Gesellschaft

Sprachenpaket soll Studierende für „neue europäische Wirklichkeit“ rüsten

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Studierende
Immer weniger Studierende in Dänemark entscheiden sich für ein Sprachenstudium in Deutsch oder Französisch. Nun soll ein Sprachenpaket der Regierung den Spracherwerb fördern (Symbolbild).

Mit 68 Millionen Kronen sollen Menschen in Ausbildung bessere Möglichkeiten haben, wichtige europäische Sprachen wie Deutsch, Italienisch, Französisch oder Spanisch zu lernen. Damit soll auch den seit Jahren sinkenden Einschreibungen in Sprachstudiengänge an den Universitäten entgegengewirkt werden. Doch es gibt auch Kritik.

Das Unterrichts- und Forschungsministerium stellt bereits für das kommende Jahr 68 Millionen Kronen für Initiativen zur Verfügung, die die Sprachkompetenzen junger Menschen fördern und sie „für die europäische Zusammenarbeit in einer neuen werte- und sicherheitspolitischen Weltordnung rüstet“.

Die etwas sperrige Formulierung in der Pressemitteilung bedeutet, dass die dänische Politik erkannt hat, dass in einer sich verändernden Welt Europa eine größere Bedeutung für Dänemarks internationale Zusammenarbeit bekommen hat – und damit auch Sprachkompetenzen der Bürgerinnen und Bürger wichtiger werden.

Das Sprachpaket in Kürze:

Rückgang der Studierendenzahlen in Deutsch- und Französisch-Fächern

Sie will aber auch eine Trendumkehr erreichen. Das Problem: In diesem Jahr haben sich im Vergleich zum Vorjahr 8 Prozent weniger für die Studiengänge in den Fächern Deutsch und Französisch gemeldet. Im Vergleich zu 2011 beträgt der Rückgang sogar ganze 60 Prozent. „Erneut Rückgang bei den Studiengängen in Deutsch und Französisch“ ist seit Jahren eine sich wiederholende Nachricht, wenn das Bildungsministerium Ende Juli die Zahlen für Neuzugänge an den Hochschulen und Universitäten veröffentlicht.

Daher soll der Spracherwerb der großen Sprachen Europas, also Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch, gezielte Förderung erhalten. Mit dem Geld sollen Sprachstudierende in der Lehrkräfteausbildung und an den Universitäten ihre praktischen Sprachkenntnisse besser trainieren können, um die Sprache in ihrem späteren Berufsleben besser anwenden zu können. 

Gleichzeitig soll auch mehr Auszubildenden nichtsprachlicher Ausbildungen durch die Gelder ein zusätzlicher Spracherwerb ermöglicht werden. Das kann beispielsweise eine Medizinstudentin sein, die nach Spanien reisen möchte, um sich dort weiterzubilden, ein Jurastudent, der Französisch lernen möchte, um für die EU zu arbeiten, oder Ingenieurstudierende, die von Deutschkenntnissen und kulturellem Verständnis profitieren können.

Das Initiativpaket für die Fremdsprachen soll die Qualität des Deutsch- und Französischunterrichts anheben, zu einer geringeren Abbrecherquote führen und insgesamt für Bewerberinnen und Bewerber sowie Arbeitgebende attraktiver werden. 

Sprachlich qualifizierte Fachkräfte seien eine Voraussetzung dafür, dass auch in Zukunft Lehrerinnen und Lehrer in Grundschulen und Gymnasien Fremdsprachen unterrichten können oder es starke sprachwissenschaftliche Forschungsumgebungen und Mitarbeitende in der Wirtschaft gibt, die sich auch in anderen Sprachen als Englisch verständigen können, heißt es in der Pressemitteilung. 

68 Millionen Kronen sind „heiße Luft“

Der Rückgang der deutschen Sprache ist auch in Nordschleswig seit Jahren zu spüren. Zuletzt äußerte sich die Deutschlehrerin Dorthe Schmittroth Madsen kritisch im „Nordschleswiger“. Sie sieht den Deutschunterricht in Dänemark auf dem Abstieg und macht die Politik dafür verantwortlich. Die Zahlen sprechen für sich: In diesem Jahr wurden an den Universitäten Aarhus, Kopenhagen und Odense zusammen nur rund 55 neue Studierende für Deutsch zugelassen. 

Sie habe es satt, dass immer nur von der Wichtigkeit des Deutschen zu hören sei, aber niemand etwas tue. Schmittroth Madsen studierte Germanistik in Kopenhagen und unterrichtete auch an der Haderslev Katedralskole und am Tønder Gymnasium. Der Kern des Problems liegt ihrer Meinung nach in der Volksschule (folkeskole), wo Deutsch mittlerweile erst ab der 6. Klasse unterrichtet wird. „Man müsste Fremdsprachen wie das Fach Deutsch viel früher einführen – am besten ab der 2. oder 3. Klasse“, sagt sie. Die 68 Millionen nennt Schmittroth in diesem Zusammenhang „heiße Luft“. Niemand wolle an die Wurzeln ran.

Kommunen mit Initiativen in Nordschleswig 

In Apenrade (Aabenraa) hat sich der Stadtrat im März 2025 erneut dafür entschieden, Deutsch bereits ab der 3. Klasse zu unterrichten. In der Kommune ist dies seit 2015 gang und gäbe. Gefragt sind Deutschsprechende besonders von der Wirtschaft, für die Deutschland einer der größten Handelspartner ist. Doch die Beliebtheit von Deutsch leidet – auch am Gymnasium in Apenrade. „Nicht sexy genug“, formulierte es damals die Stadtratspolitikerin Kirsten Nørgård Christensen (Venstre).

Auch in Tondern (Tønder) und Sonderburg (Sønderborg) wird früh Deutsch gelehrt. In Hadersleben (Haderslev) wird noch gezögert. Der alte und neue Stadtratspolitiker Carsten Leth Schmidt von der Schleswigschen Partei wünscht sich ebenfalls einen früheren Deutschunterricht. Als das Initiativpaket der Regierung im August durchsickerte, sagte er dem „Nordschleswiger“, die 68 Millionen Kronen für die Sprachförderung seien gut, würden aber zu spät kommen. „Sprachförderung muss früher anfangen – und zwar in der Grundschule“, lauteten seine Worte.

Sprachen wichtig für Wirtschaft und Kultur

Die Unterrichtsministerin Christina Egelund (Moderate) sieht in der Finanzspritze eine Pflege der europäischen Zusammenarbeit. „Mehr denn je müssen wir in der Lage sein, miteinander zu sprechen, einander zu verstehen und über Sprachen, Kulturen und Grenzen hinweg miteinander zu handeln.“ Mit dem Sprachenpaket wolle die Regierung mit der Vorstellung brechen, dass Sprache nur mit Grammatik zu tun habe und in die Klassenzimmer gehöre. „Sprachen haben mit Menschen, Gesellschaften und Kultur zu tun – und sind wichtig für die Wirtschaft, den internationalen Handel und die Diplomatie.“