Kommunalwahl

Nach Krisentreffen: SP steht zu Jørgen Popp Petersen

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Jørgen Popp
Jørgen Popp Petersen soll weiter für die Schleswigsche Partei in den Wahlkampf ziehen (Archivfoto).

Anzeigen und Vorwürfe gegen den Bürgermeister – doch der Parteivorstand „erkennt die Ernsthaftigkeit der Angelegenheit an“ – und hält „am Vertrauen in Jørgen Popp Petersen fest“. Die Polizei solle schneller ermitteln, so der SP-Vorstand.

Die Schleswigsche Partei (SP) geht mit Jørgen Popp Petersen als Spitzenkandidat in Tondern in die Kommunalwahl am 18. November 2025. Das hat der Parteivorstand am Sonntag nach einem Treffen mit dem amtierenden Bürgermeister mitgeteilt. „Wir haben weiterhin Vertrauen in Jørgen als Bürgermeister und Bürgermeisterkandidaten“, so SP-Chef Rainer Naujeck.

„Wir sind überzeugt, dass Jørgen auch in der kommenden Amtsperiode der richtige Bürgermeister für die Kommune Tondern ist. Er hat eine starke politische Führung gezeigt, die die Kommune Tondern in eine positive Entwicklung gebracht hat – mit breiter Zusammenarbeit im Stadtrat“, so Naujeck weiter.

Der 61-jährige Jørgen Popp Petersen sieht sich Rücktrittsforderungen aus anderen Stadtratsfraktionen gegenüber, seitdem kürzlich bekannt wurde, dass acht Anzeigen aus den Jahren 2019 bis 2024 gegen seinen Schweinezucht-Betrieb bei Lügumkloster (Løgumkloster) vorliegen.

Ich trage die oberste Verantwortung für die gemachten Fehler, und ich bedauere die Zustände, die geherrscht haben, aufrichtig.

Jørgen Popp Petersen

Die Öffentlichkeit hat keinen Einblick in die Umstände, die dazu geführt haben. Die Kontrollberichte sind vom Recht auf Zugang zu Dokumenten ausgenommen, da das Material der Polizei übergeben wurde. „TV 2“ hat jedoch aufgedeckt, dass unter anderem 19 Schweine in einem 12 Quadratmeter großen Stall gehalten wurden, obwohl nur maximal 6 Schweine erlaubt waren.

Naujeck: Popp hat Verantwortung übernommen

Der SP-Vorsitzende Rainer Naujeck erklärt am Sonntag: „Wir nehmen diese Angelegenheit sehr ernst. Die Zustände waren inakzeptabel. Jørgen hat uns gegenüber angegeben, dass es beim letzten Kontrollbesuch der Lebensmittelbehörde im Jahr 2025 keine Beanstandungen gab. Gleichzeitig erkennen wir an, dass Jørgen die volle Verantwortung übernommen und beschlossen hat, die Produktion einzustellen.“

Popp selbst wiederholte am Sonntag seine bereits zuvor getroffene Entscheidung: „Ich trage die oberste Verantwortung für die gemachten Fehler, und ich bedauere die Zustände, die geherrscht haben, aufrichtig. Ich habe nun beschlossen, die Schweineproduktion einzustellen“, so der Politiker. „Jetzt wünsche ich mir, dass der Fokus auf meiner politischen Arbeit für die Kommune Tondern liegen kann, für die ich mich weiterhin leidenschaftlich einsetzen möchte.“

SP: Polizei soll Arbeit beschleunigen

Rainer Naujeck
Rainer Naujeck

Der Parteivorstand teilt nach dem Krisentreffen am Sonntag weiter mit, man sei sich „auch bewusst, dass die polizeilichen Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind und es weiterhin zu einer Anklage kommen kann. Eine solche liegt bislang jedoch nicht vor. Wir fordern die Polizei auf, die Arbeit zu beschleunigen“.

„Es handelt sich um eine sehr ernste Angelegenheit. Die drastischen Bilder und die wiederholten Anzeigen der Nahrungsmittelbehörde bei der Polizei haben uns alle stark beeindruckt. Tierschutz ist eine grundlegende Verantwortung, und der Betrieb auf dem Hof hat über einen längeren Zeitraum nicht den geltenden Anforderungen entsprochen“, heißt es in der Pressemitteilung zudem.

„Wir erkennen an, dass Jørgen Popp Petersen klar und deutlich die oberste Verantwortung übernommen und selbst eingeräumt hat, dass er letztlich für das Anwesen verantwortlich ist. Das ist für uns als Partei entscheidend. Zugleich begrüßen wir die Entscheidung, die Schweineproduktion auf dem Hof einzustellen, den er 37 Jahre lang betrieben hat“, so der Vorstand.

„Die Schleswigsche Partei hat Vertrauen in Jørgen Popp Petersen als Bürgermeister und Bürgermeisterkandidaten. Unter seiner Führung wurde die Kommune Tondern von Stabilität, Zusammenarbeit und einer positiven Entwicklung geprägt, die den Bürgerinnen und Bürgern zugutekommt“, schließt die Pressemitteilung.

Für weitere Kommentare stand die Parteileitung am Sonntag nicht zur Verfügung.

Aufruf zur Mäßigung

In den sozialen Netzwerken hat unterdessen die Tochter des Bürgermeisters in einem öffentlichen Beitrag zu Mäßigung in der Auseinandersetzung mit dem Fall aufgerufen.

„Egal, was man über den Kern der Angelegenheit denken mag, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass hinter der Person eine Familie steht – eine Ehepartnerin bzw. ein Ehepartner, Kinder und Enkelkinder – die sich der öffentlichen Debatte nicht entziehen können. Daher sollten wir alle danach streben, mit Respekt und Anstand zu sprechen, unabhängig von unseren persönlichen Meinungen“, so Thea B. Petersen.

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