Deutsche Minderheit

Hauskauf in Nordschleswig finanzieren? Die Minderheit kann helfen

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Anja Eggert
Anja Eggert ist Geschäftsführerin der Deutschen Selbsthilfe Nordschleswig – dem Minderheiten-Verband, der seinen Mitgliedern mit günstigen Krediten hilft.

Darlehen zu günstigen Konditionen: Die Selbsthilfe bietet ihren Mitgliedern abseits der Finanzmärkte Alternativen. Geschäftsführerin Anja Eggert erklärt, weshalb sich das Angebot steigender Beliebtheit erfreut.

Ein Haus zu kaufen oder zu bauen ist teuer – auch weil die Zinsen für Kredite noch immer hoch sind. Doch wer Teil der deutschen Minderheit in Nordschleswig ist und ein Wohnprojekt realisieren möchte, der kann von der deutschen Minderheit eine Mitfinanzierung erhalten.

Über die Mitgliedschaft bei der Deutschen Selbsthilfe Nordschleswig (DSN) und dem Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) gibt es seit 1969 die Möglichkeit, einen Kredit beim Wohnungsbauförderungsfonds für Wohnraum in Nordschleswig, den man als Antragstellerin oder Antragsteller selbst beziehen muss, zu beantragen. Über die Gewährung eines Darlehens entscheidet der Wohnungsbauausschuss (WBA), der nach Bedarf tagt.

Wer bekommt einen Kredit und was wird gefördert?

Eine der Voraussetzungen ist, dass die Antragstellenden sowohl Mitglied im BDN als auch der DSN sind. Einen Anspruch habe man dennoch nicht automatisch, teilt DSN-Geschäftsführerin Anja Eggert mit. „Wenn die Nachfrage beim WBA höher als das Volumen ist, werden vorzugsweise junge Familien oder Antragsteller mit Kindern gefördert.“ Grundsätzlich könne auch nur ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung je Mitglied gefördert werden.

Gefördert werden der Bau und Erwerb von Eigenheimen, Eigentumswohnungen, Erweiterungsbauten, die ausschließlich Wohnzwecken dienen und die in Nordschleswig liegen. Das Kapital des Wohnungsbauförderfonds stammt aus dem Bundesministerium des Innern. Es wurde für den sozialen Wohnungsraum für die deutsche Minderheit in Nordschleswig zur Verfügung gestellt.

Wie funktioniert der Kredit?

Die Kredite des WBA sind als Mitfinanzierung bzw. Spitzfinanzierung gedacht. „Es werden nur bis zu 10 Prozent der Kaufsumme bei einem Eigenkapital von mindestens 10 Prozent finanziert“, erklärt Eggert. Gesetzlich seien 5 Prozent Eigenkapital vonnöten. Zeitgleich liegen zwei Begrenzungen vor. Da ist zum einen das steuerpflichtige Einkommen der Antragstellenden. Es darf einen bestimmten Betrag nicht überschreiten. „Dieser ist zurzeit pro Haushalt auf 950.000 Kronen festgelegt“, sagt Eggert. Gleichzeitig dürfen die Antragstellenden und dazugehörige Partnerinnen und Partner kein nennenswertes Vermögen haben.

Die Zinsen betragen 2 Prozent jährlich bei einer Laufzeit von bis zu 26 Jahren. „Das Darlehen muss allerdings beim Erreichen des Rentenalters getilgt sein“, so die DSN-Chefin. Zusätzlich wird eine einmalige Verwaltungspauschale in Höhe von 1 Prozent des bewilligten Darlehens beim Auszahlen des Darlehens gegengerechnet.

Bei einem Neuerwerb dürfen auch keine bereits eingegangenen Verbindlichkeiten bestehen. Der WBA-Kredit kann also beispielsweise nicht zur Schuldentilgung eingesetzt werden.

Weiterhin erhöhte Nachfrage

Auch die Kredite des Wohnungsbauausschusses sind bei Mitgliedern der deutschen Minderheit sehr beliebt. „Es gibt eine erhöhte Nachfrage im Vergleich zu den Vorjahren“, sagt Eggert. Dies sei unter anderem dem aktuellen Zinsniveau geschuldet. „2022 bekam man noch ein Realkreditdarlehen, also die ersten 80 Prozent der Kaufsumme, zu 1,5 Prozent.“ Das änderte sich in den Folgejahren. Laut Finans Danmark liegen die Zinsen für langfristig angelegte Realkredite zwischen 4 und 5 Prozent. Bankdarlehen für die Restfinanzierung sei entsprechend noch teurer.

„Deshalb ist die Restfinanzierung mit einem Darlehen des WBA mit 2 Prozent per anno und einer einmaligen Verwaltungspauschale wieder attraktiv.“

Hinzu kommen steigende Kosten für Handwerkerinnen und Handwerkern. Das macht Bauprojekte in Nordschleswig, wie berichtet, generell teurer.

Eggert ist Ansprechpartnerin vor Ort

Wer als Mitglied oder kommendes Mitglied der DSN und des BDN ein Haus in Nordschleswig kaufen möchte, das er oder sie selbst bewohnen wird, kann sich zwecks Mitfinanzierung in der Geschäftsstelle des Wohnungsbauausschusses melden. „Am besten, man wendet sich an den Wohnungsbauausschuss vor einem Hauskauf. Es ist für ein Mitglied schwer zu durchschauen, ob man alle Bedingungen erfüllt“, sagt Eggert.

Die Geschäftsstelle des Wohnungsbauausschusses ist im Haus Nordschleswig, Vestergade 30, in Apenrade beheimatet. Ansprechpartnerin ist Anja Eggert selbst. Sie ist unter Telefon 73 62 91 04 oder eggert@bdn.dk zu erreichen.

Wer sich zunächst im Web informieren möchte, findet entsprechende Informationen unter www.bdn.dk/wohnungsbau.