Porträtserie

Zwischen Hotel Mama, Arlberg und Fehmarnbelt: Ein Weg über Grenzen hinweg

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Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen lässt sich von Lars Cornett den Baufortschritt zeigen
Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen lässt sich von Lars Friis Cornett den Baufortschritt zeigen (Archivbild 2024).

Vor 28 Jahren legte er sein Abitur am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig (DGN) ab, nun ist er seit acht Jahren Deutschland-Direktor bei Femern/AS: Lars Friis Cornett, gebürtiger Nordschleswiger und im Rahmen des Fehmarnbelt-Projekts Bindeglied zwischen Deutschland und Dänemark. Wie er seine Aufgabe sieht, was er dafür schon am DGN lernte und welche Rolle das „Hotel Mama & Papa“ dabei spielte.

Anmerkung der Redaktion: Weil Lars Friis Cornett zeitlich stark eingebunden ist, hat der „Nordschleswiger“ ihm fünf Fragen geschickt, die er schriftlich beantwortet und die Redaktion redigiert und leicht gekürzt hat.

War für dich nach dem Abitur am DGN gleich klar, wie es beruflich weitergeht?

„Überhaupt nicht! Ich wusste nicht, was ich will. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich wahrscheinlich Hotel Mama & Papa nie verlassen. Leider hat das Service-Niveau aber recht schnell nach meinem Abitur spürbar nachgelassen. 

Ich habe mir dann spontan ein anderes Hotel gesucht, allerdings nicht in Nordschleswig, sondern in St. Anton am Arlberg in Österreich. Dort habe ich gemeinsam mit meinem guten Freund Stephan Kleinschmidt den Winter verbracht. Einziger Schönheitsfehler: Ich war dort nicht als Gast, sondern als Saisonarbeiter im Hotel.“

Was von dem, was du am DGN gelernt hast, hat dir im Studium oder jetzt im Job als Schlüsselfigur für das Fehmarnbelt-Projekt am meisten geholfen?

Lars Friis Cornett vor 28 Jahren mit seinen Eltern Ilse Friis und Andreas Cornett.

„Die Zweisprachigkeit. Das zeigte sich bereits an meinem ersten Tag als Student der Politikwissenschaft in Aarhus – allerdings etwas anders als erwartet. Mein Vater, der emeritierter Politikprofessor ist, hatte mir einige Klassiker der Politikwissenschaft mitgegeben. Das waren sehr schön eingebundene Bücher, natürlich in deutscher Originalfassung. 

Als mein Professor in Aarhus die Wälzer auf meinem Tisch liegen sah, stellte er zu seiner Überraschung fest, dass alle auf Deutsch statt wie üblich auf Englisch waren. Meine Begründung, dass ich diese Klassiker gern in der Originalsprache lesen wollte, damit die sprachlichen Nuancen nicht verloren gehen, hat den Professor vor Begeisterung fast vom Stuhl fallen lassen. Ich kann mich übrigens gar nicht mehr erinnern, ob ich die Bücher jemals gelesen habe.

Übertragen auf das Fehmarnbelt-Projekt sehe ich mich nicht als Schlüsselfigur, sondern eher, dass ich eine gewisse Schlüsselkompetenz mitbringe. Bereits am DGN haben wir gelernt, deutsch-dänische Sachverhalte in den richtigen politisch-kulturellen Kontext einzuordnen. Das müssen keine komplizierten regulatorischen Fragestellungen sein. 

Es geht vielmehr um die Fähigkeit, Zusammenhänge richtig zu verstehen und einzuordnen. Heutzutage können viele Fragen von Künstlicher Intelligenz gelöst werden, aber die Fähigkeit des deutsch-dänischen Einordnens ist meines Erachtens weiterhin ein Alleinstellungsmerkmal.“

Wie hältst du heute den Kontakt mit der Minderheit beziehungsweise mit anderen Absolventinnen und Absolventen des DGN? 

Lars Friis Cornett: Die Zweisprachigkeit ist eines der Dinge, die ihm nach der Schulzeit im Studium und im Job halfen.

„Ich bin weiterhin regelmäßig im Grenzland und habe noch einen engen Kontakt mit einer alteingesessenen Gruppe aus DGN-Zeiten. Viele aus dieser Gruppe sind Nordschleswig treu geblieben.“

Vervollständige bitte einmal den Satz „Nordschleswig ist für mich …“ 

 „Heimat.“

Was kommt für dich als Nächstes? 

„Das ist eine gute Frage. Als Kind des sogenannten alten Grenzlandes wird es wahrscheinlich niemanden überraschen, dass ich ein besonderes Interesse daran habe, wie sich unsere Region mit dem „neuen“ Grenzland rund um den dann fertigen Fehmarnbelt-Tunnel entwickelt. 

Dies bezieht sich auf Deutschland und Dänemark im Allgemeinen, aber natürlich vor allem auf Dänemark und Schleswig-Holstein. Die Frage, wie wir noch mehr voneinander profitieren und gemeinsame Potenziale nutzen können, beschäftigt mich sehr. Aktuell liegt mein Fokus aber natürlich darauf, dass der Fehmarnbelt-Tunnel so schnell wie möglich fertiggestellt wird.“

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