Deutsche Minderheit

„Jetzt sind die Älteren dran“: Veronika Bjørn kandidiert für den Seniorenrat in Tondern

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Veronika Bjørn an einem regnerischen Vormittag im „Tunnel“ – wie er von ihren Enkelkindern bezeichnet wird – in Tondern.

Nach einem Leben für Kinder widmet sich Veronika Bjørn nun ihrer eigenen Generation. Die 70-Jährige aus Tondern möchte im Seniorenrat „60+ Seniorrådet“ mithelfen, Einsamkeit zu bekämpfen, besseres Essen auf den Tisch zu bringen und die Stimme der Älteren hörbar zu machen. Zudem liegt ihr die Verkehrssicherheit am Herzen.

„Ich habe mich ein Leben lang mit Kindern beschäftigt. Jetzt ist meine eigene Altersgruppe dran“, begründet Veronika Bjørn aus Tondern mit einem Lächeln ihre Kandidatur für den Seniorenrat „60+ Seniorrådet“ in der Kommune Tondern.

Parallel zur Kommunalwahl und Regionswahl am 18. November läuft die Wahl für die Seniorenräte. 

Als Lehrerin hatte sie mehr als 40 Jahre mit Schulkindern zu tun und engagierte sich auch als Vorsitzende des Kindergartenausschusses des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig (DSSV) für die kleineren Kinder. 

Zweiter Anlauf für das Gremium

Im Vergleich zu vor vier Jahren, als sie verhältnismäßig kurzfristig zur Kandidatur aufgefordert wurde, steht sie nun mit den anderen 25 Mitstreiterinnen und Mitstreitern auf einer Liste. Es gilt, 13 Sitze zu besetzen. 

Neun der amtierenden Mitglieder wünschen keine Wiederwahl. Bei 13 Bewerberinnen und 13 Bewerbern ist das Interesse für eine Kandidatur ausgewogen. 

„Ich denke nicht, dass in der kommunalen Heimpflege super viel im Argen liegt. Ich denke aber, dass viele Ältere am Tag allein und einsam sind. Nicht alle können ins Seniorencenter kommen. Wenn man dort etwas machen könnte“, erläutert Veronika Bjørn. Dabei ist ihr bewusst, dass verschiedene Vereine versuchen, die Einsamkeit zu bekämpfen.

Frisches Essen auf der Wunschliste

Eine weitere Sache, die sie gerne angehen möchte, ist das Essen für ältere Menschen, die nicht mehr selbst kochen können und es für eine Woche aufs Mal ins Haus geliefert bekommen. 

Es hapere mit dem Geschmack, da alles gleich schmecken würde. Vielleicht wäre es etwas teurer, wenn es jeden Tag geliefert würde, aber dann käme zugleich täglich eine Person ins Haus, die Hallo sagt.

 „Die Alten haben für uns gearbeitet und Steuern bezahlt, und sie haben es wirklich verdient, es gut zu haben. Daher finde ich es gut, dass ‚60+ Seniorrådet‘ in allen Fragen gehört wird, die diese Altersgruppe betreffen“, erklärt die Kandidatin aus dem Kreis der deutschen Minderheit. 

„Ich fühle mich nicht alt“, erklärt die 70-Jährige. Sich engagiert einzusetzen, ist für sie kein Neuland. „Nein, ich mache nichts Halbes“, sagt sie lachend. Sie will sich für Menschen aus der Minderheit und Mehrheit einsetzen, da die betreffende Altersgruppe um nichts bitten würde.

Die Pflegeheime würden in der Regel von der Gemeinschaftsküche (Fælleskøkkenet) täglich mit frischem Essen beliefert. In diesem Zusammenhang wünscht sie sich für die Bewohnerschaft in Pflegeheimen eine differenzierte Bezahlung für die Verpflegung, da viele nur sehr wenig essen würden. 

Veronika Bjørn nahm kürzlich mit ihrem jüngsten Enkel Lauritz am Laternebasteln im Tonderner Kindergarten teil.

„Man zahlt zusätzlich zur Miete für das Essen gut 4.000 Kronen. Das ist viel für jemanden mit einer gewöhnlichen Rente, der nicht so gut bei Kasse ist“, erklärt Veronika Bjørn.

Verbesserungspotenzial beim Verkehrsverhalten

„Ein anderes Thema, das mir am Herzen liegt, ist das Verhalten im Verkehr. Als Autofahrerin erlebe ich, dass die rüstigen Menschen zu Fuß und auf dem Fahrrad manchmal einfach über die Straße gehen oder radeln.“ 

Dadurch würden gefährliche Situationen entstehen. Vielleicht könnte ein Zebrastreifen zusätzlich an einigen Stellen oder mehr Aufklärung Abhilfe leisten.

Zudem könnte sie sich vorstellen, auf mehr Aufklärung zu setzen, wie man an Hilfsmittel rankommt.

Soziales Miteinander von Jung und Alt

„Ich finde es gut, wie man verstärkt versucht, Kindergärten und Schulklassen in die Pflegeheime einzuladen. Davon profitieren beide Seiten. Nicht alle Kinder haben so alte Verwandte, und ich glaube, die Alten und auch die Kinder haben Spaß daran.“

Die zwölffache Oma pflegt einen engen Kontakt zu ihren Enkelkindern im Alter zwischen 3 und 18 Jahren.

Ein konkretes Wahlziel

Ihr Wahlziel ist klar: „Ich möchte gerne gewählt werden“, sagt Veronika Bjørn. Sollte es mit dem Sprung in das Gremium nicht gelingen, ist ihr auf alle Fälle ein Platz als Stellvertreterin sicher, da in Tondern vier Personen für drei Plätze kandidieren.  

Mit der Digitalität gibt es auch die Möglichkeit, auf alle 26 Kandidatinnen und Kandidaten aus den früheren sechs Kommunen Bredebro, Hoyer (Højer), Lügumkloster (Løgumkloster), Norderrangstrup (Nørre Rangstrup), Scherrebek (Skærbæk) sowie Tondern zu stimmen.

 „Und wer schon digital gestimmt hat, kann weiterhin online seine Entscheidung ändern. Das ist bis zur Schließung der Wahllokale möglich“, erläutert Veronika Bjørn. 

Am 18. November wird sie die Hälfte des Tages als Wahlhelferin im Wahllokal in Tondern sein.  

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