Unwetter

Eingesperrt im Haderslebener Dom: Gesang gegen den Dezemberorkan

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Brigitte Handler und Nis-Edwin List-Petersen erlebten den Dezemberorkan gemeinsam im Dom in Hadersleben.

Während draußen Ziegel und Fahnenstangen umherflogen, machten sich Brigitte Handler und Nis-Edwin List-Petersen im Dom mit Gesang Mut. Die Polizei hatte angeordnet, dass sie und der Rest der Nordschleswigschen Musikvereinigung während des Dezemberorkans das Gebäude nicht verlassen dürfen.

„Die Kronleuchter wackelten, und die Sturmglocken des Doms läuteten“, erinnert sich Nis-Edwin List-Petersen.

Eigentlich sollte der Tag des 3. Dezember 1999 für Brigitte Handler und Nis-Edwin List-Petersen am Abend zu einem schönen Abschluss kommen.

Das Ehepaar aus Apenrade sollte mit der Nordschleswigschen Musikvereinigung das Weihnachtsoratorium im Haderslebener Dom singen. Doch wegen des Dezemberorkans kam dann alles etwas anders als erwartet.

Nicht mit dem Orkan gerechnet

Als die Musikerinnen und Musiker gegen 16 Uhr mit Bussen zum Dom gefahren wurden, sei von dem Sturm noch nicht viel zu sehen gewesen, erzählt das Ehepaar: „Es war damals von starkem Wind die Rede, aber das hat hier an der Küste ja niemanden abgehalten.“

Rund zwei Stunden später nach der Generalprobe wurde dann wohl allen Anwesenden im Dom klar, wie ernst die Lage eigentlich war. „Um 18 Uhr kam die Polizei und hat uns allen gesagt, keiner darf den Dom verlassen.“

Handler erinnert sich, dass damals zwei Männer wissen wollten, was draußen passierte und kurz die Tür öffneten: „Da flogen die Fahnenstangen durch die Luft und Ziegel vom Domdach.“

Handler und List-Petersen blieb also nichts anderes übrig, als gemeinsam mit ungefähr 150 Musikerinnen und Musikern und einigen Besuchenden im Dom auszuharren und zu warten. Viele der Anwesenden hätten Angst gehabt. Richtige Panik habe damals aber zum Glück niemand bekommen, erzählt Brigitte Handler.

Ein Gefühl der Ohnmacht

Im Haderslebener Dom harrte das Ehepaar mehrere Stunden gemeinsam mit der Nordschleswigschen Musikvereinigung und einigen Zuschauenden aus. (Archivfoto)

Viele der Anwesenden hätten auch versucht, ihre Angehörigen anzurufen. Doch schnell sei das Telefonnetz ausgefallen. „Es war so unfassbar, du konntest nichts machen und musstest das akzeptieren“, sagt die 72-Jährige.

Die Kinder von Handler und List-Petersen seien zum Glück schon in einem Alter gewesen, wo sie auf sich selbst aufpassen konnten, unruhig war das Ehepaar dennoch. Schlimmer wäre es aber gewesen, wenn die beiden nicht gemeinsam im Dom gewesen wären.

Weihnachtsoratorium wurde dann doch gesungen

Der damalige Chorleiter Peter von der Osten habe dann das einzige Kluge gemacht, erzählt Brigitte Handler. Von der Osten entschied, das Konzert zu spielen. „Das hat uns völlig beruhigt und abgelenkt.“

Man habe sich ganz auf die Musik konzentriert. „Was uns dann noch daran erinnerte, dass draußen der Papst boxte, war der Kronleuchter, der an der Decke schwang und Wasser, das durch die vorderen Fenster eindrang.“

Gegen 23 Uhr kam dann die Entwarnung der Polizei, und der Dom durfte wieder verlassen werden. Auch der Rückweg nach Apenrade sei nicht einfach gewesen.

„Nordschleswig war dunkel“, sagt Handler. Nirgendwo habe ein Licht gebrannt und der Bus musste Schlangenlinien fahren, um Hindernissen auszuweichen.

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