Selbstversuch

Sommertour: Mini-Urlaub auf dem Gendarmenpfad bei Siegfried Lenz

Veröffentlicht Geändert
Der Gendarmenpfad ist ein beliebter Küstenwanderweg. Unsere Reporterin Simone Mischke will wissen, warum das so ist.

Die Lokalredaktion Sonderburg geht auf Sommertour zwischen Alsen und Rinkenis, probiert verschiedene Aktivitäten aus und gibt Tipps. Unsere Reporterin Simone Mischke wandert auf dem Gendarmenpfad: Warum das ein Mini-Urlaub mit internationalem Flair ist und was der große Schriftsteller Siegfried Lenz damit zu tun hat.

Ein kleines Fläschchen Sonnenmilch, eine Trinkflasche, eine Kappe: Das sind die wichtigsten Utensilien, die ich in meinen kleinen, grünen Rucksack packe. Und eine ordentliche Portion Neugierde auf das, was – oder wer – mich auf dem Gendarmenpfad (Gendarmstien) erwartet. Dieser etwa 84 Kilometer lange Wanderweg gilt als einer der schönsten Dänemarks. Wohl nicht zuletzt, weil man nahezu die komplette Strecke zwischen Pattburg (Padborg) und Schauby (Skovby) auf der Insel Alsen den Blick auf die malerische Küste genießen darf.

Vom Suchen und Finden damals und heute

Startpunkt meines Ausflugs ist die alte Windmühle „Vibæk Mølle“. Dort gibt es auch ausreichend Parkplätze und saubere Toiletten.

Den Namen hat der Küstenwanderweg aus der Zeit, als ab dem Jahr 1839 Gendarmen Patrouille liefen, um entlang der damaligen deutsch-dänischen Grenze Schmuggler zu erwischen. Heute zieht die Strecke Einheimische ebenso in den Bann wie Menschen aus dem Ausland, wie ich auf meiner Tour noch erfahren werde. Doch was ist das eigentlich, was diese Menschen heutzutage auf dem Gendarmenpfad suchen und offenbar finden?

Ich laufe los. Der Boden knirscht leise unter meinen Wanderstiefeln. Allein der Weg vom Parkplatz runter zum Wasser ist ein kleines Highlight: Zu meiner Linken strahlt ein gold-gelbes Kornfeld mit der Sonne um die Wette, geradeaus glitzert das Wasser, die Wolken spiegeln sich auf der fast glatten Oberfläche. Ganz und gar zauberhaft – während ich das denke, ruft meine Kollegin hinter mir: „Ist das schön!“ Sie begleitet mich ein Stück, um diese pittoreske Landschaft mit ihrer Kamera festzuhalten.

Der Wanderweg ist gut ausgeschildert. Neben den typisch blauen Männchen finden sich Hinweistafeln mit Informationen, wo es etwa Toiletten oder eine Busanbindung gibt.
Die Höhenunterschiede auf dem Gendarmenpfad sind nicht besonders groß. Zwischendurch geht es immer mal ein paar Treppen rauf oder runter.

Besuch aus Hessen

Kaum am Wasser angekommen, treffe ich auf ein Paar mit größeren Rucksäcken auf den Rücken. Katharina und Dennis Krug kommen aus der Nähe von Fulda in Hessen. Im Fernsehen haben sie einen Beitrag über den Gendarmenpfad gesehen.

„Mein Mann kam irgendwann nach Hause und sagte, ich habe die Unterkünfte gebucht, wir können los!“, erzählt Katharina Krug schmunzelnd. Die insgesamt fünf Etappen des Gendarmenpfads sind sie in vier Tagen gelaufen. „Der Weg ist super ausgeschildert. Es gibt ganz viele öffentliche Toiletten, Trinkwasserstellen oder auch mal einen kleinen Kiosk“, erzählen die beiden begeistert. Verlaufen haben sie sich nicht ein einziges Mal, sagt Dennis. Der Weg gepflegt, die Menschen hilfsbereit – die beiden sind zu echten Fans des Gendarmenpfads geworden.

Unsere Wege trennen sich. Ich laufe erst mal Richtung Höruphaff (Høruphav) weiter. Denn: Ich will ein bisschen den Spuren des großartigen Schriftstellers Siegfried Lenz nachfühlen. Er besaß ein Haus in Lebøl Løkke unweit der Vibæk-Mühle. Dort entstand auch sein berühmter Roman „Deutschstunde“, der mit Ulrich Noethen und Tobias Moretti in den Hauptrollen verfilmt wurde. Nur 200 Meter trennten den Schriftsteller von seinem Haus und einem kleinen Strand. Dort steht bis heute sein früheres Badehäuschen. Einfach, unscheinbar, malerisch eingerahmt von Schilf und Bäumen.

Katharina und Dennis Krug laufen gerade ihre letzte Etappe: in Schauby endet ihr Weg auf dem Gendarmenpfad.

Die Temperaturen waren top, die Landschaft ist absolut abwechslungsreich, von Waldstücken über Flurwege bis hin zu dieser wunderschönen Küste. Ein ganz toller Weg!

