Selbstversuch

Sommertour in Gravenstein: Dufterlebnis zwischen den Beeten der Königin

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Erdbeeren aus dem königlichen Fruchtbeet: Sie landen auf den Tellern der königlichen Familie oder werden zu royaler Marmelade verarbeitet.

Die Lokalredaktion Sonderburg geht auf Sommertour zwischen Alsen und Rinkenis, probiert verschiedene Aktivitäten aus und gibt zahlreiche Tipps rund um die Erlebnisse. Heute: ein Dufterlebnis im Obst- und Kräuterparadies neben dem Gravensteiner Schloss und eine Begegnung mit der Königlichen Leibgarde.

Fünf Jahre ist es her, dass Königin Margrethe den Königlichen Küchengarten neben dem Gravensteiner Schloss eröffnet hat. Aber was hat der Garten zu bieten? Ich fahre an diesem Freitagnachmittag nach Gravenstein und probiere es aus.

Bei der Eröffnung war ich 2020 live dabei, und wie vor fünf Jahren auch macht Königin Margrethe gerade Urlaub in ihrer Sommerresidenz. Der Garten rund um das Schloss ist deshalb zwar gesperrt, aber der Königliche Küchengarten ist offen und kostenlos zugänglich.

Der Parkplatz an der Slotsgade hat rund 50 Parkbuchten, und einige davon sind frei. Platz genug für mein kleines Auto.

Der Spaziergang zum Schloss endet mit einer schönen Überraschung: Die königliche Leibgarde stellt sich zum Wachwechsel vor dem Eingangsportal auf und marschiert an mir vorbei und die Slotsgade hinab. Als hätte ich es als sorgfältig vorbereitete Journalistin geplant. Habe ich aber nicht. Ein Dutzend Schaulustige wohnt dem Wachwechsel bei. Ein ganz normaler Sommertag in Gravenstein: die Königin im Schloss, die Leibgarde marschiert.

Der Parkplatz an der Slotsgade, direkt daneben ist eine öffentliche Toilette.

Der Wachwechsel findet normalerweise täglich um 12 Uhr auf dem Platz vor dem Wachgebäude statt, wenn sich Mitglieder des Königshauses in Gravenstein aufhalten. Der Marsch beginnt um 11.43 Uhr am Schloss.

Weil es Freitag ist, erlebe ich die sogenannte Freitagsparade mit Beteiligung des Musikkorps der Königlichen Leibgarde. An diesem Tag erfolgt der Wachwechsel im Schlosshof, wo das Musikkorps vor dem Mitteltrakt ein kleines Konzert spielt, dem Bürgerliche und Königliche gleichermaßen lauschen können.

Halten sich Mitglieder der königlichen Familie im Schloss Gravenstein auf, steht die Leibgarde Wache. In Begleitung von zwei Tambouren marschiert die Garde ab 11.43 Uhr durch Gravenstein. Während des Aufenthalts des Königspaars gibt es freitags im Anschluss an die Wachablösung ein öffentliches Konzert im Schlosshof.

Ab dem 28. Juli wird übrigens auch König Frederik mit seiner Familie im Schloss wohnen. Während der Besuch des Königs ein offizielles Ereignis ist, ist die Anwesenheit Königin Margrethes ein offenes Geheimnis. Eines, das die auf dem Schloss wehende royale Dannebrog-Flagge bestätigt.

Aber nun, weiter geht’s zum Küchengarten. Die Beete, Obstspaliere und Hochbeete haben sich in den vergangenen Jahren verändert und folgen dem Lauf der Saison. In der Erde sprießen Salate und Bohnenpflanzen, an den Spalieren ranken Brombeeren und Himbeeren.

Auf dem Weg zum Küchengarten grüßt die Stadt Gravenstein mit einem alten Slogan „Det er konge“. Der Spruch aus den 1990er-Jahren fällt, wenn etwas besonders klasse ist. Die königliche Sommerresidenz Gravenstein hat den Ausdruck verdient: Gravenstein ist der Hammer.
Hier geht es rein: Der Eintritt zum Küchengarten ist kostenlos.

Kniehoch wachsen die Blaubeeren an den Sträuchern, und ich kann es nicht lassen, einiges davon zu probieren. Köstlich, so gute Beeren gibt es im Supermarkt nicht.

Besucherinnen und Besucher schlendern entlang der Beete. Im Schatten eines Baumes ruht sich eine Familie aus, im Gewächshaus weht der Duft nach Zitronen und Feigen durch den warmen Wind.

Die Blaubeeren der Königin: Täglich kommen Angestellte der Schlossküche in den Garten und ernten die guten Früchte.
Informationen im Eingangsbereich: Die Geschichte des Königlichen Küchengartens erzählt auch von der besonderen Bindung, die das Königshaus mit Nordschleswig hat.

