Deutsche Minderheit

Wenn die Wahl zur Haustür kommt: Seit 20 Jahren unterwegs für die Demokratie

Veröffentlicht Geändert
Marion Mikkelsen Ohlsen kandidierte in der früheren Kommune Lügumkloster bei Kommunalwahlen für die Schleswigsche Partei. Ihr Name stand 1993 das erste Mal auf der Liste S.

Bevor am 18. November die Stimmzettel ausgezählt werden, hat Marion Mikkelsen Ohlsen ihren Dienst längst getan. Als mobile Wahlhelferin sorgt sie wie weitere Kräfte dafür, dass niemand auf sein Wahlrecht verzichten muss – auch nicht im Pflegeheim oder am Krankenbett.

Wenn am Wahltag, Dienstag, 18. November, Menschen aus den Reihen der Schleswigschen Partei (SP) in einem der 22 Wahllokale in der Kommune Tondern als Wahlhelferin oder Wahlhelfer ihren Dienst verrichten, hat Marion Mikkelsen Ohlsen bereits ihre Wahlschicht beendet. 

Die Klosteranerin gehört zu den Wahlhelfenden, die Bürgerinnen und Bürger aufsuchen, die gesundheitsbedingt nicht ihre eigenen vier Wände oder das Pflegeheim verlassen können, um an die Wahlurnen zu gehen. 

„Ich mache es inzwischen seit mehr als 20 Jahren“, erzählt Marion Mikkelsen Ohlsen. In der früheren Kommune Lügumkloster kandidierte sie für die SP, und daher sei sie vielleicht seinerzeit in dieses Amt hereingeschlittert.

Zwei Tage als mobile Wahlhelferin aktiv

Sie ist in der Woche vor der Kommunalwahl an zwei Tagen mit weiteren in dieses Amt berufenen Personen aus der Politik und einer Vertreterin der kommunalen Verwaltung im nördlichen Teil der Kommune Tondern unterwegs gewesen. 

Die betreffenden Bürgerinnen und Bürger haben im Vorfeld zu erkennen gegeben, dass sie wählen wollen.

„Vor 20 Jahren hatten wir kein GPS oder andere digitale Hilfsmittel. Wir saßen mit der Landkarte, wenn wir die Wählerinnen und Wähler an ihrem Wohnort besuchen sollten“, erinnert sie sich an gemeinsame Touren mit dem damaligen Venstrevorsitzenden aus Lügumkloster, Carl Martin Olesen, der inzwischen verstorben ist. 

Marion Mikkelsen Ohlsen mit ihrer Einberufung als Wahlhelferin. Sie verfügt bei der Aufgabe über eine langjährige Erfahrung.

„Es war leichter in den Pflegeheimen. Die Standorte waren uns bekannt“, so Marion Mikkelsen Ohlsen.

Berührende Schicksale

„Irgendwann habe ich eigentlich gedacht, ich will das nicht mehr machen. Es machte mich so betroffen und tat mir weh, wenn ich bei Leuten war, die ich aus der Stadt oder meiner Arbeit als Zahnarzthelferin kannte, und es ihnen gesundheitlich nicht gut ging“, sagt die Ruheständlerin. 

Sie erwähnt einen Besuch bei einem todkranken Mann, dessen größter Wunsch es war, es noch zu schaffen, für die Kommunalwahl zu stimmen.

Die langjährige Wahlhelferin erinnert sich auch an eine Episode aus einer Pflegeeinrichtung. Die Frauen und Männer saßen in einer Reihe vor dem dort eingerichteten „Wahllokal“ und warteten darauf aufgerufen zu werden. 

Eine laute Stimme

Eine Person, die an der Reihe war, verkündete laut, dass sie Deutsch stimmen würde. Marion Mikkelsen Ohlsen dachte im stillen Kämmerlein, dass dann wohl eine Stimme für die Schleswigsche Partei herausspringen würde. 

„Die betreffende Person schrieb aber SSW auf den Zettel“, erinnert sie sich mit einem Lachen.

Es geht nicht um ein Kreuz

Marion Mikkelsen Ohlsen erläutert, dass mit der Kommunal- und Regionswahl und dem Votum für den Seniorenrat die Abstimmung umfassender ist als bei Folketingswahlen.

Die Wählerinnen und Wähler müssen nicht nur wie auf dem Stimmzettel ein Kreuz setzen. Sie müssen den Namen der Partei oder eines Kandidierenden auf einen Zettel schreiben. Dies würde vielen alten und kranken Menschen schwerfallen. Es ist genau vorgeschrieben, wie die Wahlhelfenden unterstützen dürfen. 

Marion Mikkelsen Ohlsen erläutert, dass die blauen Umschläge mit den Wahlzetteln erst am Wahlabend nach 20 Uhr in den jeweiligen Wahllokalen geöffnet werden.