Deutsche Minderheit

Das Vertrauen in den Kindergarten zurückgewinnen

Veröffentlicht Geändert
Anna und Stig Kindberg wünschen sich einen Stimmungswechsel im Kindergarten Tingleff.

Personalprobleme, unzureichende Struktur und mangelnde Kontinuität: Eltern sind unzufrieden mit dem Alltag in Einrichtungen der Kindergartenfusion „DKA“, darunter Tingleff. Die Verantwortlichen des Kindergartensektors im Deutschen Schul- und Sprachverein beziehen Stellung.

Sie haben es sich lange angeschaut. Da vieles in ihren Augen aber nicht besser wurde, sind auch sie nah dran, ihre dreijährige Tochter vom Deutschen Kindergarten Tingleff abzumelden, so wie es andere Eltern in den vergangenen Monaten bereits getan haben.

Der Frust bei Anna und Stig Kindberg aus Bollersleben (Bolderslev) sitzt tief. Das Vertrauen in den Kindergartenverbund DKA (Deutsche Kindergärten Apenrade) und den DSSV habe einen Tiefpunkt erreicht, so das Elternpaar zum „Nordschleswiger“.

Frust und Unsicherheit

In ihren Augen ist die missglückte Fusion aller deutschen Kindergärten der Kommune Apenrade (Aabenraa) die Hauptursache für die Probleme. Wechselndes Personal, fehlendes Personal, dezentrale Leitungsstruktur und mangelnde Kontinuität im Alltag seien dafür verantwortlich, dass sich bei Kindern, Personal und Eltern Verunsicherung und Frust aufgestaut haben.

In einem Leserbrief bringt das Elternpaar seine Kritik zum Ausdruck, wie auch die Sorge um die Zukunft der Minderheit. „Die Kindergartenkinder und künftigen Schulkinder sind doch die Graswurzeln einer Minderheit“, sagt Anna Kindberg.

„Die Mitarbeitenden geben sich alle Mühe, auch die vielen Vertretungen. Die Rahmenbedingungen und das Grundkonzept müssen aber stimmen. Das ist in unseren Augen seit Längerem nicht der Fall“, so die Mutter der Dreijährigen. Der ältere Sohn besucht mittlerweile die Schule.

Anna Kindberg stammt aus Jordkirch (Hjordkær) und wohnte während ihres Studiums viele Jahre in Flensburg (Flensborg). Stig ist aus der dänischen Minderheit in Südschleswig. Beide leben seit 2015 in Bollersleben und haben sich wegen ihrer deutsch-dänischen Wurzeln bewusst Einrichtungen der deutschen Minderheit für ihre Kinder ausgesucht.

Anna Kindberg hofft, dass der Kindergarten zu einem harmonischen Alltag zurückfindet.

Fehler eingeräumt

Die Verantwortlichen im DSSV haben auf den Leserbrief des Paares reagiert. „Die Lage in den Deutschen Kindergärten Apenrade (DKA) ist 2024 zu Recht von vielen Eltern kritisch gesehen worden. Bei der Umsetzung der neuen Struktur haben wir Fehler gemacht“, heißt es seitens des DSSV.

„Mit dem Wechsel der Gesamtleitung am 1. August 2024 wurde es zu unserem erklärten Ziel, eine neue Kultur des Vertrauens und der Zusammenarbeit auf den Weg zu bringen. Wir haben in allen Abteilungen starke Elternvertretungen, die diesen Prozess positiv unterstützen.“

Man sei mit den Verbesserungen noch nicht am Ziel, habe aber bereits Änderungen vorgenommen. „Wir haben die lokalen Leitungen der Abteilungen weitestgehend wieder eingeführt, das gilt unter anderem für den Kindergarten Tingleff. Wir haben wieder eine gute Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen der DKA“, so die Worte des DSSV-Kindergartenressorts um Abteilungsleiter Stefan Sass.

„Der DSSV hat Kontakt zu uns aufgenommen und ein Gespräch angeboten. Das nehmen wir gern an. Wir sind aber nur ein Elternpaar. Die Verantwortlichen des DKA sollten die gesamte Elternschaft einbeziehen und Transparenz für alle schaffen“, meint Stig Kindberg.

Er hofft und wünscht sich, dass bei einem Ende Februar anberaumten Elternabend mit der DKA-Vertretung Entscheidendes zutage kommt. Skepsis sei aber nach wie vor vorhanden, so der Familienvater.

Auch Stig Kindberg meint, dass sich im Alltag des Kindergartens einiges ändern muss.

Blick nach vorn

Mit etwas mehr Zuversicht blickt Kira Hansen Heesch, seit vergangenem Jahr Elternvertreterin des Tingleffer Kindergartens, nach vorn, auch wenn noch an einigen Stellschrauben gedreht werden muss.

„Es sind Fehler gemacht worden, und die Kritik, die von Eltern kommt, ist ernst zu nehmen. Ich habe die Probleme beim Personal mit Unterbesetzung und Wechsel auch mitbekommen, sehe mein Kind aber gut aufgehoben. Es fühlt sich wohl. Mich haben nicht die Gedanken gestreift, dem Kindergarten den Rücken zu kehren. Bei anderen Kindern und deren Eltern ist das anders, und deren Unzufriedenheit gilt es, Beachtung zu schenken. Ich bin Vertreterin aller Eltern“, so Kira Hansen.

Sie teile die Kritik, dass nach der Fusion aller deutschen Kindergärten in der Kommune Apenrade einiges nicht funktioniert hat und bedauert, dass einige Eltern ihre Kinder abgemeldet haben. „Die Erwartungen an die Fusion wurden nicht erfüllt. Es gilt jetzt aber, nach vorn zu schauen. Es ist einiges seitens des DSSV getan worden, und mit Mette Muurholm gibt es eine neue Leiterin. Ich tausche mich viel mit ihr aus und habe ein gutes Gefühl, dass wieder Ruhe einkehrt“, so die Elternvertreterin.

Lösungsorientierten Austausch suchen

Dass Ruhe einkehrt, hofft auch Lasse Tästensen, Geschäftsführer des übergeordneten DSSV. „Die Kindergärten in der DKA und der Kindergarten Tingleff sind in unserem Fokus. Es sind Fehler gemacht worden, und wir bedauern, dass es so weitreichende Folgen hatte und zu Unzufriedenheit bei Eltern geführt hat. Wir wollen an wichtigen Stellschrauben ansetzen, um den Betrieb zu stärken und zu stabilisieren“, so Tästensen.

Im Mittelpunkt stehe dabei unter anderem die Personallage. „Die Vikarsituation war nicht förderlich.“

Man werde einen lösungsorientierten Austausch mit den Eltern suchen und sie auf einem Elternabend über das weitere Vorgehen informieren. „Wir wollen auch eine externe Fachkraft in diesen Prozess einbeziehen“, sagt der neue Geschäftsführer.

In der Stellungnahme betont der DSSV, dass man Abteilungsleitungen wieder getrennt beziehungsweise neu ausgerichtet hat und zuversichtlich ist, auf dem richtigen Weg zu sein. Für die Kindergärten in Bülderup (Bylderup) und Rapstedt (Ravsted) hat es nach einer Neubesetzung des Leiterpostens im vergangenen Jahr erneut eine Umbesetzung gegeben.

Mehr zu den Deutschen Kindergärten Apenrade:

Alle Artikel zur DKA-Problematik gibt es auf unserer Themen-Seite.