Erneuerbare Energien

Mehrheit gegen neue Solarparks: Energiewende in Tondern wackelt

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Leif Hansen aus Lügumkloster hofft bezüglich von Energieanlagen auf ein Umdenken im Kommunalrat (Archivfoto).

Mit dem Nein der Bürgerinnen und Bürger und einigen politischen Ausschüssen zu mehreren Solarparks entgehen lokalen Gemeinschaften mögliche Fördermittel in Millionenhöhe. SP-Stadtratspolitiker Leif Hansen warnt vor einem Rückschritt bei der Energiewende – und fordert ein Umdenken im Kommunalrat.

„Es zeichnet sich ein Muster ab. Ich befürchte, dass die grüne Umstellung in der Kommune Tondern auf der Kippe steht, wenn es so weitergeht“, sagt Stadtratspolitiker Leif Hansen (Schleswigsche Partei).

Während es durch die Bank grünes Licht für ein Vorhaben bei Lügumkloster gab, befürwortete er im kommunalen Technischen Ausschuss als einziger der fünf Politiker drei weitere Solarparks. Im ebenfalls zuständigen kommunalen Ausschuss für Klima, Wachstum und Entwicklung stimmten Bo Jessen (Tønder Listen) und Bjarne Henneberg (Sozialistische Volkspartei) für die Projekte.

Thomas Ørting Jørgensen (Venstre), treibende Kraft für die Energiewende, nahm nicht an der Sitzung dieses Ausschusses teil. Sein Venstre-Kollege Martin Iversen und Harald Christensen (Sozialdemokratie) stimmten dagegen.

Mehrheit mit einer Zielvorgabe

Gab es in früheren Kommunalräten in Tondern immer viel Wirbel um Windkraftanlagen, hatten sich die Mitglieder (29 von 31) in dieser Legislaturperiode im Frühjahr 2022 für eine neue Marschroute mit bis zu 125 Windkraftanlagen und 1.600 Hektar mit Solarzellen entschieden.

Zudem können die Bürgerinnen und Bürger im Umfeld von angestrebten Energieanlagen elektronisch ihre Meinung kundtun. Das Ergebnis ist für den Kommunalrat nicht bindend.

Bislang sind zwei Solarparks mit 69 Hektar bei Bredebro und 2 Hektar bei Toftlund umgesetzt worden.

Niedrige Beteiligung bei örtlichen Abstimmungen

„Wenn sich der Trend fortsetzt, dass die Parteien Venstre und die Sozialdemokratie dagegen angehen, lässt sich nicht viel umsetzen“, sagt Leif Hansen. Bei den fünf neuen Projekten sind unter den Anwohnerinnen und Anwohnern elektronische Meinungsumfragen durchgeführt worden.

In diesem Zusammenhang weist Leif Hansen auf die niedrige Beteiligung zwischen 19 und 52 Prozent hin. Die Mehrheit in den Ausschüssen lehnte die Projekte ab, bei denen die Bürgerinnen und Bürger überwiegend mit Nein votierten. „Ich habe das Gefühl, dass die jeweiligen Abstimmungen als geltend und nicht als richtungsweisend interpretiert werden“, so Hansen.

Er bringt beim „Anbau“ von Solarzellen auch Grøn Trepart, die politische Klimainitiative zum Umbau der dänischen Landnutzung, ins Spiel. „Die Kommune Tondern muss 9.000 Hektar Fläche aus der Bewirtschaftung nehmen. Diese Flächen bieten sich auch für Solarenergie an“, sagt er.

„Einige meinen, dass es schade ist, Landwirtschaftsboden für Solarzellen zu nutzen“, sagt Hansen, gibt jedoch zu bedenken, dass die Landwirtinnen und Landwirte als Ausgangspunkt nicht gute Böden für diesen Zweck zur Verfügung stellen würden. „Außerdem werden die Anlagen in einigen Fällen durch mehr Schutzpflanzungen umrandet als gefordert“, fügt er hinzu.

Geld für Entwicklung bleibt auf der Strecke

Für Leif Hansen und die Schleswigsche Partei spielt zudem die finanzielle Seite eine Rolle. Er erwähnt die Zuschüsse für Entwicklung, die den Lokalbereichen bei einem Nein durch die Lappen gehen. „Ich schätze, dass es sich bei den fünf Vorhaben um etwa 80 Millionen Kronen als einmaligen Betrag handelt. Dann kommen noch die jährlichen Zahlungen dazu“, rechnet der Stadtratspolitiker vor, der im Hauptberuf Revisor ist.

Ein Teil der Mittel würde direkt an die Lokalbereiche gehen und andere durch den Verein „Foreningen Bæredygtig Fremtid“. „In Ballum zum Beispiel wünscht man sich seit Jahren einen Radweg entlang des Kystvejs. Dafür wäre mit dem dortigen Solarpark Spielraum gewesen“, erklärt der SP-Politiker.

„Die Kommune Tondern muss auch ihren Beitrag für die Energiewende leisten. Dafür hatten wir unseren Masterplan. Einige entziehen sich nun der Verantwortung“, so Hansens Auffassung. „Ich hoffe, dass sie ihre Haltungen überdenken“, so sein Appell an die Kolleginnen und Kollegen.

Der kommunale Finanzausschuss bezieht am Donnerstag, 21. August, Stellung. Am Dienstag, 26. August, entscheidet der Kommunalrat.

Das Projekt Bredebro II tritt dann nicht auf der Tagesordnung auf. Es ist vertagt worden, um die dortigen Arbeiten mit einem Industriepark abzuklären.

Die Abstimmungsergebnisse für Solarparks auf einen Blick

Tüchschau (Tyvse) 200 Hektar
• Ja: 38,10 Prozent (24 Personen)
• Nein: 60,32 Prozent (38 Personen)
• Enthaltungen: 1,59 Prozent (1 Person)
• Teilnahme: 47,37 Prozent (63 von 133 Personen)

Bredebro II 190 Hektar
• Ja: 29,17 Prozent (14 Personen)
• Nein: 68,75 Prozent (33 Personen)
• Enthaltungen: 2,38 Prozent (1 Person)
• Teilnahme: 19,35 Prozent (48 von 248 Personen).

Laurup (Lovrup) 173 Hektar• Ja: 16,36 Prozent (9 Personen)
• Nein: 80 Prozent (44 Personen)
• Enthaltungen: 3,64 Prozent (2 Personen)
• Teilnahme: 52,38 Prozent (55 von 105 Personen).

Ballum Hede 122 Hektar
Ja: 29,70 Prozent (30 Personen)
Nein: 64,36 Prozent (65 Personen)
Enthaltungen: 5,94 Prozent (6 Personen)
Teilnahme: 39,30 Prozent (101 von 257 Personen).

Lügumkloster 69 Hektar
Ja: 58,58 Prozent (140 Personen)
• Nein: 37,24 Prozent (89 Personen)
• Enthaltungen: 4,18 Prozent (10 Personen)
• Teilnahme: 21,13 Prozent (239 von 1.131 Personen).