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Holzskulpturen-Festival: Teamwork an der Motorsäge

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Tabea Harnack und Helga März beim Holzskulpturen-Festival in Sonderburg: Innerhalb einer Woche entsteht aus Eichenholz eine Hand.

Aus einem Eichenstamm eine Skulptur in einer Woche fertigen – darum geht es beim „Wood Sculpture Festival“ in Sonderburg. Zu den Kunstschaffenden aus aller Welt gehören auch zwei Schülerinnen der Berufsfachschule für Holzbildhauerei in Flensburg.

Motorsägen kreischen. Holzspäne fliegen. Die Luft ist staubig. Die Holzbildhauerinnen und -bildhauer arbeiten an ihren Skulpturen unter den weißen Zelten direkt am Wasser vor dem Schloss in Sonderburg (Sønderborg). Sie tragen einen Gehörschutz und Schutzbrille, dicke, dunkle Arbeitshosen und Sicherheitsschuhe: Das „Wood Sculpture Festival“, zu Deutsch Holzskulpturen-Festival, ist in vollem Gang. Seit 2012 bringen die Kommune Sonderburg und die Uwe Wolff's Stiftung Kunstschaffende aus zehn Nationen in der Stadt zusammen.

Zu ihnen gehören dieses Jahr auch Tabea Harnack und Helga März. Die beiden sind Schülerinnen im zweiten Lehrjahr an der „Berufsfachschule Holzbildhauerei“ in Flensburg. Zusammen arbeiten sie an ihrem etwa schulterhohen Stück Eichenholz, das bereits deutlich eine Hand erkennen lässt. Einen Namen trägt die entstehende Skulptur bisher noch nicht. „Es soll eine tragende, eine einladende Hand werden“, sagen Tabea und Helga.

Handarbeit ist Teamarbeit

Neben Tabea und Helga arbeitet noch ein dritter Schüler mit an der Hand-Skulptur. „Wir sind ein gutes Team. Das funktioniert, wenn man gut kommuniziert und Kompromisse eingeht“, erklärt Tabea. Sie liebt die Arbeit mit Holz. „Es ist so ein warmes Material und durch die Faserung so lebendig!“, schwärmt die 21-Jährige. Doch für die Arbeit mit dem harten Eichenholz brauchen sie und Helga viel Fingerspitzengefühl.

Zuerst müssen sie das sogenannte Splintholz entfernen. „Dieser Teil ist anfällig für Pilze und Schädlinge und muss deshalb weg. Man muss aber auch aufpassen, dass man nicht zu viel wegsägt“, erklärt Helga.

Tabea Harnack liebt die Arbeit mit Holz und der Motorsäge, die mehrere Kilo wiegt und mit Gefühl eingesetzt werden muss.

Dann arbeiten die beiden im Wechsel an der etwa schulterhohen Holzskulptur. Das ist auch körperlich anstrengend: Die Motorsäge ist zwar eine der leichteren Versionen. Wiegt aber immer noch mehrere Kilo. „Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt. Anfangs hatte ich Muskelkater“, sagt Tabea. Immer wieder setzt sie die Motorsäge ab. Wischt die Sägespäne von der Skulptur. Schaut auf ihre eigene Hand und das vorher gefertigte Modell. „Anatomie ist faszinierend, aber auch sehr komplex. Ich muss sehen, dass die Proportionen stimmen“, erklärt Tabea.

Damit die Handskulptur im Team gelingt, müssen Tabea (vorn im Bild) und Helga sich gut absprechen und Kompromisse eingehen.

Eiche ist hart und wetterbeständig. Deshalb können die Skulpturen auch mehrere Jahre draußen stehen.

Tabea Harnack

Kunstschaffende kommen aus zehn Nationen

Während die Kreativen unter den weißen Zelten arbeiten, dürfen neugierig Zuschauende sie auch gerne fragen: Welche Technik wenden sie an? Welche Eigenschaften hat das Holz? Was ist die Geschichte der Skulptur? Eines sollte man jedoch beachten: Die Holzbildhauerinnen und -bildhauer immer von vorne ansprechen und sich nicht von hinten nähern – allein aus Sicherheitsgründen, besonders wenn die Künstlerinnen und Künstler mit der Motorsäge hantieren.

Bis zum Wochenende muss die Skulptur fertig sein. Spätestens Freitag will das Team „Hand“ nur noch Detailarbeiten mit Hammer und Schnitzeisen machen.

Dieses Jahr kommen die Kunstschaffenden, neben Flensburg, unter anderem aus Italien, der Türkei und Japan. Kann man sich da nicht auch wunderbar inspirieren lassen für die eigene Arbeit? „Es ist mega spannend zu sehen, wie die anderen arbeiten. Aber wir haben uns ja einen Plan gemacht und bleiben auch dabei", erklärt Tabea.

Auf dem Holzskulpturen-Festival können sich auch die Kleinsten schon in der kreativen Holzarbeit probieren: Noch bis Freitag, 20. Juni, gibt es jeden Tag von 15 bis 17 Uhr einen Kinderworkshop. Anmelden muss man sich dafür nicht. Und wer sich als Erwachsener berufen fühlt? „Man kann das auch Zuhause probieren. Mit Schnitzeisen, Hammer und einer Vorrichtung, um das Holz einzuspannen“, erklärt Tabea. Sie empfiehlt für den Start ein weiches Holz, das sich gut bearbeiten lässt – etwa Lindenholz. Und vermutlich schadet es auch nicht, wenn bei den ersten Versuchen der Verbandskasten in Reichweite ist.

Die fertigen Holzskulpturen sind in diesem Jahr im Park von „Augustenborg Project“ zu sehen, bevor sie im Naturpark Nordals aufgestellt werden. Auch die tragende, einladende Hand – die bis dahin auch einen Namen haben wird.

Das Holzskulpturen-Festival läuft noch bis Sonnabend, 21. Juni, um 13 Uhr.

Tabea und Helga besprechen gemeinsam, wie und an welcher Stelle an der Skulptur gearbeitet wird.
Die Holzbildhauerinnen müssen auch ein Händchen für die Details haben – sonst stimmen am Ende die Proportionen nicht.
Traumhafte Kulisse direkt vor dem Sonderburger Schloss für die Kunstschaffenden aus zehn Nationen beim Holzskulpturen-Festival