Analyse

Milliardenjet mit Makeln: F-35 zwischen Hightech und Pannen

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Aufgrund von Lieferschwierigkeiten und Verzögerungen greift Dänemarks Luftwaffe zu einer hybriden Strategie, um die Einsatzfähigkeit zu gewährleisten: Neben der F-35 (Foto) werden Teile der F-16-Flotte länger als geplant in Betrieb bleiben. Letztere sind zu diesem Zweck modernisiert worden (Archivbild).

Dänemarks neuer Kampfjet F-35 gilt als Hightech-Wunder. Doch technische Mängel, Kälteempfindlichkeit und logistische Hürden setzen die Luftwaffe unter Druck. Während die Herausforderungen mit dem Jet aus US-Produktion zunehmen, soll eine neue Kooperation mit Deutschland Teil der Problemlösung werden.

Der F-35-Kampfjet des US-Rüstungskonzerns „Lockheed Martin“ gilt als das fortschrittlichste Kampfflugzeug der Welt. Doch der aktuelle Mängelbericht des US-Verteidigungsministeriums offenbart weiterhin gravierende Schwächen.

Tarnkappen mit Makel

Die Fähigkeit der F-35, „unter dem Radar“ fliegen zu können, ist bei Überschallflügen beeinträchtigt. Die Tarnkappenbeschichtung blättert ab, was die Sichtbarkeit auf Radarschirmen erhöht. Für Einsätze des Jagdgeschwaders Fighter Wing Skrydstrup über der Ostsee ist das ein Sicherheitsrisiko. Bereits 2023 hat das Pentagon dieses Manko dokumentiert – Lösungen lassen auf sich warten.

Fehlanzeige bei der Treffsicherheit

Ein weiteres Problem ist die Bordkanone, die bislang kaum ein Ziel getroffen hat. Die Luftwaffe ist daher auf externe Waffencontainer ausgewichen, was wiederum die Tarnkappenwirkung schmälert. Diese Container sind eine teure technische Kompromisslösung von hoch spezialisierten Systemen, die sowohl die Waffe umfassen als auch deren Integration in das Kampfflugzeug.

Vorzeigeflieger taugt noch nicht für Kampfeinsätze

Die TR3-Upgrades für Dänemarks F-35 – entscheidend für moderne Sensoren, Waffenintegration und Kälteresistenz – sind seit Juli 2024 unvollständig und verzögern die volle Einsatzfähigkeit. Aktuell können die seit 2024 ausgelieferten F-35 nur in einer Notfallkonfiguration fliegen. Bis Februar hat der Hersteller 7 Kampfjets mit TR-3-Konfiguration an Dänemark geliefert, die jedoch zunächst nur für Trainingszwecke zugelassen sind. Die volle Einsatzfähigkeit wird frühestens ab 2027 erwartet.

Falsche Ersatzteile: Eigenes Lager in Skrydstrup

Die neueren Modelle der F-16-Flotte bleiben auf Dänemarks einzigem Kampfjetstützpunkt in Skrydstrup bis auf Weiteres im Einsatz (Archivbild).

Laut Pentagon-Bericht ist das Diagnosesystem der F-35 notorisch fehleranfällig: Stündlich löst es Fehlalarme aus – zehnmal häufiger als erlaubt. Hinzu kommen Probleme mit Ersatzteilen. Fast ein Viertel der Lieferungen aus den USA war im Vorjahr fehlerhaft. Dänemark plant deshalb mit eigenen Lagerbeständen in Skrydstrup.

Kälteempfindlich und wartungsintensiv

Auch für arktische Verhältnisse ist die F-35 wenig geeignet: Bei Tests in skandinavischen Klimazonen erhöhte sich die Ausfallrate bei Temperaturen unter -25 °C um 22 Prozent. Generell ist die Einsatzbereitschaft der F-35 im vergangenen Jahr auf 30 Prozent gesunken und liegt damit weit unter dem Zielwert von 65 Prozent, stellt der aktuelle Rapport fest.

Lagerkapazitäten für Milliarden

Zur Absicherung gegen US-Lieferverzögerungen hat Dänemark rund 2,5 Milliarden Kronen in die Lagerinfrastruktur für seine F-35-Flotte investiert. Davon entfallen rund 962 Millionen Kronen auf das globale Reservedepot, 1,1 Milliarden auf die lokale Infrastruktur in Skrydstrup, inklusive Lagercontainer, sowie 450 Millionen Kronen auf Notfallbestände und lokale Produktionskapazitäten.

Abschreckung in Deutschland mit dänischen „Containern“

Die dänische Luftwaffe hat somit ein Problem mit ihrem Partner USA, das in den vergangenen Wochen stetig gewachsen ist.

Doch warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute fliegt so nah?
Seit dem 14. Januar arbeiten Dänemark und Deutschland im Hinblick auf die F-35 eng zusammen. Das Nachbarland bekommt 2026 seine ersten F-35. Beide Länder werden die dänischen „Deployment-Kits“ nutzen. Das ist eine mobile Containerlösung, „made in Denmark“, die den weltweiten Einsatz der F-35 auch außerhalb von Stützpunkten ermöglicht und Lieferprobleme teilweise umgehen kann. Auch gemeinsames Training in Skrydstrup ist Teil der druckfrischen deutsch-dänischen Vereinbarung.

Dänemark möchte weitere F-35 kaufen

Dänemark erwägt angesichts der angespannten geopolitischen Situation, nicht zuletzt im Hinblick auf Grönland, nach Angaben des dänischen Verteidigungsministeriums den Kauf von mindestens zehn weiteren F-35.