Das sinnliche Erlebnis toppt ein Spaziergang durch die Hochbeete. Ich schnuppere am Zimt-Basilikum und lasse meine Finger durch den Pfirsich-Salbei gleiten. Rieche am französischen Salbei und entdecke ein nach Zitrone duftendes Bohnenkraut und ein nach Curry riechendes Grüngewächs.

Nicht alle Gäste gehen durch den Garten: Unzählige Hummeln und Bienen fliegen den Garten an und nutzen die vielen Blumen, die zwischen den Nutzbeeten wachsen.

Die Lebensmittel landen also auf dem Teller von Königin Margrethe

Der Gewürzfenchel im Königlichen Küchengarten begegnet den Gästen auf Augen- und Nasenhöhe.
Viele verschiedene Arten Salbei und andere Kräuterpflanzen warten darauf, beschnuppert zu werden.

Der Geruch macht Appetit. Ich sehe mich im Garten-Café um. Ob die Blaubeeren wohl auf einem Kuchen und die Erdbeeren in einem Milchshake landen? Café-Mitarbeiterin Berit Dethlefsen klärt mich auf. „Nein. Die Früchte und das Gemüse stehen ausschließlich den Königlichen während ihres Aufenthalts zur Verfügung.“

Sie verrät: Frühmorgens kommt das Personal aus dem Schloss zum Ernten in den Garten und holt sich, was es braucht: Blumen, Gemüse, Obst. Die Lebensmittel landen also auf dem Teller von Königin Margrethe, und demnächst essen der König und seine Familie die Produkte aus dem Küchengarten.

Ich frage die Mitarbeiterin, ob Gäste von den Sträuchern naschen dürfen. Die Café-Mitarbeiterin sagt: „Sagen wir mal so: Es ist eigentlich nicht vorgesehen, dass die Gäste von den Früchten essen.“

Berit Dethlefsen bedient die Gäste im Café, wo es unter anderem Kuchen, Getränke und Sandwiches zu kaufen gibt.

Die Blaubeeren in meinem Bauch schwimmen und schweigen. Dass all die Obstspaliere zum Naschen einladen, weiß die Mitarbeiterin aber auch.

Zu veschenken: Ab und an haben Gartengäste Glück

Sie erzählt weiter: Die Schloss-Küche verarbeitet überschüssige Produkte zu Marmeladen oder friert ein. Ab und an haben Gartengäste Glück und es stehen große Körbe mit beispielsweise Zucchini oder Kürbissen zum Mitnehmen bereit. „Manchmal gibt es etwas zum Mitnehmen, aber in der Regel nicht“, sagt Berit Dethlefsen, die in ihrer zweiten Saison vor Ort arbeitet.

Was definitiv erlaubt und erwünscht ist: Kräuter anfassen und daran schnuppern. Und das habe ich ausgiebig getan. Vor lauter Minzgeruch in der Nase muss ich mich konzentrieren, um den Möhrenkuchen zu schmecken. Aber nach drei Gabeln kommt das Gemüse in meinem Kuchen ganz und gar zur Geltung.

Im Gästebuch stehen Grüße vergangener Besuche.
Die Rückreise aus Nordjütland über Südfünen auf dem Weg zurück nach Kopenhagen führte diese Familie in ihrem Campingurlaub nach Nordschleswig. Dianna Simonsen Smith war das erste Mal im Landesteil und sagt: „Alles war neu für mich. Das hier ist wirklich eine Perle, und man erfährt einiges über die Geschichte hier.“ Zusammen mit ihren Töchtern Andrea und Sonja sowie Familienvater Jakob Nørmark besuchte sie den Küchengarten.

Nach anderthalb Stunden im Königlichen Küchengarten schlendere ich noch eine Runde durch die Gravensteiner Innenstadt. Auf dem Rathausplatz stehen wie an allen Freitagen im Juli Flohmarktstände, ansonsten passiert hier nicht viel.

Möhrenkuchen mit Blick in den Garten: So schmeckt Entschleunigung in Nordschleswig.
Besucherin Andrea nutzte die Kinderecke im Küchengarten. Hier können kleine Gäste mit Wasserkannen Weidenbäume gießen, malen oder sich als Königin oder König verkleiden.

Am Seeufer gibt eine Sitzgelegenheit den Blick auf einen Teil der Schlossterrasse am anderen Ufer frei, und ich setze mich einen Augenblick und schaue zum weißen Schloss.

Freitags findet im Juli immer ein Flohmarkt in der Innenstadt von Gravenstein statt.

Neben mir putzt sich eine Kolonie Graugänse, und es riecht nach See, Sonne und Gänsekacke. Ein Geruch, den auch die Königin in ihrem Schloss wahrnehmen wird. Wenn sie nicht gerade vor oder nach den Öffnungszeiten durch ihren königlichen Küchengarten spaziert, an der Minze schnuppert oder von ihren köstlichen Blaubeeren isst.

Der Königliche Küchengarten

Im Königlichen Küchengarten laden viele Sitzgelegenheiten dazu ein, inmitten des Blüten- und Duftmeers Platz zu nehmen. Eine Einladung, der ich gerne folge.