Deutsche Schulen und Kindergärten

DSSV-Empfehlung Lunden und Rapstedt zu schließen: Das sind die Hintergründe

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DSSV-Hauptvorsitzende Kerstin Jürgensen und DSSV-Geschäftsführer Uwe Jessen

Schulen und Kindergärten vor dem Aus? Der Dachverband der beiden Standorte Lunden und Rapstedt hatte Ende September empfohlen, die dortigen Minderheiten-Institutionen zu schließen. Dieser Entscheidung ging eine monatelange Analyse voraus, in die „Der Nordschleswiger“ nun Einblicke erhielt.

„Sollen die Kindergärten und Schulen in Lunden und Rapstedt weiterbestehen oder nicht?“ Diese Frage treibt derzeit die Hauptvorstände von BDN und DSSV um – jene Gremien, die über die Zukunft der beiden Standorte entscheiden müssen. Der DSSV hatte Ende September empfohlen, Schule und Kindergarten in Lunden und Rapstedt zu schließen. 

Hintergrund: Die Haushaltskrise des DSSV

Der Verband steht finanziell mit dem Rücken zur Wand: leere Kassen, hohe Sanierungskosten, sinkende Kinderzahlen. Eine umfassende Analyse aller Einrichtungen führte zu dem Schluss, sich von beiden Standorten zu trennen. Vor Ort löste das Entsetzen aus – Lunden und Rapstedt sehen sich als unverzichtbare Orte für Kinder und Minderheit.

Die DSSV-Hauptvorsitzende Kerstin Jürgensen und Geschäftsführer Uwe Jessen haben dem „Nordschleswiger“ Einblicke in jene Zahlen und Befunde aus der Strukturanalyse gewährt, die letztlich ausschlaggebend für die Schließungs-Empfehlung waren.

Kurz zu Rapstedt: Schlechte Kinderzahlen mit noch düsterer Prognose

„In Rapstedt gehen uns schlichtweg die Kinder aus“, fasst Kerstin Jürgensen zusammen. Die DSSV-Hauptvorsitzende stützt die Schließungs-Empfehlung auf die Analyse, die seit Jahren sinkende Kinderzahlen zeigt – und Prognosen, die weitere Rückgänge erwarten lassen. Das betreffe sowohl Kindergarten als auch Schule und entspreche laut Jürgensen Entwicklungen, die die Minderheit bereits bei früheren Schließungen beobachtet habe. 

Im Gegensatz dazu zeichnet die Analyse in Lunden ein etwas anderes Bild.

Kurz zu Lunden: Marodes Gebäude und sinkende Kinderzahlen

Lunden zählt – wie Rapstedt – zu den Standorten mit den niedrigsten Kinderzahlen in Schule und Kindergarten. Zwar sei der Kindergarten derzeit solide belegt, was für die Zukunft der Schule entscheidend wäre. Doch die Übergänge von der Kita in die Schule fallen schwach aus, und die demografischen Prognosen zeigen weiter sinkende Jahrgänge. Gleichzeitig steht das marode Schulgebäude vor teuren Sanierungen. 

Was umfasst diese Analyse?

Kerstin Jürgensen ist seit Ende September 2025 Hauptvorsitzende des DSSV.

Vor der Empfehlung zur Schließung hat der Verband mehrere Faktoren geprüft: 

  • den Zustand der Gebäude und den Investitionsbedarf, 

  • die demografische Entwicklung im jeweiligen Einzugsgebiet und ihre Auswirkungen auf die Kindergärten, 

  • die Übergangszahlen von den Minderheiten-Kitas in die Schulen 

  • sowie die aktuellen Kinderzahlen und die daraus resultierenden Kosten pro Kind.

Gebäudeanalyse

Der DSSV hat alle 63 Gebäude an 28 Einrichtungen geprüft und die Mängel nach Dringlichkeit eingestuft. Schäden der Kategorien 4 bis 6 erfordern sofortige Maßnahmen. 

