Deutsche Minderheit

Schulschließungen und Geldsegen für Campus-Projekt: Warum das zwei Paar Schuhe sind

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Weil die 14 Millionen Euro aus Berlin ausschließlich für den Campus Apenrade bewilligt wurden, gibt es für die von der Schließung bedrohten Standorte in Lunden (Foto) und Rapstedt erst mal keine positiven Nachrichten.

Zwei Nachrichten dominieren die deutsche Minderheit: Der Dachverband der Schulen und Kindergärten muss sparen und plant, Institutionen an zwei Standorten zu schließen, und: Die Minderheit bekommt 14 Millionen Euro aus Berlin, um einen Campus in Apenrade zu bauen. Wie das zusammenpasst.

Die Schulen und Kindergärten der deutschen Minderheit müssen wirtschaftlich wieder auf den grünen Zweig kommen. Nachdem ihr Dachverband, der DSSV, das Jahr 2024 mit einem großen Minus abgeschlossen hat, wurde in den vergangenen Monaten jede Krone zweimal umgedreht. Doch der DSSV sieht keinen anderen Ausweg: 

„Wir empfehlen die Schließung der Standorte Lunden und Rapstedt“, teilten die DSSV-Hauptvorsitzende Kerstin Jürgensen und Geschäftsführer Uwe Jessen Ende September mit. 

Während die Verantwortlichen der betroffenen Kindergärten und Schulen also händeringend versuchen, Konzepte auszuarbeiten, um die Schließungen doch noch abwenden zu können, dürfte die andere Nachricht am Freitagmorgen schmerzen: Die deutsche Minderheit bekommt 14 Millionen Euro (mehr als 100 Millionen Kronen) für ihr Campus-Projekt.

Millionen-Zuschuss trifft auf Sparkurs

Der Campus Apenrade soll Internat, Kindergarten, Küche und zusätzliche Klassenräume für das Deutsche Gymnasium unter einem Dach vereinen. Damit ersetzt er mehrere marode oder zu kleine Einrichtungen, die sonst einzeln saniert oder neu gebaut werden müssten. Das Ziel: moderne Bedingungen schaffen – und zwar langfristig und wirtschaftlich.

Die geplanten Schließungen in Lunden und Rapstedt hängen mit dem laufenden Haushalt des DSSV zusammen, den der Dachverband gerade versucht, aus dem Minus zu bekommen. Die 14 Millionen Euro aus Berlin fließen dagegen ausschließlich in das Campus-Projekt – sie sind Investitionsmittel und dürfen nicht genutzt werden, um laufende Ausgaben oder Personalkosten zu decken. Deshalb würden sie das aktuelle Haushaltsproblem nicht lösen.

Langfristig soll der Campus aber auch Betriebskosten sparen: Durch die Zusammenlegung der Apenrader Kindergärten und den Wegfall teurer Mietwohnungen für Praktikantinnen und Internatsnutzende wird irgendwann auch der laufende Haushalt von dem Projekt profitieren. „Das wird auch notwendig sein, weil wir in Apenrade auch aufs Budget schauen müssen“, sagt DSSV-Geschäftsführer Uwe Jessen am Freitag dem „Nordschleswiger“. Und da helfe der Campus samt Kindergarten und Internat: 

Uwe Jessen freut sich über das Geld aus Berlin, weil es gleich mehrere Probleme auf einen Schlag lösen wird.

„Ein Kindergarten ist günstiger als zwei und wegen des sanierungsbedürftigen Internatsgebäudes sind die Betriebskosten unwahrscheinlich hoch.“ Hinzu kämen teure Mieten: Aktuell finden nicht alle Jugendlichen Platz im Internat, sodass die Minderheit Wohnungen in der Stadt anmietet. Auch Praktikantinnen und Praktikanten würden im neuen Campus unterkommen und keine zusätzlichen Mietkosten verursachen.

Warum das Geld aus Berlin die Schließungen trotzdem nicht stoppt

Aber vorerst kann das Campus-Projekt vor allem eines: Es streicht gleich mehrere teure Sanierungsprojekte von der Liste. Kurz gesagt: Heute kommt das Geld dem hohen Investitionsbedarf zugute.

Aber haben investive Mittel nicht auch etwas mit Lunden zu tun? Dort haben das marode Gebäude und die damit verbundenen Investitionen zur Entscheidung beigetragen, den Standort schließen zu wollen. Wer sich jetzt fragt, ob der Geldsegen aus Berlin nun wenigstens die Schließungs-Empfehlung in Lunden aufheben könnte, wird enttäuscht: „Das wäre schön, aber leider nein“, sagt DSSV-Geschäftsführer Uwe Jessen. 

Denn die Minderheit schaue auf eine lange Liste für den Investitionsbedarf: Rund 40 Millionen Euro (fast 300 Millionen Kronen) lassen sich dort zusammenrechnen. „Das Campus-Projekt halbiert die Liste“, so Jessen. Was den restlichen Betrag angeht, weiß man schon: Im nächsten Jahr gibt es wieder wie gewohnt nicht mal eine Million Euro an investiven Mitteln – „für alle unsere Standorte.“

Allein in Lunden rechnet die Minderheit in den kommenden Jahren aber schon mit einem Sanierungsbedarf in Höhe von insgesamt acht Millionen Kronen (also rund einer Million Euro). „Unsere Entscheidung, für eine Schließung in Lunden und Rapstedt zu plädieren, hat vor allem auch demografische Gründe.“ Sprich: Es werden immer weniger Kinder geboren und in diesen kleinen Einrichtungen fällt diese Entwicklung besonders ins Gewicht.

Um mal einen Maßstab zu bekommen: Im Schnitt kostet eine Schülerin bzw. ein Schüler den DSSV 95.000 Kronen pro Jahr. Je weniger Kinder eine Institution zählt, umso höher sind diese Kosten, erklärt Jessen. In Rapstedt liegen die Ausgaben bei 154.000 Kronen pro Kind, in Lunden sind es 173.000 Kronen. 

Selbst ein einmaliger Geldsegen für den laufenden Haushalt würde nicht auffangen können, was die Prognosen für die Standorte vorhersagen. „Ich verstehe, dass man sich jetzt Hoffnungen macht. Aber die Zusage aus Berlin und die Gründe für die Schließungs-Empfehlung sind einfach zwei Paar Schuhe – leider“, sagt Uwe Jessen.