Landwirtschaft

Hoffnung für „Søderupgaard“: Minister signalisiert Kurswechsel

Veröffentlicht Geändert
Im Namen der Brüder Henning und Anders Hell hatte das Beratungsunternehmen Spiras vor einiger Zeit zu einem Infotreffen auf den Hof „Søderupgaard“ eingeladen, um Politikerinnen und Politikern aus der Kommune Apenrade ihr Problem zu schildern. Anwesend war auch der stellvertretende Vorsitzende des Interessenverbandes „Landbrug og Fødevarer“, Morten Hjort (r., stehend).

Ein Milchviehbetrieb in der Kommune Apenrade kämpft seit Jahren um die Genehmigung für einen neuen Kuhstall mit 1.600 Tieren. Die Nähe zu Dänemarks größtem PtX-Anlageprojekt in Kassö bremste das Vorhaben – jetzt gibt eine politische Stellungnahme aus Kopenhagen Anlass zur Hoffnung auf eine Gesetzesänderung im Bereich Tierhaltung und Raumordnung.

Ein langgehegter Wunsch der Familie Hell in Söderup in der Kommune Apenrade (Aabenraa) könnte doch noch Wirklichkeit werden: Ein neues Stallgebäude für 1.600 Milchkühe auf „Søderupgaard“ scheint wieder in Reichweite. Nachdem die Pläne bislang an einer juristischen Hürde gescheitert waren, bringt ein Schreiben von Landdistriktsminister Morten Dahlin (Venstre) nun neue Hoffnung.

Pläne auf der Kippe – wegen Stadtzonenregelung

Die Brüder Henning und Anders Hell möchten ihre Milchviehproduktion auf dem Hof „Søderupgaard“ bündeln. Geplant ist ein hochmodernes Stallgebäude mit rund 20.000 Quadratmetern Fläche. Doch obwohl das Gelände auf dem Land liegt und keine Wohnbebauung in Sicht ist, erhielt die Familie bislang keine Genehmigung – der Grund: Die Nähe zum PtX-Großprojekt bei Kassö (Kassø), das in der Umgebung zur Umwidmung von Land- in Stadtzone führte.

Laut aktueller Gesetzeslage darf ein Stall dieser Größe nicht weniger als einen Kilometer von einer Stadtzone entfernt liegen – unabhängig davon, ob sich dort tatsächlich Wohnhäuser befinden. Damit war das Projekt faktisch blockiert.

„Wie es derzeit aussieht, ist die Gesetzgebung ein Todesurteil für unseren Betrieb“, erklärten die Brüder Hell gegenüber dänischen Medien. „Wir können weder erweitern noch modernisieren oder umrüsten – nur weil wir in der Nähe eines technischen Anlagenkomplexes liegen, den niemand bewohnt.“

Minister kündigt Lösung an

Nach Intervention durch die Familie Hell, die Kommune Apenrade, das landwirtschaftliche Beratungsunternehmen Spiras sowie den Interessenverband „Landbrug & Fødevarer“ hat der Minister für Städte und den ländlichen Raum, Morten Dahlin (Venstre), nun reagiert. In einem offiziellen Schreiben an die Brüder aus Nordschleswig äußert er Verständnis für die Kritik an der geltenden Regelung: „Ich bin mit Ihnen völlig einig, dass es unfair erscheint, dass Sie Ihre Betriebe nicht weiterentwickeln können, nur weil in der Nähe eine PtX-Anlage liegt. Zwischen den zuständigen Ministerien wird derzeit an einer Lösung gearbeitet, und ich rechne damit, dass im Herbst ein Vorschlag auf den Tisch kommt.“

Für die Familie ist das ein wichtiges Signal: „Es beginnt, sich etwas zu bewegen“, sagt Anders Hell. „Wir arbeiten weiter an unserem Plan, die Milchviehproduktion zu bündeln. Das Schreiben des Ministers macht Hoffnung.“

Landwirtschaft und Energiewende im Spannungsfeld

Das Projekt in Kassö gilt als das weltweit größte kommerzielle Power-to-X-Vorhaben. Es produziert jährlich rund 42.000 Tonnen grünes E-Methanol für die Schiffs- und Luftfahrt. Auch der Betreiber, das Unternehmen European Energy, hat betont, dass die geplante Viehhaltung in der Nachbarschaft kein Problem darstelle.

Für Martin Lambert Pedersen vom landwirtschaftlichen Verband Spiras geht es bei „Søderupgaard“ um mehr als einen Einzelfall: „Das ist ein Beispiel dafür, wie Regelungen, die eigentlich dem Schutz der Anwohnenden dienen sollen, unbeabsichtigt die grüne Entwicklung der Landwirtschaft behindern“, sagt er. Die Gesetzgebung habe mit der technologischen Realität nicht Schritt gehalten.

Er betont zudem: „Die Wertschöpfungskette der grünen Transformation beginnt auf dem Acker. PtX-Anlagen benötigen große Mengen biogenen Kohlenstoffs – und dieser wird durch unsere Pflanzen gebunden und über Biogasanlagen als Rohstoff geliefert.“

Auch für Nordschleswig von Bedeutung

Gerade in einer Region wie Nordschleswig, in der viele kleinere und mittlere landwirtschaftliche Betriebe tätig sind – auch innerhalb der deutschen Minderheit –, hat der Fall Signalwirkung. Die Vereinbarkeit von Klimazielen, technologischem Fortschritt und ländlicher Entwicklung steht zunehmend im Fokus.

Ob „Søderupgaard“ in die nächste Phase gehen kann, wird sich noch im Laufe dieses Herbstes zeigen, wenn konkrete Vorschläge zur Gesetzesanpassung auf den Tisch kommen.