Minderheiten

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Geoblocking
Geoblocking der TV-Signale trifft vor allem Minderheiten in den europäischen Grenzräumen.

Geoblocking: Deutsches Fernsehen gehört eigentlich zum Alltag der Minderheit in Nordschleswig. Doch die digitalen Signale über die Grenze werden blockiert. Jetzt gehen die europäischen Minderheiten dagegen an.

Am Sonnabend die Sportschau, 20 Uhr die Tagesschau, nachmittags Kindersendungen und abends Unterhaltungsprogramme. In Nordschleswig gehörte deutsches Fernsehen jahrzehntelang zum Alltag in den Minderheiten-Haushalten. Doch seit Jahren ist das schwierig geworden: Durch das sogenannte Geoblocking ist das Fernsehen über die Grenze hinweg begrenzt – und das nicht nur im deutsch-dänischen Grenzland, sondern in allen Grenzgebieten Europas.

Daher macht sich die Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) für die Aufhebung des Geoblockings stark. Bei der Delegiertenversammlung der FUEN diese Woche in Südtirol in Bozen (Bolzano) stand das Thema Geoblocking Donnerstag als erster Punkt ganz oben auf der Tagesordnung.

Konnte man früher etwa in weiten Teilen Dänemarks deutsches Fernsehen frei per Antenne empfangen, ist dies in Zeiten von Streaming und Mediatheken nicht mehr der Fall. Wer in Dänemark deutsche Inhalte konsumieren möchte, muss zahlen.

Lösungen in Südtirol und Ostbelgien

Auch die EU-Kommission sprach sich bereits gegen Geoblocking aus, doch bisher schauen die meisten Minderheiten immer noch erfolglos in die Röhre.

Allerdings gibt es inzwischen eine Lösung in Südtirol – und auch in Ostbelgien ist man an der Sache dran.

Mit der App „Live TV der RAS Südtirol“ kann man in Norditalien nach langjährigen Verhandlungen jetzt deutsche Sender auf dem Handy empfangen. Die App wurde von der Rundfunkanstalt Südtirol (RAS) entwickelt und ermöglicht das Live-Streaming von TV-Programmen wie ORF, ARD, ZDF, Bayerisches Fernsehen, 3sat, Arte oder Kika.

In Ostbelgien ist eine Geoblocking-Taskforce gebildet worden, und dort hofft man, durch Verhandlungen mit den öffentlich-rechtlichen TV-Unternehmen in Deutschland, bald eine ähnliche Lösung wie in Südtirol zu bekommen.

Herausforderungen im deutsch-dänischen Grenzland

Gösta Toft hofft auf eine europäische Geoblocking-Lösung.

„Geoblocking ist ein konkretes Problem in den Grenzregionen Europas. Die Best-Practice-Beispiele in Belgien und Südtirol zeigen, dass es möglich ist, Lösungen zu finden, und damit gleichzeitig die EU-Kommission unter Druck zu setzen“, sagt Gösta Toft (Apenrade), Vizepräsident und Vertreter der deutschen Minderheit in der FUEN.

Er hofft daher auf eine europäische Lösung, damit nicht jede Grenzregion ihre eigenen Verhandlungen führen muss, um Lösungen zu finden.

Spoorendonk: Europäische Lösung

Davon ist auch Anke Spoorendonk, frühere Ministerin im Land Schleswig-Holstein und Vertreterin der dänischen Minderheit, überzeugt.

„Es passiert gerade etwas in den Minderheiten-Regionen, wo kreative, praktische und pragmatische Lösungen gefunden werden um Geoblocking zu umgehen. Das zeigt mir aber auch, dass wir eine europäische Lösung brauchen“, sagte Spoorendonk und warnte vor einem Flickenteppich an Lösungen.

In Verbindung mit der Delegiertenversammlung in Bozen haben FUEN-Präsident Loránt Vincze, der Landeshauptmann aus Südtirol, Arno Kompatscher, und der Ministerpräsident Ostbelgiens, Oliver Paasch, eine Erklärung unterzeichnet, die die EU-Kommission dazu auffordert, eine europäische Lösung zu finden. Das Papier soll noch von Spitzenvertretern weiterer Grenzregionen unterschrieben werden.

Oliver Paasch, Loránt Vincze und Arno Kompatscher haben beim Fuen-Kongress auf eine Geoblocking-Lösung gepocht.

Was ist die FUEN?

FUEN

Definition

Geoblocking

Geoblocking ist eine Technologie, die es möglich macht, Nutzenden den Zugang zu Internetinhalten und -diensten basierend auf der geografischen Lage zu beschränken. Diese Praxis wird häufig von Online-Diensten verwendet, um zu steuern, in welchen Ländern oder Regionen ihre Inhalte verfügbar sind.

Foto: Cornelius von Tiedemann