Kommentar

„Ein Notfallkuchen für den ‚Nordschleswiger‘: Mein inoffizieller Praktikumsbericht“

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Praktikantin Carlotta Hofmann hat ihren letzten Arbeitstag.

Nach jedem Pflichtpraktikum muss bei der Uni oder Hochschule ein Bericht eingereicht werden. Auch der (nun ehemaligen) Redaktionspraktikantin Carlotta Hofmann steht dies bevor. Der Text, den sie uns im Medienhaus hinterlässt, enthält unterdessen Details, die es nicht in die offizielle Version schaffen werden …

Einleitung

Ich bin über die Hochschule Magdeburg-Stendal auf die Redaktion des „Nordschleswigers“ gestoßen. Zumindest offiziell. Inoffiziell haben mich bereits etliche Instagram-Storys meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen darauf hingewiesen, dass die Möglichkeit besteht, ein Praktikum in Dänemark zu machen.

Erik postet ein Foto der dänischen Flagge, die im Wind weht. Bjarne ein Selfie aus Kopenhagen. Und Alena ein Bild beim Kartenspielen am Strand.

Aber in welcher Redaktion und wo genau das Praktikum stattfinden wird, das habe ich dann über die Hochschule Magdeburg-Stendal erfahren.

Also habe ich mich kurzerhand beworben. Nach einem regen Austausch per E-Mail mit Gwyn Nissen (wobei ich peinlich lange davon ausgegangen bin, mit einer Frau zu schreiben – glücklicherweise ist in Dänemark das Duzen die Norm, sodass ich das Fettnäpfchen ‚Liebe Frau Nissen‘ vermeiden konnte), stand also vor gut einem Jahr fest: Ab Februar 2025 geht es nach Apenrade!

Hauptteil

Der Kampf mit den Koffern

Ende Januar wurde es dann plötzlich ernst, und für mich stand gleich zu Beginn eine der wohl größten Herausforderungen an: Packen.

Zwischen meinem Anspruch, modebewusst zu sein, meiner Mutter, die fest davon überzeugt war, dass ich in die Antarktis und nicht nach Dänemark gehe, und dem beschränkten Platz, der mir zur Verfügung stand, definitiv keine leichte Aufgabe.

Letztlich ging es mit drei Koffern und einem Rucksack über die Grenze. Wenn ich bedenke, mit was für einem Haufen Klamotten ich gestartet bin, war ich mit meiner reduzierten Auswahl doch ganz zufrieden!

Bis ich bei der WG angekommen bin.

In der einen Ecke: fünf Treppenabsätze. In der anderen: Gwyn, meine drei Koffer und ich.

Wer wird gewinnen? Spoiler: Ich war es nicht, die Treppe aber auch nicht. Ganz klarer Sieger: Gwyn Nissen.

Während ich noch versucht habe, mich mit meinem Schicksal abzufinden, griff sich unser 62-jähriger Chefredakteur kurzerhand rechts und links jeweils einen Koffer, warf mir noch ein „Ich mache CrossFit!“ über die Schulter zu und schwebte die Treppenstufe mit einer Leichtigkeit hinauf, die ich nicht mal ohne extra Gewicht habe.

In meiner Zeit hier habe ich vieles gelernt, für welche Superkraft das Synonym „CrossFit“ steht, konnte ich jedoch nicht herausfinden.

Die Sache mit dem Kuchen …

Wie gesagt: Ich habe wirklich vieles gelernt, das Wichtigste, was ich aber mitnehme: Kuchen gehört beim „Nordschleswiger“zu den lebenserhaltenden Grundnahrungsmitteln.

Kein Wasser? Alles gut, das passt schon!

Kein Kaffee? Kritisch, aber machbar.

Kein Kuchen? Mindestens drei Nervenzusammenbrüche, der Mülleimer in der Küche geht in Flammen auf, der Drucker explodiert, irgendwo stirbt ein Katzenbaby und jemand überlegt, sein Erstgeborenes für die Reste aus der nächsten Bäckerei zu verkaufen.

Genau deswegen gibt es Notfallpläne wie von Journalist Gerrit Hencke. Er hat einen sogenannten, und ich mache keine Witze, „Notfallkuchen“ in seinem Büro bereitliegen.

