Deutsche Minderheit

Kirchensängerin: Zuzüglerin Bianca singt Deutsch und Dänisch

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Die 44-jährige Bianca Koch ist studierte Opernsängerin. Seit ihrem Umzug nach Nordschleswig arbeitet sie für den deutschen Gemeindeteil der Sonderburger Marienkirche und seit diesem Jahr auch für die dänische Gemeinde.

Seit mehreren Jahren ist sie die Stimme der Marienkirche in Sonderburg: die Opernsängerin Bianca Koch. Mit Leidenschaft und viel Engagement gestaltet sie als Kirchensängerin sowohl deutsche als auch dänische Gottesdienste und zeigt dabei, wie Musik und Sprache Brücken bauen – auch für sie selbst.

Da singt aber jemand besonders gut: Wer einen Gottesdienst des deutschen Gemeindeteils in Sonderburg besucht, hört die tragende Stimme von Bianca Koch, die bei Liedern den Ton angibt und ab und zu ein Solo singt.

Die deutsche Opernsängerin ist seit 2021 in Sonderburg zu Hause und gestaltet als Kirchensängerin aktiv das musikalische Leben in der Marienkirche mit. Sowohl im deutschen als auch im dänischen Gemeindeteil der Volkskirche.

„Singen hilft mir, die Sprache noch besser zu lernen“

Als fest angestellte Kirchensängerin der Volkskirche in der Marienkirche singt sie bei Gottesdiensten, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, und das Singen ist für sie ein Weg, Menschen zusammenzubringen, die Sprache ihrer neuen Heimat zu erlernen und in einer neuen Gemeinschaft anzukommen.

„Das Singen hilft mir enorm, die dänische Sprache besser zu lernen. Die Aussprache ist beim Gesang noch einmal ganz anders als beim normalen Sprechen. Man muss genau wissen, wie Silben verteilt sind, welche Töne lang gezogen werden und wie die Betonung liegt“, erklärt sie.

Ursprünglich begann Bianca Koch 2021 in den deutschen Gottesdiensten zu singen. Seit diesem Jahr gehört aber auch der dänische Kirchengesang zu ihrem Repertoire – eine Herausforderung.

Bianca auf der Empore der Marienkirche, wo sie bei Solo-Liedern steht und singt. Während des Gottesdienstes sitzt sie normalerweise in einer der hinteren Kirchenbänke und singt die Lieder mit.

Um sich vorzubereiten, hört sie sich Aufnahmebeispiele der dänischen Volkskirche an und übt täglich Texte und Melodien. Auch wenn es nicht leicht ist, freut sie sich, die Lieder langsam sicherer singen zu können. Die musikalische Begleitung in beiden Sprachen bedeutet für sie eine Brücke zwischen ihren zwei Welten – und eine Hilfe, sich in der neuen Heimat zu Hause zu fühlen.

„Es sind oft mehrere Stunden Vorbereitung nötig“

Die Vorbereitung auf ihre Einsätze ist zeitintensiv und individuell. Sobald die Liedliste einige Tage vor einem Gottesdienst bekannt ist, beginnt Bianca mit dem Textstudium und der musikalischen Umsetzung.

Gerade bei den längeren dänischen Kirchenliedern mit bis zu zehn Strophen legt sie großen Wert darauf, die Bedeutung der Wörter genau zu verstehen, um die richtige Stimmung zu vermitteln. Dabei unterstützt sie sich auch mit Klavierbegleitung und holt sich bei Unklarheiten Hilfe von Muttersprachlern. „Es sind oft mehrere Stunden Vorbereitung nötig – je nachdem, wie vertraut ich mit den Liedern bin“, sagt sie.

Trost spenden bei Beerdigungen

Die Kirchensängerin arbeitet eng mit dem Organisten der Gemeinde zusammen.