Dennis Krug

Ich setze mich auf das Bänkchen vor dem Badehaus. Halte einen Moment inne. Lausche dem Vogelgezwitscher und dem Schwappen der kleinen Wellen ans Ufer. Atme ein. Atme aus. Vielen Dank, Siegfried Lenz. Allein hier ein paar Augenblicke sitzen, den Alltag ausblenden, das ist für mich wie ein Mini-Urlaub.

Noch einmal die Aussicht genießen, bevor es in Schauby ins Auto und zurück nach Hessen geht.

Drei Nationen auf dem Gendarmenpfad

Nach der Arbeit ging Siegfried Lenz gerne zu seinem Badehäuschen, genoss den Blick auf das Wasser oder fuhr mit seinem kleinen Boot raus.
Genau hier saß Siegfried Lenz früher. Jeder, der möchte, darf hier Platz nehmen und dem Geist des großen Schriftstellers nachspüren. Oder einfach die Aussicht genießen.

Meine Kollegin hat sich inzwischen verabschiedet. Ich laufe allein weiter. Es ist Hochsaison, 22 Grad, eine leichte Brise weht mir durchs Haar. Perfekt zum Wandern. Trotzdem sind nicht viele Menschen unterwegs. Doch als ich an einem Kornfeld entlanglaufe, höre ich hinter mir Stimmen. Niederländer! Die beiden sind bestens gelaunt, verbinden das Wandern mit Geocaching, eine Art Schnitzeljagd, aber mit GPS.

Einatmen, ausatmen, schauen: Mehr brauche ich nicht für eine Mini-Auszeit.

Mini und ihr Mann Klaas haben schon verschiedene Abschnitte des Gendarmenpfads bewandert. So schön sei die Gegend hier, schwärmen beide. Vor allem aber genießen sie die Ruhe und die Natur. „Und dass die Dänen so entspannt sind!“

Dass die Däninnen und Dänen so entspannt sind, liegt ja vielleicht daran, dass sie selbst auch auf dem Gendarmenpfad wandeln. An einer hügeligen Kuhweide treffe ich auf Hilda und Henning. Die beiden wohnen in Mommark, sind mit ihren Rädern zur Mühle gefahren und wandern jetzt noch einen kurzen Rundweg. Auch diese beiden schätzen die „wunderbare Ruhe und die Natur“. Obwohl sie das ja quasi vor der Haustür haben, nutzen und genießen sie es. Wie kann man da nicht entspannt sein?

Mini und Klaas de Wit sind schon zum dritten Mal auf dem Gendarmenpfad unterwegs.

Bevor ich langsam wieder zurück zur Mühle wandere, streichele ich die Kühe, die neugierig an den Zaun kommen. Schnuppern, schnauben, weitergrasen. Nachdem Henning und Hilda weitergegangen sind, ist der Pfad wieder menschenleer. Es wundert mich nicht, dass die Menschen in diesen unruhigen Zeiten einfach nur Ruhe suchen. Und sie hier auch finden.

Goldenes Korn, soweit das Auge reicht: wenn man hier nicht abschalten kann, wo dann?
Kornfelder und Kühe auf der einen, Wasser und Kanufahrer auf der anderen Seite – die Natur auf dem Gendarmenpfad ist eine Freude für das Auge und die Seele.
Fortbewegungs-Alternative – falls man so gar keine Lust auf Wandern hat.
  • Der Gendarmenpfad ist als Europäischer Qualitätswanderweg zertifiziert. Das heißt unter anderem: Er erfüllt besondere Anforderungen an die Sauberkeit und ist gut ausgeschildert.

  • Die Strecke ist in insgesamt fünf Etappen eingeteilt. Ich war auf der Strecke zwischen Höruphaff und Schauby unterwegs, die insgesamt etwa 10 Kilometer lang und damit die kürzeste Tour ist. Die anderen vier Etappen sind zwischen 15 und 20 Kilometer lang.

  • Es gibt, neben den typischen blauen Männchen, zahlreiche Hinweistafeln unter anderem mit Infos zu Toiletten, öffentlichem Nahverkehr, Restaurants oder Sehenswürdigkeiten.

  • Entlang der Strecke gibt es zahlreiche Möglichkeiten, kostenlos etwa in Sheltern (Unterstände) zu übernachten. Die können, müssen aber nicht im Voraus gebucht werden.

  • Weitere Informationen, auch zu Buchungen, gibt es etwa hier.
Erholung in wunderbarer Natur, und das vor der eigenen Haustür: Besser geht es kaum.
Hier sind auch die Kühe entspannt.
Der Küstenwanderweg verläuft auf einer Strecke von etwa 84 Kilometern von der Nähe von Pattburg bis nach Schauby.

Mein Fazit: Ich bin zwar nicht weit gelaufen. Das muss man aber auch gar nicht für eine kleine Auszeit vom Alltag. Ein Mini-Urlaub auf dem Gendarmenpfad? Jederzeit wieder. Das würde Siegfried Lenz sicher freuen. Und bei rund 84 Kilometern Wanderweg kann man richtig viele Mini-Urlaube machen.

Simone Mischke