Kultur

Theater Møllen: Die „treibende Kraft“ geht nach vierzig Jahren

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Viele Menschen waren gekommen, um Connie Tronbjerg zu verabschieden. Ein kompletter Abschied von der Bühne soll es aber nicht sein.

Die Schauspielerin Connie Tronbjerg blickt auf vier Jahrzehnte Theaterarbeit am Haderslebener Theater Møllen zurück. Nun beendet sie dort ihre Festanstellung. Warum sie blieb und weshalb sie nun einen Schlussstrich zieht.

Connie Tronbjerg ist eine Institution, eine „treibende Kraft“, wie Simon Faber, Vorstandsvorsitzender des Theaters, kürzlich im Rahmen einer Abschiedsfeier sagte. 40 Jahre lang war Connie Tronbjerg am Theater Møllen fest angestellt. Nun beendet sie diese Festanstellung – ein endgültiger Abschied von der Bühne soll es aber nicht sein.

„40 Jahre, das bedeutet so kolossal viel“, resümierte die ehemalige Regisseurin Gitte Kahl auf der Abschiedsfeier. Wie viele Rollen mögen es gewesen sein? Connie Tronbjerg braucht Bedenkzeit. Gut, dass ein paar Minuten vor dem offiziellen Beginn schon viele Freundinnen und Freunde da sind. Connie Tronbjerg gibt die Frage des „Nordschleswigers“ gleich an ihre Gäste weiter. „Da kannst du sehen, wie schwer das ist“, sagt sie und lacht. Gemeinsam kommt sie mit ihren Gästen, die Geschenke vorbeibringen, auf eine ungefähre Zahl: 100 bis 120, vielleicht auch mehr.

Eine Favoritenrolle kann sie dabei nicht ausmachen. „Immer, wenn man ein neues Stück auf die Bühne bringt, will man es so gut wie nur möglich machen. Da kann man nichts hervorheben. Es ist immer die Rolle, die ich gerade habe“, sagt sie.

Veränderungen? Ja, die gab es. Eine große geschah für sie vor zwölf Jahren, als mit Nikolaj Mineka die Zeit des Theater-Kollektivs endete. „Du hast mich angestellt und mir oft die Meinung gesagt“, ließ der Theaterchef die Gäste wissen – und auch, dass eine tiefe Freundschaft in den Jahren entstanden sei. „Møllen ist mit dir mehr als Theater, es ist so etwas wie Ehe, Familie, Kinder“, sagte der Theaterchef.

Theaterchef Nikolaj Mineka bittet um Ruhe für die festlichen Worte.

Was war es, das die Schauspielerin Connie Tronbjerg 40 Jahre lang an diesen Ort band? Es waren ihren Worten nach die Menschen, mit denen sie zusammengearbeitet hat, und die Art und Weise, wie in Hadersleben Theater gemacht wird. „Es gibt hier ein großes Bewusstsein für den direkten Kontakt zu den Zuschauerinnen und Zuschauern. Auch diese Art und Weise zu erzählen hat mich angezogen. Da habe ich mir gedacht, es zahlt sich aus, von Kopenhagen hierhin zu gehen.“

Was Connie Tronbjerg nicht vermissen wird

Froh, einen Schlussstrich zu ziehen, ist sie aber auch, daraus macht sie keinen Hehl. „Was ich nicht vermissen werde, sind die Tourneen, die langen Fahrten, all diese Stunden, wenn man durchs Land fährt. Ich habe alle Städte in Dänemark gesehen. Das ist einerseits spannend, andererseits auch kräftezehrend.“

„Schauspielerinnen und Schauspieler arbeiten zumeist dann, wenn andere frei haben. Auf ihre besonderen Arbeitszeiten blickt sie ambivalent: Man kann es ja auch als Freiheit sehen. Es gibt Zeiten, in denen wir sehr viel arbeiten, und andere, in denen es weniger ist. Aber die Familie zahlt auch einen hohen Preis“, sagt sie und denkt an verpasste Geburtstage und Familienfeste.

In Kopenhagen war das deutsch-dänische Grenzland fern. „Als ich kam, wusste ich nichts über die Minderheiten im Grenzland“, erinnert sich Connie Tronbjerg. Das hat sich in den 40 Jahren geändert. „Nun kenne ich alles“, sagt sie. Unter anderem hat sie gerade ein großes Projekt für deutsche und dänische junge Menschen abgeschlossen. Der Kontakt zu den deutschen Schulen entstand über die Jahre durch deutsch-dänische Festivals.

Ihren Einsatz für das Kinder- und Jugendtheater lobte auch Simon Faber, der unterstrich, dass Connie Tronbjerg es immer wichtig war, auf Augenhöhe mit den Kindern zu arbeiten.