In Rapstedt ergibt sich aus der Analyse ein dringender Sanierungsbedarf für rund 700.000 Kronen. 

In Lunden ist der Zustand deutlich gravierender: Das Hauptgebäude weist erhebliche Mängel auf, und allein die dringendsten Sanierungen belaufen sich auf 3,5 Millionen Kronen. Jessen und Jürgensen halten es angesichts dieser Summe für relevant, auch die weniger dringlichen Investitionen der kommenden Jahre in Betracht zu ziehen. So ergibt die Analyse einen Gesamtbedarf von rund 8 Millionen Kronen.

Entwicklung in den Kindergärten

Rapstedt: Aktuell besuchen sieben Kinder den Kindergarten, die Kleinkindgruppe unter drei Jahren zählt derzeit keine Kinder. Zum Stichtag 1. Januar 2026 waren zum Zeitpunkt der Schließungsempfehlung keine Anmeldungen vorgemerkt. 

Lunden: Lunden zählt insgesamt 17 Kinder im Kindergarten: zehn Kinder im Kita-Alter und sieben Kinder in der Kleinkindgruppe. Auch hier waren zum 1. Januar keine weiteren Anmeldungen vorgemerkt. 

Übergangszahlen

„Eine enge Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Schule ist für uns zentral“, betont Kerstin Jürgensen. Deshalb erhebt der Verband die Übergangszahlen: Wie viele Kinder der örtliche Kindergarten vor dem Sommer verabschiedet – und wie viele von ihnen nach den Ferien an der deutschen Schule eingeschult wurden. Die Kitas seien laut Jürgensen also die entscheidenden Zubringer. Wenn dieser Übergang schwach ausfällt, wirke sich das direkt auf die Schulen aus. Im Durchschnitt liegen die Übergänge der DSSV-Schulen bei rund 80 Prozent.

Rapstedt: In diesem Jahr hat der Kindergarten zwei Kinder in die Schule entlassen: Eins besucht inzwischen die deutsche Schule, das andere wurde in eine dänische Schule eingeschult. 

Lunden: In diesem Jahr wurde eins von vier Kindern in die deutsche Schule eingeschult. Die anderen Kinder sind ins dänische System gewechselt. 

Einschulungszahlen und Kosten pro Kind

Die Kosten pro Schulkind hängen stark von der Größe einer Schule ab: „Im Schnitt kostet uns ein Schulkind 95.000 Kronen pro Jahr“, sagt Uwe Jessen. Kleine Schulen liegen deutlich darüber – und marode Gebäude treiben die Betriebskosten zusätzlich hoch.

Rapstedt: Nach den Einschulungen im September zählt die Schule inklusive der Nachmittagsbetreuung SFO 27 Kinder – acht weniger als im Frühjahr prognostiziert. Ein Schulkind kostet den Verband hier 154.000 Kronen pro Jahr.

Lunden: Die Schule kommt inklusive SFO auf 32 Kinder, drei weniger als erwartet. Laut Analyse liegen die Kosten pro Kind bei 173.000 Kronen.

Und was jetzt?

Ende September sprach der DSSV seine Schließungsempfehlung aus und legte den Standorten die Ergebnisse der Strukturanalyse vor. Nach einer anschließenden Anhörungsphase haben Lunden und Rapstedt jeweils Konzepte für den Weiterbetrieb erarbeitet. Diese wurden am 17. November eingereicht. 

Die Hauptvorstände von DSSV und BDN prüfen die Unterlagen nun bis zum 24. November. Bei einer internen Sitzung stellen die Verantwortlichen ihre Konzepte vor und beantworten Rückfragen. Anschließend entscheiden die Hauptvorstände – frühestens am 25. November. Möglich ist aber auch eine spätere Entscheidung, sollte weiterer Klärungsbedarf bestehen. Für den 1. Dezember ist deshalb vorsorglich eine zusätzliche Sitzung angesetzt. 

„Ziel ist in jedem Fall, dass diese Entscheidung schnell fällt und sich nicht wochenlang hinzieht“, sagt Kerstin Jürgensen.

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