Deutsche Büchereien

Matthias Zwirner nach Unfall mit Traktor: „Der Bücherbus und ich kommen wieder!“

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Seit fast 20 Jahren fährt Matthias Zwirner mit dem Bücherbus Touren an der Ostküste und versorgt Hunderte Menschen mit Medien. Für dieses Bild stand der intakte Westküsten-Bücherbus Modell.

Lesepause: Der Bücherbus, der den Osten Nordschleswigs mit deutscher Literatur versorgt, wurde von einem Traktor gerammt. Zwar sitzt der Schreck tief, aber Fahrer Matthias Zwirner ist wohlauf. Jetzt will er nur eins: So schnell wie möglich wieder auf Tour.

„Ich bin die letzten Nächte oft schweißgebadet aufgewacht und musste mich erst einmal wieder sammeln“, sagt Matthias Zwirner am Freitagmorgen. Der 72-Jährige sitzt im Büro von Büchereidirektorin Claudia Knauer, das Handy mit Fotos von einem gekippten Traktor-Gespann – und seinem kaputten Bücherbus – in der Hand.

Seit 2006 fährt er Tag für Tag durch Nordschleswig, bringt Bücher, Zeitschriften, CDs und andere Medien direkt in die Wohnzimmer der Minderheit. „Der Bücherbus bedeutet mir so unglaublich viel, weil er den Menschen so viel bedeutet“, sagt er.

Glück im Unglück

Vergangenen Freitag, auf der Strecke von Wilsbek (Vilsbæk) nach Seegaard (Søgård), wurde Zwirner von einem Traktor mit Anhänger erfasst. „Wie so oft fuhr ich auf einer kleinen Straße durch ein Waldstück, als mir ein Traktor entgegenkam.“ Zwirner lenkte so weit wie möglich nach rechts und rollte im Schritttempo. „Das Nächste, was ich erinnere, ist, dass der Traktor knapp an mir vorbeirauscht.“

Zwirner blieb unverletzt, das Fahrerhaus wurde nicht getroffen. Er hatte Glück im Unglück. Der Traktor rammte zwar nicht das Fahrerhaus, aber der Anhänger des Gespanns kam beim Ausweichmanöver ins Schwanken und kippte hinten gegen Zwirners Bücherbus.

Ein Gutachten des Schadenausmaßes steht noch aus, „aber der ist wohl hin“.

Der Schaden am Bücherbus sieht kleiner aus, als er vermutlich ist. Ein Gutachten steht noch aus.

Reparatur lohnt sich nicht mehr

Büchereidirektorin Claudia Knauer erklärt, dass es sich um den älteren der beiden Bücherbusse handelt, der den östlichen Landesteil befährt, und voraussichtlich Ende September durch einen neuen ersetzt wird.

„Eine Reparatur würde sich also nicht mehr lohnen.“ Sie wäre vermutlich sehr teuer, spekuliert Knauer. „Außerdem wäre der Bus ohnehin nicht so schnell fertig, dass es sich noch lohnen würde, ihn wieder zu bestücken, bevor der neue Bus ankommt.“

Jetzt pausiert der Bücherbus also erst einmal. Zwirner und Knauer müssen sich nun darum kümmern, dass die immerhin fast 3.500 Medien aus dem Bücherbus ein Zwischenlager bekommen. Das ist nicht ganz einfach, denn die Büchereien sind gut gefüllt. Der andere Bücherbus, der die Westküste bedient, ist ebenfalls ausgelastet.

Im September sollen die Bücher wieder auf Tour

„Die Medien müssen nicht nur gelagert, sondern auch sortiert werden, bevor ich wieder auf Tour gehen kann“, sagt Matthias Zwirner. „Ich weiß ja, was meine Leser gerne mögen.“ Bevor Zwirner noch im August seinen geplanten Sommerurlaub antritt, will er die Lagerfrage geklärt haben.

Bis zum 8. September, so seine Hoffnung, steht dann alles übersichtlich bereit, sodass er mit einem gemieteten Transporter wieder auf Tour kann. „Dann kann ich gezielt Kisten für meine Leser packen. Sie können stöbern – und werden bestimmt fündig.“ Für ihn steht fest: „Ich komme wieder!“

Kreative Lösungen in der Not

Wer bis Anfang September nicht warten kann und unbedingt neuen Lesestoff braucht, hat Glück: „Ruft uns an, wir finden eine Lösung“, sagt Claudia Knauer. „Und wenn wir mit unseren eigenen Autos rauskommen – alle sollen ihre Medien bekommen.“

Ein paar Wochen auf ein neues Buch warten – das klingt vielleicht banal. „Ist es aber nicht“, weiß die Büchereidirektorin und erinnert an die Corona-Zeit.

„Viele, gerade ältere Menschen im ländlichen Raum, sind nicht mobil und fühlen sich einsam.“ Für sie seien der Bücherbus und Matthias Zwirner oft die letzte Verbindung in die Minderheit.

Mehr als ein Bücherbus

„Das stimmt“, pflichtet ihr Zwirner bei. „Die Gespräche und Begegnungen, die ich mit den Menschen habe, rühren mich sehr, und sie bedeuten mir mindestens so viel wie ihnen.“

Er berichtet von Säuglingen, die er halten soll, damit die Eltern im Bus stöbern können, und älteren Menschen, die in Gesprächen sehr persönliche und bewegende Schicksale mit ihm teilen. „Ich bin mehr als ein Fahrer. Und mein Bus ist mehr als ein Bücherbus.“

Deshalb will er keine Sekunde vergeuden und so schnell es geht wieder auf die kleinen Straßen Nordschleswigs, raus zu seinen Leserinnen und Lesern.