, der aus natürlichen Materialien wie Hanf, Kalk und Wasser gemischt wird. Diese Zusammensetzung ergibt eine isolierende und umweltfreundliche Masse, die sich hervorragend als Baumaterial eignet. Zudem hat es eine günstige Einwirkung auf das Raumklima, da verputzter Hempcrete die Eigenschaft hat, Feuchtigkeit zu binden und wieder abzugeben.

Verbindung mehrerer nachhaltiger Baustoffe

Kalziumsilikatplatten sind ein weiterer nachhaltiger Baustoff. Wie auch Hempcrete sind sie aus natürlichen Mineralien hergestellt, die leicht wiederverwertet werden können und Feuchtigkeit besonders gut speichern. Mit Lehm verputzt sind sie nicht nur gut für das Raumklima, sondern wegen der Wiederverwendbarkeit und wegen der natürlichen Materialien besonders nachhaltig.

Auch Seegras sei ein hervorragender Baustoff, sagt Kragh. „Es ist in den Eigenschaften besser als Steinwolle oder Glaswolle.“ Das nachwachsende Material wird als Dämmstoff eingesetzt. Es isoliert gut gegen Wärme und Kälte und ist darüber hinaus ein besonders guter Schallschutz.

Farbalternativen

Einer neuen Studie zufolge machen Mikropartikel aus Farben mehr als die Hälfte des Mikroplastiks aus, das jedes Jahr in die Weltmeere und Gewässer gelangt. Für den Farbanstrich im Außen- und Innenbereich bieten sich als alternative Lösungen zu konventionellen Farben Anstriche aus Leinöl, Seife, Mehl, Buttermilch, Hirschhornsalz und Pigmente an. Aus ihnen lassen sich langlebige Wandfarben kostengünstig, nachhaltig und vor allem ohne gesundheitsschädigende Stoffe mischen. Informationen dazu gibt es auf der Internetseite vom Wissensportal für Vermieterinnen und Vermieter, „Bolius“.

Weniger Technik, weniger Ärger

Auch bei der Steuerung der Heizung, Lüftung und Elektronik im Haus sollte man vorsichtig sein. Die Forschung zeigt, dass Gebäude mit Messinstrumenten und Steuerelementen überfüllt sind. Selbst Fachleute haben nicht selten Schwierigkeiten, solche Anlagen einzustellen. „Low-tech“, übersetzt „wenig Technik“ sollte die Devise beim Bauen und Renovieren sein, heißt es von Forschenden.

Das meint auch Inge-Lise Kragh. „Schon bei kleinen Veränderungen muss manchmal eine komplette Anlage neu gesteuert werden. Dazu muss ein Fachmann kommen – und, wie man es auch von anderen elektronischen Geräten im Haushalt kennt – ist High-Tech relativ schnell veraltet und muss dann oftmals komplett ersetzt werden.“

Neubau im Einklang mit Tradition

Renovieren sollte immer dem Neubau vorgezogen werden – nach der Devise „bevar eller forklar“ (bewahre oder erkläre). Sollte doch ein Neubau in Betracht gezogen werden, empfiehlt Kragh die Rückbesinnung auf traditionelle Bauweisen. (Fachwerk-)Konstruktionen mit Materialien wie Holz, Lehm, Kalk und biobasierten Dämmstoffen vereinen Nachhaltigkeit und Langlebigkeit.

Ein besonderes Highlight für umweltbewusste Bauherren ist der Kopenhagener Baumarkt „Havnens Hænder“, der sich auf nachhaltige, biobasierte Baustoffe spezialisiert hat. Das Unternehmen, das auch nach Nordschleswig liefert, hat bereits mehrere Umweltpreise erhalten und bietet eine große Auswahl an nachhaltigen und innovativen Materialien. Für Architektin Kragh ein besonderer Tipp.

Außerdem sollte man beim nachhaltigen Bauen möglichst regional produzierte Materialien und Produkte und recycelte Produkte wie z. B. Recyclingziegel bevorzugen.

Inge-Lise Kragh macht auf einen besonderen Baumarkt aufmerksam: „Havnens Hænder“. Das mit mehreren Umweltpreisen ausgezeichnete Unternehmen mit Sitz in Kopenhagen hat sich auf den Vertrieb von biobasierten Baustoffen spezialisiert.

Nachhaltig renovieren und bauen ist nicht teurer

„Ob nachhaltige Produkte teurer sind als konventionelle, kommt ganz darauf an, wie man rechnet. Meist sind die nachhaltigen Produkte zwar auf den ersten Blick teurer, dafür sind sie jedoch auf dem Umwelt-Konto günstiger und oft halten sie länger. Zudem sichern sie ein besseres Raumklima und sind gesundheitlich unbedenklich. Wenn man den Wert nur in Geldwert rechnet, sind viele Produkte etwas teurer – aber so sollte man nicht rechnen, denn auf längere – und holistische Sicht – sind sie es nicht“, erklärt Inge-Lise Kragh.

Sie weist zudem darauf hin, dass auch von Architekten geplante Häuser nicht teurer sein müssen als Fertighäuser. Ein Vergleich lohne sich, denn ist ein Architekt im Spiel, können so manche – auch nachhaltigen – Wünsche umgesetzt werden, die sonst nicht möglich wären.