Porträt

Mary Tarp: Die Frau mit dem Ja für (fast) alles

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Mit ihrer Hochzeit trat Mary Tarp in die Nordschleswigsche Gemeinde ein und kam zum ersten Mal in Kontakt mit der deutschen Minderheit.

Sie sagt fast nie Nein – ob zum Gemeindevorsitz, zu neuen Aufgaben beim „Nordschleswiger“ oder zum nächsten Buch im Laden um die Ecke. Mary Tarp traut sich zu, was andere ihr zutrauen. Ein Porträt über eine Frau, die immer von den passenden Aufgaben gefunden wird.

„Wenn wir heiraten, musst du in die Nordschleswigsche Gemeinde eintreten“, sagte Helmuht Tarp zu seiner 19-jährigen Verlobten Mary – kurz bevor die beiden 1974 den Bund fürs Leben schlossen. Also trat die gebürtige Flensburgerin bei. Ein Glücksfall für die Gemeinde, wie sich später herausstellen sollte.

„Der Kontakt zur Minderheit kam erst durch die Hochzeit zustande“, erinnert sich Mary Tarp. „Ich komme aus einer wenig religiösen Familie – getauft wurde ich erst, als ich den Wunsch äußerte, konfirmiert zu werden.“

Plötzlich Vorsitzende

Umso überraschender war es, was eine Kirchenvertretertagung, zu der sie ihren Mann begleitete, mit sich brachte: Mary wurde gefragt, ob sie sich vorstellen könne, den Vorsitz der Gemeinde zu übernehmen. Sie ließ sich die Aufgaben genau erklären, überlegte – und sagte schließlich: „Ja, das kann ich wohl machen.“ Es war nicht das erste und ganz sicher nicht das letzte Mal, dass sie durch ihre bloße Zustimmung in eine Rolle hineinwuchs, der sie viele Jahre treu bleiben sollte.

Es scheint fast so, als würden die richtigen Aufgaben Mary Tarp regelrecht finden. 2013 wurde die Pattburgerin erstmals zur Vorsitzenden gewählt – heute befindet sie sich bereits in ihrer dritten Amtszeit. „Mir bereitet die Arbeit sehr viel Spaß“, sagt sie.

2013 wurde Mary Tarp zum ersten Mal zur Vorsitzenden der Nordschleswigschen Gemeinde gewählt.

Mary, das Ass im Ärmel des „Nordschleswigers“

Ihre Standardformel „Ja, das kann ich machen“ sorgte auch beim „Nordschleswiger“, wo sie von 1994 bis 2021 Teil des Teams war, dafür, dass sie in den verschiedensten Bereichen zum Einsatz kam.

Egal, ob Vertrieb oder Lokalredaktion – die 69-Jährige fand sich schnell in den neuen Aufgaben zurecht. „Wurde irgendwo Hilfe benötigt oder musste eine Stelle besetzt werden, wurde ich gefragt – und ich habe dann eigentlich immer mit ‚Ja‘ geantwortet“, erzählt sie. „Aber ganz egal, in welcher Funktion ich tätig war – die Arbeit im ‚Nordschleswiger‘-Team hat mir Spaß gemacht.“ Und mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: „Nur in die Chefredaktion habe ich es nicht geschafft.“

Geschafft hat Mary Tarp es hingegen noch in zahlreiche andere Positionen. Sie ist

  • seit 2006 Vorsitzende des BDN-Bezirkes Apenrade, Mitglied des BDN-Geschäftsausschusses und Mitglied des BDN-Hauptvorstandes,
  • seit 2013 Vorsitzende der Nordschleswigschen Gemeinde,
  • seit 2020 Vorstandsmitglied der Freunde der Breklumer Mission,
  • seit 2024 Vorstandsmitglied des BDN-Ortsvereins Bau.

Trotz ihres vielfältigen Engagements vergisst Mary ihre Familie nie. Seit dem Tod ihres Mannes reist sie allein zu ihrem Sohn Thorsten in die Schweiz, verbringt Wochenenden bei ihrer mittleren Tochter Meike und den beiden Enkelkindern in Neuenkirchen oder trifft sich mit ihrer ältesten Tochter Carina zu einem Mutter-Tochter-Tag in Flensburg. „Dann lassen wir uns die Nägel machen – und weil wir leidenschaftlich gern lesen, können wir den Buchladen in der Nähe danach nicht einfach links liegen lassen.“

Die Bücherschmugglerin

Mary Tarp scheint die passenden Aufgaben anzuziehen.

Mary liebt es, in Buchhandlungen zu stöbern. Selten verlässt sie sie mit leeren Händen. Das führt zu stapelweise ungelesenen Büchern, die sie heimlich an ihrem Mann vorbeischleusen musste. „Ich habe sie in meiner Handtasche nach Hause geschmuggelt und dann im passenden Moment ins Regal gestellt – so, als hätten sie dort schon immer gestanden“, erzählt sie mit einem schelmischen Lächeln. „Mein Mann hat nie etwas gemerkt.“

Ohne einen Krimi geht Mary selten ins Bett. „Die lese ich besonders gern – solange keine Kinder in die Handlung involviert sind. Das kann ich nicht ab.“ Besonders angetan haben es ihr die Romane von A. J. Quinnell, allen voran Der blaue Ring und Mann unter Feuer – Bücher, die sie mehr als einmal gelesen hat.

Wenn Mary liest, taucht sie vollständig in die Welt der Geschichten ein. Alles um sie herum wird ausgeblendet, alle Sinne sind darauf gerichtet, die Handlung im Kopf lebendig werden zu lassen.

Das ist wohl eine der wenigen Situation, in der man von ihr nicht das gewohnte „Ja, ich mach’ das!“ zu hören bekommt.