Wirtschaft

Wohn- und Jobmesse in Apenrade: Ohne diese Fähigkeit läuft die Jobsuche nicht

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Der Großteil der Besucherinnen und Besucher kam aus Deutschland.

Unternehmen, die Personal suchen und Menschen, die einen neuen Job finden wollen: Sie bringen die vier Kommunen Sonderburg, Apenrade, Hadersleben und Tondern mit einer gemeinsamen Wohn- und Jobmesse zusammen. Apenrade hat jetzt Bilanz gezogen – und stellt dabei auch fest, dass eine Fähigkeit für Jobsuchende und Auswanderwillige unverzichtbar ist.

Wie funktioniert das mit Schule, Haus und Job? Um diese praktischen Fragen drehte sich viel bei der Wohn- und Jobmesse für Nordschleswig. Im September fand sie zum zweiten Mal statt – dieses Mal war Apenrade Gastgeberin der Messe; die anderen drei Kommunen haben sich dort ebenfalls präsentiert. Jetzt hat Apenrade die Veranstaltung ausgewertet. 

Mehr als 1.000 Gäste haben demnach die Messe besucht: Die meisten von ihnen kamen aus Deutschland oder deutschsprachigen Ländern wie Österreich und der Schweiz. Sie standen insgesamt 131 Ausstellerinnen und Ausstellern gegenüber; nach Angaben der Kommune ein breites Angebot aus allen möglichen Branchen, in denen Jobs angeboten werden. 

Deutsche Minderheit: Sprache nicht an erster Stelle

Auch die deutsche Minderheit war mit einem Stand auf der Wohn- und Jobmesse dabei. 

„Ich habe viele verschiedene Dialekte gehört“, erzählt Kommunikationskonsulentin Sally Flindt-Hansen vom Bund Deutscher Nordschleswiger. Was sie wunderte: „Viele haben fast schon die Umzugskartons gepackt, aber sich noch keine Gedanken über die dänische Sprache gemacht.“

Das dürfte für den einen oder die andere schon auf der Messe problematisch geworden sein. Denn: Die Jobangebote sind grundsätzlich auf Dänisch verfasst – was es schwer macht für all jene, die die Sprache noch nicht beherrschen. 

 

Jobangebote: Darauf muss man vorbereitet sein 

In Apenrade konnte man sich auch über die anderen drei nordschleswigschen Kommunen informieren.

Diesen Punkt hat die Kommune bei ihrer Bewertung zwar unter ‚Verbesserungspotenzial‘ aufgelistet, zusammen mit der Feststellung, dass zu wenig Firmen aus den Bereichen IT, Kunst und Kunsthandwerk vertreten waren. Doch was die Sprache angeht, wird sich nichts ändern – auch wenn der Großteil der Messegäste aus Deutschland kommt. Das machte Helle Malene Kjølsen Olsen deutlich. Sie ist die Hauptverantwortliche der Kommune Apenrade für die Messe.

„Bei vielen Jobs ist es Voraussetzung, dass man Dänisch spricht. Vor Ort kann die Technik helfen, man kann sich die Jobangebote mit dem Smartphone übersetzen lassen“, sagt sie. 

 

Minderheit will schon vor dem Auswandern Tipps geben 

Auch wenn Deutschkenntnisse in manchen Branchen ausdrücklich gewünscht sind – ohne Dänisch geht es nicht.

Sally Flindt-Hansen kann das nachvollziehen. „Wenn man aus einem Service-Gedanken heraus ein Jobangebot auf Deutsch macht, man aber Dänisch braucht, dann schafft man ja eine Illusion“, findet sie. Daher sei ihr auch wichtig, dass die deutsche Minderheit bei diesen Veranstaltungen berücksichtigt werde. „Dann können wir bei den Gesprächen am Stand einfach fragen, wie sich die Leute vorbereiten, ob sie schon angefangen haben, Dänisch zu lernen.“

Dass die Sprache der Schlüssel zur Integration ist, davon ist auch Helle Malene Kjølsen Olsen überzeugt. 

„Es ist dann einfacher, ein Teil der Gesellschaft und auch ein Teil des Arbeitsmarktes zu sein.“ 

Wer nach Dänemark auswandert und einen neuen Job anfangen will, wird in Sachen Sprache lernen von den Kommunen unterstützt. Sie bezahlen innerhalb der ersten fünf Jahre die Sprachkurse. 

Deutschkenntnisse? Gerne!

„Es ist dann einfacher, ein Teil der Gesellschaft und auch ein Teil des Arbeitsmarktes zu sein.“

Helle Malene Kjølsen Olsen

„Zudem gibt es auch Bereiche, in denen wiederum Deutschkenntnisse ausdrücklich gewünscht beziehungsweise gefordert werden“, sagt Helle Malene Kjølsen Olsen. „Der Transport ist eine unserer größten Branchen in Apenrade. Dänemark exportiert viel nach Deutschland. Da ist es wichtig, die Sprache und die Kultur zu verstehen.“ Das mache den Handel miteinander viel einfacher. Die Transportbranche sei auf der Wohn- und Jobmesse auch dabei gewesen, so Kjølsen Olsen.

Im kommenden Jahr ist die Kommune Tondern (Tønder) Gastgeberin der Wohn- und Jobmesse; im Jahr darauf Hadersleben (Haderslev). 

Wer von Deutschland nach Dänemark auswandern will und/oder einen neuen Job sucht, bekommt zum Beispiel beim Regionskontor in Pattburg (Padborg) kostenlose Informationen und Tipps rund um den beruflichen und privaten Neustart.