Biancas Arbeitsalltag ist vielseitig. Neben der Begleitung klassischer Gottesdienste singt sie bei Taufen, Hochzeiten und vor allem vielen Beerdigungen. Dabei arbeitet sie sowohl solo als auch im gemeinsamen Gesang mit der Gemeinde. „Im Gottesdienst ist es besonders schön, wenn alle mitsingen. Dann spürt man eine Gemeinschaft, die verbindet. Bei Solo-Auftritten dagegen steht man mehr im Fokus und hat natürlich eine andere Anspannung“, schildert sie ihre Erfahrungen.

Die tiefgreifende Wirkung der Musik erlebt sie auch bei Beerdigungen, wenn sie Trost spenden und Menschen begleiten darf. Ob bei „Du, som har tændt millioner af stjerner” auf Dänisch oder „Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt“ auf Deutsch.

Ein besonderer Moment sei es auch, bei Trauerfeiern während des Auszugs aus der Kirche a cappella zu singen. Ein Ritual, das in der dänischen Gemeinde üblich ist und das die Kirchensängerin oft musikalisch begleitet.

Bianca Koch entschied sich für den Umzug nach Dänemark, weil sie in Deutschland institutionelle Hürden erlebte. „Ich habe institutionelle Gewalt erlebt“, sagt die Mutter eines elfjährigen Sohnes. Besonders prägten sie Erfahrungen mit Bürokratie und Vorurteilen, die ihr das Gefühl gaben, nicht dazuzugehören.

Ich fühle mich hier in Dänemark als Mensch wahrgenommen, nicht als Aktenzeichen. Das ist ein ganz anderer Umgang, der vieles leichter macht und ein echtes Willkommen ermöglicht.

Bianca Koch

„Ich fühle mich hier in Dänemark als Mensch wahrgenommen, nicht als Aktenzeichen. Das ist ein ganz anderer Umgang, auch auf Verwaltungsebene, der vieles leichter macht und ein echtes Willkommen ermöglicht.“

Über diese Themen berichtet sie ausführlich in ihrem Buchprojekt „Der Weg nach Dänemark – (K)ein Märchen“, das von ihren persönlichen Erfahrungen und den Herausforderungen des Neuanfangs handelt. Mit ihrem Buch möchte sie anderen Zugezogenen Mut machen und für mehr Offenheit sensibilisieren.

Die Wahl-Sonderburgerin teilt sich ihre Aufgaben mit Kolleginnen, um die vielfältigen Termine abzudecken. Gerade in Zeiten mit vielen Beerdigungen springt sie als Urlaubsvertretung und Ersatzsängerin ein. Neben Gottesdiensten tritt sie auch bei Gesangsabenden auf und bietet individuelle Solo-Konzerte zu besonderen Anlässen an, sowohl auf Deutsch als auch auf Dänisch. Sie freut sich, wenn Interessierte ihre Wünsche äußern, sei es für eine Hochzeit oder ein Tauf-Solo.

Die Lieder stammen aus dem deutschen und aus dem dänischen Gesangbuch – je nachdem, in welcher Sprache der Gottesdienst stattfindet.

Für Bianca ist ihr Beruf mehr als ein musikalischer Job. Er ist eine Herzensangelegenheit, weil sie mit der Musik Menschen berühren und Gemeinschaft schaffen kann. Sie beschreibt den besonderen Moment, wenn Organist, Publikum und sie gemeinsam in Harmonie singen und spürt die verbindende Kraft, die über die Sprache hinausgeht.

„Die Menschen fühlten sich von der Musik getragen“

„Musik bringt Menschen ganz anders zusammen – egal, ob sie Deutsch oder Dänisch singen. Das hat mich besonders bei einem Pfingstgottesdienst auf Düppel beeindruckt, wo wir zwei Sänger unterschiedlicher Herkunft zusammen auftraten. Die Menschen fühlten sich von der Musik getragen, und das hat mich tief bewegt. Da hatte ich richtig Gänsehaut.“

Nach der Sommerpause wird Bianca Koch in den kommenden Wochen wieder die deutschen Gottesdienste in Sonderburg musikalisch begleiten. Gut möglich also, dass dem einen oder anderen Gast im Gottesdienst auffällt, dass unter den Singenden eine besonders gut die Töne trifft …

Mehr über Opernsängerin Bianca Koch hier.