Grüne Umstellung

Mehrheit stimmt für staatlichen Zuschuss zu Wasserstoff-Pipeline nach Deutschland

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Wasserstoff-Pipeline
Die geplante Wasserstoff-Pipeline soll ab 2030 grünen Wasserstoff für die Schwerindustrie in Deutschland liefern.

Mit staatlicher Unterstützung soll bis 2030 ein Pipeline-Projekt umgesetzt werden, um grünen Wasserstoff aus Esbjerg durch Nordschleswig bis zur deutschen Grenze zu transportieren. Industrie und Politik erhoffen sich davon unter anderem Unternehmensansiedlungen und neue Jobs in der Region.

Eine breite Mehrheit im Folketing hat zugestimmt, Milliarden Kronen an staatlicher Hilfe zu leisten, damit bis 2030 eine Wasserstoffleitung von Esbjerg nach Deutschland gebaut werden kann. Außerdem sollen die Bedingungen für den Bau und die Nutzung gelockert werden.

„Es ist super wichtig, und ich bin glücklich, weil wir ein sehr kleines Zeitfenster haben, um die deutsche Wasserstoffinfrastruktur von der deutschen Grenze bis nach Esbjerg aufzubauen“, sagt Lars Aagaard (Moderate), Minister für Klima, Energie und Versorgung.

Fokus auf Pipeline bis zur Grenze

Die geplante Pipeline führt von Esbjerg zunächst nach Egtved bei Kolding und von dort aus nach Süden durch Nordschleswig zur deutsch-dänischen Grenze, wo eine bestehende Gaspipeline umgebaut werden kann. Zunächst liegt der Schwerpunkt auf diesem Abschnitt der Wasserstoffpipeline. Ursprünglich sollte sie über insgesamt 360 Kilometer auch weiter nach Norden führen.

Der Grund dafür ist, dass nach Ansicht der Regierung die vielversprechendsten dänischen Wasserstoffprojekte in Esbjerg liegen. Es sei daher wichtig, erst das Fundament des Hauses zu legen, bevor man das Dach errichtet, erklärt Lars Aagard den Fokus auf den südlichen Abschnitt der Pipeline. Eine Wasserstoffleitung von den dänischen Fabriken zu den deutschen Kundinnen und Kunden sei eine entscheidende Voraussetzung für Dänemark, um die Produktion und den Export von grünen Kraftstoffen aufzubauen.

Das Vorhaben hat sich wegen diverser Probleme mehrfach verzögert; vergangenes Jahr wurde der Bau zunächst auf das Jahr 2031 verschoben. Nun werden die ersten Exporte nach Deutschland für 2030 erwartet. Das ist notwendig, da die deutsche Schwerindustrie bis dahin verpflichtet wird, mehr grünen Wasserstoff in der Produktion einzusetzen. So soll schrittweise der CO₂-Ausstoß bis zur angepeilten Klimaneutralität Deutschlands im Jahr 2045 sinken.

Der jetzige Kurswechsel ist mit hohen staatlichen Beihilfen verbunden. Minister Aagard räumt ein, dass der Zeitplan eng ist. „Es gibt keine Garantien, dass dabei nichts Unvorhergesehenes passiert. Aber immerhin haben wir jetzt die Finanzen in sehr kurzer Zeit ausgehandelt.“

So soll die Leitung finanziert werden

Das Energieunternehmen Energinet erhält nun einen Rahmen von 7,4 Milliarden Kronen, der zurückgezahlt werden muss. Der Staat will 8,3 Milliarden Kronen an Betriebsbeihilfen zuschießen, die über 30 Jahre hinweg abnehmen werden. Darüber hinaus wird die Regierung die Anforderungen senken, wie viel Wasserstoff die Unternehmen in die Leitung pumpen müssen.

Die Wasserstoffproduzenten müssen für die Nutzung der Leitung bezahlen. In Dänemark hofft man, dass sich dies zu einem guten Geschäft für den dänischen Staat entwickelt. Wann die Leitung rentabel ist, lasse sich aber noch nicht sagen.

Das ursprüngliche Projekt war mit rund 15 Milliarden Kronen veranschlagt. Weil die Leitung nun kürzer sein wird, wird sie auch günstiger. Ein weiterer Ausbau könnte vor 2030 ins Spiel kommen, werde aber erst danach gebaut werden können, erklärt der Minister.

Wirtschaft sieht große Chancen

Die Wasserstoffbranche bezeichnete die Entscheidung als „gut und wichtig“ für die Grüne Umstellung, für die Branche und Dänemark insgesamt. Der Direktor der Interessenorganisation „Brintbranchen“, Tejs Laustsen Jensen, dankte den Parteien im Folketing für die breite Unterstützung. Dies gebe Stabilität und Ruhe für die Arbeit, mit der die Branche nun beginnen muss.

Die grüne Wirtschaftsorganisation „Green Power Danmark“ spricht von einer Kette positiver Umstände, die in Gang gebracht wird. „Wir haben hart dafür gearbeitet, diese Pipeline zu bekommen. Wir können jetzt das nächste Kapitel beginnen, in dem wir nicht nur unsere eigene Energieproduktion umstellen, sondern dazu beitragen, die grüne Umstellung in ganz Europa auf den Weg zu bringen“, sagt der administrative Direktor Kristian Jensen in einer Mitteilung.

Es sei realistisch, die Pipeline 2030 einsatzbereit zu haben. In den kommenden Jahren werde man sehen, wie eine neue grüne Industrie wächst, die grünen Strom zu Wasserstoff umwandelt. „Das ist ein riesiger Gewinn für Dänemark“, so Jensen.

Politiker aus Nordschleswig zufrieden

Folketingsmitglied Jesper Petersen aus Hammeleff (Hammelev) bei Woyens (Vojens), Sprecher für die Sozialdemokratie in Fragen zu Klima, Energie und Versorgung, hat die Absprache mitverhandelt. Er sagte in einem Kommentar an den „Nordschleswiger“: „Ich bin richtig froh, dass eine Mehrheit dafür gestimmt hat, dass der Staat nun eine größere Verantwortung hat, damit wir eine Wasserstoffpipeline nach Deutschland schnellstmöglich realisieren können.“

Petersen sieht neue Chancen für Süddänemark und Nordschleswig, was Unternehmensansiedlungen und neue Arbeitsplätze angeht, die mit der Produktion von Wasserstoff zusammenhängen. „In den Kommunen Esbjerg, Vejen oder Apenrade steht man bereit, um die kommenden Möglichkeiten am Schopf zu packen.“

So musste in der Kommune Apenrade (Aabenraa) zwar kürzlich ein Projekt zur Entwicklung einer Brauchwasser-Anlage zur Herstellung ultrareinen Wassers annulliert werden. Doch dort blickt man trotzdem positiv in die Zukunft – auch dank der nun kommenden Pipeline.