Umwelt

Milliardenprojekt stockt: Bachmann drängt auf zügigen Bau der neuen Kläranlage

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Das gereinigte Abwasser aus den bestehenden Kläranlagen wird bereits jetzt in den Alsensund abgegeben und auch künftig, mit der neuen Kläranlage, in besser gereinigter Form dorthin fließen (Archivbild).

Der Bau der zentralen Kläranlage in Sonderburg verzögert sich erneut – diesmal um zwei Jahre. Hintergrund sind verschärfte Umweltauflagen, die neue Untersuchungen erforderlich machen. Stadträtin Kirsten Bachmann von der SP fordert klare Prioritäten und ein schnelles Handeln.

Die Ankündigung sorgt für Diskussionen: Die neue zentrale Kläranlage, die vier bestehende Anlagen in Sonderburg (Sønderborg), Broacker (Broager), Gravenstein (Gråsten) und Himmark ersetzen soll, wird voraussichtlich erst 2031 in Betrieb gehen – zwei Jahre später als zuletzt geplant.

Dabei war das Projekt bereits 2016 politisch beschlossen worden. Der ursprünglich für 2023 vorgesehene Baustart hat sich nun auf 2026 verschoben.

Hintergrund der Verzögerung: Das kommunale Versorgungsunternehmen Sonfor will sämtliche Umweltgutachten neu aufsetzen. Frühere Untersuchungen reichen nicht mehr aus, um die mittlerweile deutlich strengeren Anforderungen zu erfüllen.

Für Stadträtin Kirsten Bachmann (Schleswigsche Partei) steht fest: Es ist höchste Zeit zu handeln.

Wir hätten schon vor zehn Jahren anfangen sollen.

Kirsten Bachmann

„Im Prinzip ist es ja vernünftig, die neuen Bestimmungen abwarten zu wollen“, sagt sie. „Aber wir hätten schon vor zehn Jahren beginnen sollen. Die erhofften Verbesserungen für die Umwelt werden wir erst Jahre später sehen – darum müssen wir jetzt wirklich vorankommen.“

Was genau wird jetzt untersucht?

Sonfor will in den kommenden 24 Monaten eine völlig neue Umweltverträglichkeitsprüfung durchführen. Statt wie bisher nur acht Schwermetalle im Wasser zu messen, sollen nun 85 umweltschädliche Stoffe – darunter auch Medikamentenrückstände und PFAS – erfasst werden. Und zwar nicht nur im Wasser, sondern auch im Meeresboden sowie in Miesmuscheln – und das über alle vier Jahreszeiten hinweg.

Nur eine Anlage bleibt bestehen

Geplant ist, die vier bestehenden Klärwerke durch ein neues Großklärwerk bei Kær Vestermark nördlich von Sonderburg zu ersetzen. Nur die kleine Anlage in Hummelvig auf Südalsen (Sydals), die auch Abwasser aus Sommerhausgebieten verarbeitet, bleibt bestehen.

Trotz ihrer Zustimmung zur Umweltprüfung mahnt Bachmann zur Maßhaltung. „Natürlich wollen wir kein ungefiltertes Wasser ins Meer leiten“, sagt sie. „Aber die Kläranlage soll nicht nur reinigen, damit wir sagen können: Jetzt ist es fantastisch sauber. Wenn zu viel herausgefiltert wird, steigen die Kosten unnötig – und alles verzögert sich zusätzlich.“

Kirsten Bachmann, Sonderburger Stadtratspolitikerin von der Schleswigschen Partei, fordert zügige Maßnahmen zum Bau der neuen Kläranlage (Archivbild).

Wie teuer wird das Ganze?

Der Bau der neuen Anlage wird derzeit auf 1,3 Milliarden Kronen geschätzt – 900 Millionen für das Grundsystem, 400 Millionen für zusätzliche Reinigungsleistungen. Ob tatsächlich in diesem Umfang gebaut wird, entscheidet sich erst 2027, wenn alle Gutachten vorliegen.

Bachmann gibt zu bedenken, dass am Ende nicht eindeutig nachweisbar sein wird, welche Maßnahme zu einer eventuellen Verbesserung der Wasserqualität beigetragen hat – die neue Kläranlage oder andere Programme wie das „Grøn Trepart“-Projekt, das den Eintrag von Stickstoff ins Meer verringern soll.

SP setzt auf Gewässerschutz

Trotz der Bedenken steht für die Schleswigsche Partei fest: Der Schutz der Meere ist ein zentrales Anliegen.

„Gerade wir in der SP legen großen Wert darauf, unsere umliegenden Gewässer – also auch den Alsensund und die Flensburger Förde – zu schützen. Es dürfen nicht noch mehr Schadstoffe hineingelangen, als es derzeit der Fall ist“, sagt Bachmann. „Aber wir müssen genau hinschauen, wie stark das Wasser wirklich gereinigt werden muss. Wenn 120 Prozent gar nicht nötig sind, darf es auch nicht 120 Prozent kosten.“

Verzögerung: Ein ökologischer und finanzieller Verlust?

In den kommenden zwei Jahren stehen Analysen statt Baggerarbeiten auf dem Plan – und genau das bereitet Bachmann Sorgen. Sie fordert, sich auf das wirklich Notwendige zu konzentrieren und den Bau so zügig wie möglich anzugehen: „Je früher, desto besser für unsere Biosphäre und die Wasserqualität.“