Gesundheit

Wie Mads Mikkel Tørsleff mit dem Gravensteiner Apfel seine Birkenpollenallergie besiegte

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Mads Mikkel Tørsleff: als Kind Allergiker, heute begeisterter Apfelfreund

Etwa 500.000 Menschen: So viele leiden in Dänemark dem Forum „Astma&Allergi“ zufolge an einer Allergie gegen Birkenpollen. Mads Mikkel Tørsleff ist einer von ihnen. Auch Birnen, Karotten und Äpfel konnte er nicht essen. Wie er mit alten Apfelsorten seine Allergien bekämpft hat und warum sich dafür unter anderem der Gravensteiner Apfel besonders gut eignet.

Triefende Nase, Husten, Asthma – so ging es Mads Mikkel Tørsleff jedes Jahr im Frühling, wenn die Birkenpollen flogen. Aß er Äpfel, bekam er Juckreiz im Hals und hatte Schwierigkeiten zu atmen. Vor allem aber die Pollenallergie machte dem damals zehnjährigen Jungen zu schaffen.

„Der Frühling ist ja eigentlich eine schöne Jahreszeit. Das hat mich schon traurig gemacht, dass ich das gar nicht genießen konnte“, erzählt Mads Mikkel Tørsleff. Hinzu kam: Er war müde, hatte keine Energie. Typische Nebenwirkungen der Tabletten, die der Junge gegen die Birkenpollenallergie nehmen musste. Heute ist er sicher: „Das hat sich auch auf die Abi-Prüfung negativ ausgewirkt“.

Beruflich mit dem Apfelessen angefangen

Dass alte Apfelsorten bei einer Birkenpollenallergie und auch bei einer Apfelallergie helfen können – darauf kam der studierte Historiker per Zufall. „Das ist ja nichts, was einem die Ärzte hier in Dänemark sagen.“

Als das heutige Zoll- und Grenzmuseum in Pattburg (Padborg) noch Landwirtschaftsmuseum war, wollte Mads Mikke Tørsleff als Museumsinspekteur dort einen Apfelgarten anlegen: ausschließlich mit alten, in Vergessenheit geratenen Sorten, die er sich in Nordschleswigs Gärten zusammensuchte.

Damals war der Allergiker 35 Jahre alt. Um die teils in Vergessenheit geratenen Apfelsorten sicher zu bestimmen, musste er sie allerdings auch probieren.

„Meine Tabletten und ein Nasenspray hatte ich dabei.“ Doch Mads Mikkel Tørsleff tastete sich langsam und in kleinen Mengen ran an die bislang verbotene Frucht. Probierte erstmals nach fast 25 Jahren wieder ein Stückchen Apfel und es passierte: nichts. Nach einiger Zeit konnte er die alten Sorten wie den Gravensteiner oder den Holsteiner Cox wieder essen. Ohne Juckreiz im Hals, ohne Atembeschwerden.

Nach 25 Jahren konnte Mads Mikkel Tørsleff also endlich wieder in einen Apfel beißen. „Weißt Du, was das für ein Gefühl ist, wenn Du wieder einen Apfel essen kannst, ohne Angst vor einer allergischen Reaktion haben zu müssen? Das ist etwas ganz Besonderes!“

Doch das war nicht der einzige Effekt seiner „Apfeltherapie“ mit den alten Sorten, wie Mads Mikkel Tørsleff sagt.

Die alte dänische Apfelsorte „Filippa“: sie färbt sich nach dem Aufschneiden schnell Braun, weil ihr hoher Gehalt an Polyphenolen mit dem Sauerstoff in der Luft reagiert. Äpfel mit einem hohen Polyphenolgehalt, so sagen Experten, können in der Regel auch Allergiker essen.

Das war eine große Freude!

Mads Mikkel Tørsleff

„Auch die Birkenpollenallergie bin ich damit losgeworden.“ Heute braucht er keine Tabletten mehr, die ihn müde und antriebslos machen. „Das hat mein Leben wirklich verändert.“

Von Gravenstein nach Berlin: Charité belegt Wirkung

Dass sich beispielsweise eine Allergie gegen Birkenpollen und Äpfel bessern kann, wenn man alte Sorten ißt, hat unter anderem die Berliner Charité in ihrer „Applecare-Studie“ nachgewiesen. Allergikerinnen und Allergiker reagieren häufig auf beides – Äpfel und Birken – weil die Struktur der Allergene ähnlich sind. Das Immunsystem kann bei sogenannten Kreuzallergien nicht unterscheiden und reagiert auf beides.

Vereinfacht gesagt aßen die Teilnehmenden für die Charité-Studie über einen längeren Zeitraum Äpfel: zuerst in kleinen Mengen und mit niedrigem Allergiepotenzial, wie es bei alten Sorten der Fall ist. Im Verlauf der Studie wurden Mengen und Allergiepotenzial erhöht.

Ergebnis der Untersuchung: Am Ende konnten mehr als 85 Prozent der Teilnehmenden einen ganzen Golden Delicious essen – den Apfel mit dem höchsten Allergiepotenzial. Gleichzeitig hatten diese Teilnehmenden auch ihre Birkenpollenallergie weitgehend überwunden.

Der Herbst: Eine gute Zeit, mit dem Desensibilisieren anzufangen

Die Tatsache, dass die alten Apfelsorten wie der Gravensteiner besser verträglich sind, liegt an den sogenannten Polyphenolen, sagen Expertinnen und Experten: Diese Stoffe zählen zu den sogenannten sekundären Pflanzenstoffen. Ihnen werden unter anderem entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben.

„Bei den neuen Apfelsorten hat man das raus gezüchtet. Die sollen vor allem süß, rot und lange haltbar sein“, sagt Mads Mikkel Tørsleff. Polyphenole reagieren mit dem Sauerstoff in der Luft: schneidet man einen Apfel auf, verfärbt er sich schnell braun. „Das will man bei einem Tafelapfel nicht.“ So können aber Allergiker schnell erkennen, ob der Apfel ein hohes oder niedriges Allergiepotenzial hat.

Der Apfelgarten des Zoll- und Grenzmuseums: Hier wachsen viele alte, nordschleswigsche Apfelsorten.

Jetzt, im Herbst, sei eine gute Zeit, mit der Desensibilisierung anzufangen, ist Mads Mikkel Tørsleff überzeugt. „Der Gravensteiner eignet sich für den Einstieg. Wenn man dann weitermacht mit dem Holsteiner Cox und dem Schöner aus Boskoop, hat man bis Weihnachten Äpfel.“

Eine Therapieempfehlung ist das aber nicht – es ergibt Sinn, sich vorher ärztlichen Rat zu holen.

Für Mads Mikkel Tørsleff ist es „eine große Freude“, dass er heute neben Äpfeln auch wieder vieles andere essen kann, was er früher nicht vertragen hat. Darüber ist er so froh, dass er sein Wissen mit anderen teilen und demnächst Vorträge über das Apfelthema halten will.

Mads Mikkel Tørsleff ist seine Apfel- und Birkenpollenallergie unter anderem mit dem Gravensteiner losgeworden.