Klimaschutz

Ein Tropfen auf dem heißen Stein? Warum E-Methanol trotzdem wichtig ist

Veröffentlicht Geändert
Eine japanische Tradition zur offiziellen Einweihung der PtX-Anlage in Kassö: Die Pupillen werden vor Ort ausgemalt. Das soll Glück bringen.

Rund 40.000 Tonnen Methanol kann die PTX-Anlage in Kassö im Jahr herstellen. Etwa ein Drittel davon geht an die Reederei Mærsk, die inzwischen eines ihrer Schiffe damit betankt.

Der Klimawandel ist da, und es muss etwas dagegen getan werden. Darin waren sich unter anderem Lego-Repräsentant Carsten Rasmussen, A.-P.-Møller-Mærsk-Vertreter Morten Bo Christiansen und Novo-Nordisk-Vertreterin Dorethe Nielsen einig. Diese waren zur offiziellen Eröffnung der Power-to-X-Anlage von European Energy in Kassö (Kassø) gekommen, um einige Worte zu sagen.

Die PtX-Technik soll dazu beitragen, dieses globale Problem langfristig lösen.

Wir müssen diese Herausforderungen gemeinsam angehen“, sagte Dorethe Nielsen. „Wir müssen der Welt zeigen, dass es geht“, sagte später Eric Klein von Siemens Energy, der hinzufügte, dass „der erste Schritt der schwerste ist“.

Mit PtX eine Alternative schaffen

Power-to-X oder PtX ist eine neue Technik, bei der kurz gesagt aus CO₂ und Energie unter anderem sogenannter E-Methanol hergestellt wird. Mit dem Methanol können beispielsweise Schiffe und Lkws betankt werden, die so wesentlich weniger klimaschädliche Abgase in die Atmosphäre leiten. E-Methanol soll in Zukunft fossile Brennstoffe ersetzen – vor allem in der Schiffsbranche, die als besonders umweltverschmutzend gilt. Derzeit werden etwa 100 Millionen Tonnen Methanol mit fossilem Ursprung hergestellt und verbraucht.

Das E-Methanol kann jedoch auch bei der Plastikproduktion eingesetzt werden, weshalb der Pharmakonzern Novo Nordisk als Kunde gewonnen werden konnte. Das Unternehmen wird das Methanol bei der Produktion seiner Insulin-Spritzen einsetzen, „die in Zukunft auch wiederverwendbar werden sollen“, wie Dorethe Nielsen ankündigte.

Auch Lego möchte seine Plastikklötze nachhaltiger produzieren und reiht sich somit in die Kundenliste ein.

Erster Schritt in nachhaltige Schiffszukunft

Der erste Schritt, auf den sich Siemens Erik Kleine bezog, ist die Produktionsmenge in Kassö: In der Anlage sollen bis zu 42.000 Tonnen E-Methanol im Jahr produziert werden können. Die Reederei Mærsk hat sich davon bisher 16.000 Tonnen jährlich gesichert.

Die große Menge Energie für den Herstellungsprozess wird umweltfreundlich aus der Solaranlage in direkter Nähe zur PtX-Anlage gewonnen.

Der erste mit E-Methanol beladene Lkw macht sich unter großer Aufmerksamkeit auf den Weg zum Tankterminal im Apenrader Hafen.

900 Tonnen soll beispielsweise die Laura Maersk, eines von drei Schiffen der Reederei, die mit E-Methanol fahren können, in Apenrade bunkern – und das viermal im Jahr. Damit schafft das Containerschiff etwas mehr als 10.000 Kilometer. In Apenrade liegt der nächste Hafen zur PtX-Anlage. Das Schiff war dort jüngst zu Besuch und wurde zum ersten Mal mit Methanol aus Kassö befüllt.

Doch reicht das, um das Klima zu retten? Immerhin hat allein Mærsk über 300 eigene Schiffe und weitere knapp 320, die für die Reederei auf den Weltmeeren unterwegs sind.

Die Laura Maersk beim andocken am Apenrader Tankkai

Der Preis spielt eine große Rolle. Die Herstellung von E-Methanol ist teuer. Deshalb müssen genügend Kunden geworben werden. Das ist Eurpean Energy – das inzwischen zum Großteil dem japanischen Investmentunternehmen Mitsui & Co gehört – gelungen.

Trotzdem nur „ein Tropfen auf dem heißen Stein“, wie Camilla Holbech, Direktorin bei der Branchenorganisation für nachhaltige Energie und Power-To-X, gegenüber TV2 sagte.

Nachfrage steigt – Bedarf soll gedeckt werden

Die Nachfrage steige jedoch, wie Morten Bo Rasmussen feststellt. Grund dafür ist unter anderem, dass Reedereien, die ihre Schiffe mit nachhaltigem Brennstoff betreiben, auf dem globalen Markt mithilfe eines Preismechanismus belohnt werden sollen. Die Grundlage dafür ist kürzlich beschlossen worden.

Auch deshalb hat European Energy auch eine weitere Anlage bei Pattburg (Padborg) geplant, die wesentlich mehr E-Methanol herstellen kann, als die Schwester in Kassö. Und dort sollen die Erfahrung mit der PtX-Anlage in Kassö einbezogen und somit verbessert werden, wie European-Energy-Direktor Knud Erik Andersen sagte. Diese Anlage wird übrigens mit einer staatlichen Förderung von 900 Millionen Kronen gebaut.

Podiumsdiskussion: (v. l.) Moderatorin, Martijn van Koten (OMV), Kristian Jensen (Green Power Denmark), Morten Bo Christiansen (A. P. Møller Mærsk), Erik Klein (Siemens Energy), Knud Erik Andersen (European Eneergy)

Mit einer größeren Produktion sollen auch die Preise sinken, denn „das ist ausschlaggebend für den weiteren Erfolg und das nachhaltige Umstellen“, wie Camilla Holbech sagte.

Zur Feier des Tages wurde der Dannebrog gehisst.

Darin waren sich auch die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion, die im Rahmen der European-Energy-Eröffnung stattfand, einig.

Einigkeit auch darin, der Politik mehr Verantwortung zu übertragen und Geld in solche Projekte zu investieren.

Power-to-X (PtX) im Überblick