Deutsche Minderheit

Volkstrauertag in Tondern: Vortrag mit Bundeswehr-Offizier soll Gedenken in die Gegenwart holen

Veröffentlicht Geändert
Kranzniederlegung 2024 bei den gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs auf dem Tonderner Friedhof durch einen Konfirmanden (Archivfoto)

Zum Auftakt des Volkstrauertags 2025 laden der Sozialdienst Tondern, der deutsche Gemeindeteil der Tonderner Christkirche und die Deutsche Bücherei am 12. November ins Brorsonhaus ein. Hauptmann Robin Bräuer von der Bundeswehr spricht über Aufgaben der Streitkräfte, Wehrpflicht und Munitionsreste in Nord- und Ostsee. Die Veranstaltung soll zeigen, dass das Erinnern auch 80 Jahre nach Kriegsende nicht an Aktualität verloren hat.

Mit Würstchen und Gesprächsbereitschaft beginnt in diesem Jahr in Tondern die Auseinandersetzung mit dem Volkstrauertag: Am Mittwoch, 12. November, ab 18 Uhr laden der Sozialdienst Tondern, der deutsche Gemeindeteil der Tonderner Christkirche und die Deutsche Bücherei Tondern zu einem gemeinsamen Vortrag mit Hauptmann Robin Bräuer, Jugendoffizier der Bundeswehr in Hamburg, ins Brorsonhaus ein. (Hinweis: Im Veranstaltungsheft des Sozialdienstes ist noch eine falsche Uhrzeit angegeben.) 

Um die Würstchenmenge besser planen zu können, wird um eine vorherige Anmeldung gebeten. 

Der Offizier wird über den Kernauftrag und die Aufgaben der Bundeswehr, den aktuellen Stand der Wehrpflicht sowie über die Gefahren durch Munitionsreste in Nord- und Ostsee sprechen. „Ich greife dabei auf zivile Quellen zurück, bringe aber auch etwas militärische Expertise mit“, kündigte Bräuer im Vorfeld an.

Braucht es den Volkstrauertag eigentlich noch?

Der Jugendoffizier der Bundeswehr, Hauptmann Robin Bräuer, wird über Aufgaben der Bundeswehr, über die Debatte um die Wehrpflicht und über Munitionsrückstände in den Meeren referieren und darüber mit den Anwesenden ins Gespräch kommen.

Die Initiative zu dem Vortrag kam von Pastorin Dorothea Lindow, die den Volkstrauertag bewusst in die Gegenwart holen möchte. In ihrem Gemeindebrief schreibt sie: „Früher führten viele Wege zu den Gedenkstätten, um der Toten der Kriege zu gedenken. Heute sind es weniger Menschen, und immer wieder hört man die Frage: Braucht es diesen Tag eigentlich noch?“

Ein Ereignis aus Niedersachsen zeigt ihr, dass die Frage aktueller ist, als man denkt: Der achtjährige Sohn einer befreundeten Pastorin fand beim Spielen im Garten eine Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg – und brachte sie stolz seiner Mutter. Die herbeigerufene Kampfmittelräumung musste die Innenstadt sperren, weil die Granate nicht transportiert werden konnte.

„Aber solche Funde erinnern uns daran, dass die Folgen des Krieges noch längst nicht überwunden sind – weder im Boden noch in unseren Meeren.“

Die Zahl der Zeitzeuginnen und -zeugen wird geringer

Das Foto stammt zwar von einer Bundeswehrübung, aber noch heute – 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs – ist das Kampfmittelräumkommando nahezu tagtäglich im ganzen Bundesgebiet unterwegs, um Granaten (Foto) oder Fliegerbomben zu entschärfen.

In diesem Jahr jährt sich das Kriegsende zum 80. Mal, und kaum noch Zeitzeuginnen und -zeugen können davon berichten. „Das verändert unser Gedenken grundlegend“, sagt Dorothea Lindow im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

„Wir dachten lange, der Krieg betrifft uns nicht mehr. Aber Munitionsreste, Kampfmittel und die aktuelle Weltlage zeigen das Gegenteil. Der Volkstrauertag ist heute wichtiger denn je – als Tag des Nachdenkens und Mahnens.“

Die Veranstaltung im Brorsonhaus bildet den Auftakt zur Gedenkwoche. Der eigentliche Volkstrauertag wird am Sonntag, 16. November, begangen: Nach dem 10-Uhr-Gottesdienst in der Tonderner Christkirche findet auf dem Tonderner Friedhof am Ribelandevej eine Kranzniederlegung zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt statt.

Mit dem Vortrag wollen die drei Vereine den Volkstrauertag stärker in die gesellschaftliche Diskussion holen. Pastorin Lindow: „Erinnern heißt nicht nur zurückschauen, sondern verstehen, was die Vergangenheit mit unserer Gegenwart zu tun hat – und warum Frieden keine Selbstverständlichkeit ist.“