Deutsche Minderheit

Jürgensen sieht „klares Zeichen an die Kommunen“

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Hinrich Jürgensen 2024
Hinrich Jürgensen, Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), hofft, dass durch das Handeln der Regierung bald neuer Schwung in die Ortsschild-Thematik kommt.

Kommen jetzt die zweisprachigen Ortsschilder? Nach fast sechs Jahren ohne Bewegung hat die Regierung neue Maßnahmen zugunsten der deutschen Minderheit ergriffen. Was diese konkret bedeuten, müsse nun sorgfältig ausgewertet werden, sagt der BDN-Hauptvorsitzende Hinrich Jürgensen.

„Erst einmal freue ich mich jetzt, dass nach all den Jahren endlich etwas passiert ist. Was genau das jetzt alles bedeutet, müssen wir noch sehen“, sagt der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Hinrich Jürgensen, über die am Freitagnachmittag von der Regierung veröffentlichte Ankündigung, die Rechte der deutschen Minderheit zu stärken und elf zusätzliche Verpflichtungen aus der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen zu übernehmen.

Bereits 2019 hatte der BDN die damalige Regierung dazu aufgefordert, weiteren Verpflichtungen aus der Sprachencharta nachzukommen. Seitdem war allerdings nichts geschehen.

Laut Jürgensen habe Kulturminister Jakob Engel-Schmidt (Moderate) ihn am Freitag vor der Veröffentlichung selbst angerufen, um ihm die Neuigkeiten mitzuteilen. „Ich habe mich sehr über den Anruf gefreut. Er hat mir von den elf Punkten erzählt und mir diese anschließend auch noch einmal schriftlich zukommen lassen“, so der Chef der deutschen Minderheit.

Nachträgliche Änderungen an Punkt 9

Eines der wichtigsten Anliegen der Minderheit wird in Punkt 9 behandelt. In diesem heißt es, dass „Dänemark sich verpflichtet, die Verwendung bzw. Einführung traditioneller und korrekter Ortsnamen in Regional- oder Minderheitensprachen zu ermöglichen und/oder zu fördern, gegebenenfalls zusammen mit dem Namen in der/den Amtssprache(n)“. Kurios: Wie Jürgensen berichtet, war die Formulierung dieses Punktes beim Telefonat mit dem Kulturminister noch anders. „Sowohl in den Punkten, die er mir am Telefon vorgelesen hat, als auch in der schriftlichen Version, die ich vom Minister erhalten habe, ist konkret von ‚Ortsschildern‘ die Rede gewesen. Dieser Begriff ist in der nun veröffentlichten Pressemitteilung nicht mehr vorhanden, dort ist lediglich von ‚Ortsnamen‘ die Rede“, so Jürgensen. Er wundere sich zwar etwas über die nachträgliche Änderung, sei deswegen aber nicht besorgt.

Kommunen in der Pflicht

Die elf neuen Punkte im Überblick

 

Die Regierung hat sich nun zwar zu diversen Punkten verpflichtet, die auch bereits seit Jahren von der Minderheit eingefordert wurden. Im Fall der Ortsschilder zum Beispiel liegt die Umsetzung allerdings bei den Kommunen. Was bedeuten diese Punkte also jetzt im Einzelnen für die Minderheit in Nordschleswig? „Das alles zum jetzigen Zeitpunkt zu bewerten, ist schwierig. Wir werden uns da jetzt die nächsten ein bis zwei Wochen erst einmal einarbeiten müssen und dann auch noch mal konkret nachfragen, was die einzelnen Punkte genau bedeuten und wie die Formulierungen gemeint sind“, sagt Hinrich Jürgensen. 

Er geht davon aus, dass es nun auch eine Reaktion der nordschleswigschen Kommunen geben wird.

„Ich hoffe, dass die Kommunen auf uns zukommen werden. Sie haben das Schreiben ja auch bekommen. Für mich ist das jetzt ein klares Zeichen an sie, dass sie endlich etwas tun müssen“, so Jürgensen. Er sagt dies auch mit Blick auf die langjährigen Forderungen des BDN, unter anderem, Satzungen oder andere Dokumente der Minderheit bei den Behörden auch auf Deutsch einreichen zu können, oder dass pflegebedürftige Menschen in Nordschleswig, die nur Deutsch sprechen, auch von deutschsprachigem Personal betreut werden müssen.

Sowohl in den Punkten, die er mir am Telefon vorgelesen hat, als auch in der schriftlichen Version, die ich vom Minister erhalten habe, ist konkret von ‚Ortsschildern‘ die Rede gewesen.

„Es ist toll, dass wir jetzt mit diesen Punkten, die die Regierung aus der Sprachencharta übernommen hat, etwas schwarz auf weiß haben, mit dem wir gegenüber den kommunalen Behörden argumentieren können“, so der Chef der deutschen Minderheit, der froh ist, dass nach sechs Jahren des Wartens und den vielen Aufforderungen und Gesprächen die dänische Regierung endlich gehandelt hat.