Sollte doch mal der Ausnahmezustand eintreten, dass weder frischer noch Notfallkuchen zur Verfügung steht, eilt Journalistin Anke Haagensen zu Hilfe. Sie hat einen ganzen Schrank in ihrem Büro der Nervennahrung gewidmet, der „wichtigste Ort in der ganzen Redaktion!“.
Egal, was das vernaschte Herz begehrt: Ankes Schokoschrank hat es!

Nun wollte der Zufall es so, dass mein 22. Geburtstag in meine Praktikumszeit fiel. Da ich glücklicherweise doch tatsächlich auch Spaß am Backen habe, peilte ich für den 28. März also ein wahres Kuchenbüfett an: ein paar Red-Velvet-Cookies, ein Schoko- und ein Zitronenkuchen.

An dem schicksalhaften Freitag habe ich mir freigenommen, ich hatte Besuch aus der Heimat und wollte dementsprechend meinen Geburtstag gerne gebührend mit meinen Gästen feiern. Aber trotzdem: den Kuchen zur Mittagspause in die Redaktion bringen, das sollte doch möglich sein!

Mein gut durchdachter Plan: Um 12.30 Uhr startet jeden Tag die Pause, meine Freundesgruppe und ich gehen also um 12.15 Uhr an der WG los, damit wir um 12.45 Uhr an der Redaktion sind. So sind hoffentlich alle mit ihrem Mittagessen fertig, und wir kommen perfekt, um den Nachtisch zu servieren.

So weit, so gut.

Dachte ich.

Was ich nicht bedacht habe, war die Tatsache, dass sich grundlegend niemand aus der Redaktion überhaupt ein Mittagessen mitgenommen hat, schließlich „gibt es ja Kuchen“.

Wir betreten also die Redaktion, gleich vorn werden wir von Journalist Jan Peters in seinem Büro und einem Ihr-werdet-schon-sehnlich-Erwartet begrüßt. Da lachte ich noch, erkannte hier noch nicht den Ernst der Lage.

Wir bewegen uns also Richtung Küche. Ich freue mich auf dem Weg dahin über meinen geschmückten Schreibtisch, präsentiere meinen Gästen meinen Arbeitsplatz im Büro mit Marle Liebelt und Kerrin Trautmann (das liebevoll selbst getaufte „Kompetenzzentrum“) und bemerke die aufgewühlte Stimmung im Essbereich noch gar nicht.

Dann stehen wir in der Tür zur Küche, es bricht ein Gejubel aus, das seinesgleichen sucht. Ich blicke auf meine vorübergehenden Kolleginnen und Kollegen, vor ihnen leere, aber schon bereitgestellte Teller. Viele von ihnen halten bereits eine Gabel in der Hand, mit der sie leicht verzweifelt in der Luft herumstochern. In manchen Blicken kann man den Anflug eines leichten Wahnsinns vermuten.

Seit ganzen 15 Minuten warten sie verzweifelt auf meinen Kuchen. Ich denke, so wie ich in diesem Moment muss sich Jesus gefühlt haben, als er am dritten Tag auferstanden ist.

Gerne würde ich euch ein Beweisfoto meiner Kuchentafel präsentieren, leider wurden die Teller allerdings in einer Lichtgeschwindigkeit geleert, bei der auch das schnellste Handy nicht hätte mithalten können.

Beweisfoto: Es wird verzweifelt auf meinen Kuchen gewartet.

Fazit

Letztendlich hatte ich drei Monate gefüllt mit tollen Menschen, mindestens genauso tollen Erfahrungen und ganz viel Spaß.

Ich nehme viel wieder mit nach Deutschland: neue Klamotten, Kuchenrezepte, Berufserfahrung, aber vor allem ein Herz, das bis oben hin voll ist mit Liebe.

Ich hatte das Privileg, drei Monate im Ausland zu sein. Habe dabei Freundschaften in meinen Mitbewohnerinnen Julia und Johanna gefunden, neues Essen ausprobiert, aber auch meine Heimat, meine Familie und die Freunde, die sich wie Familie anfühlen, vermisst.

Es waren unfassbar schöne drei Monate mit unfassbar tollen Menschen. Was für ein Glück, dass ich so was erleben darf.

Liebe „Nordschleswiger“-Redaktion, danke, dass ich drei Monate lang ein Teil von euch sein durfte!

gez. Carlotta Hofmann, 30. April 2025