Grenzland

Keine Klarheit aus Dänemark: Region Sønderjylland–Schleswig geht auf Sparkurs

Veröffentlicht Geändert
„Uns bleibt keine andere Wahl“ – Jens Wistoft verteidigt die Sparmaßnahmen der Region Sønderjylland–Schleswig (Archivfoto).

Kopenhagen schweigt – auf Kosten von deutsch-dänischer Zusammenarbeit: Wegen offener Fragen zur Gesundheitsreform zieht die Region Konsequenzen und streicht Leistungen in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

Die Region Sønderjylland–Schleswig muss den Gürtel enger schnallen – das hat der Vorstand bei seiner Sitzung am Donnerstag in Pattburg beschlossen. Der Grund: Auf dänischer Seite ist noch immer nicht klar, wie es nach der Gesundheitsreform weitergeht. Vor allem die Region Süddänemark, der größte Beitragszahler der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, hält sich bedeckt. Ohne klare Zusagen aus Kopenhagen fehlt der Region jedoch Planungssicherheit.

„Es ist sehr schade, dass wir diese Einschnitte beschließen mussten – aber uns bleibt keine andere Wahl“, sagte der Vorsitzende Jens Wistoft. Gekürzt wird unter anderem bei den Telefonzeiten und einzelnen Dienstleistungen. Ein offener Brief an die dänische Gesundheitsministerin ist bereits abgeschickt – bislang aber ohne Antwort.

Dabei gab es im vergangenen Jahr durchaus hoffnungsvolle Signale: In einer Pressemitteilung vom 15. November 2024 hatte die Region Syddanmark betont, man wolle sich weiterhin an grenzüberschreitender Arbeit beteiligen. Auch Grænseforeningen meldete am 6. Dezember 2024, dass die dänische Regierung Abstand davon genommen habe, die Verantwortung für die Zusammenarbeit allein den Kommunen zu überlassen. Doch Worte allein reichen nicht – für einen Haushalt braucht die Region Sønderjylland–Schleswig klare, schriftliche Vereinbarungen.

Kein aktueller Handlungsbedarf an der Grenze

Auch die Lage an der Grenze kam am Donnerstag in Pattburg zur Sprache. Seit Monaten wird wieder kontrolliert, doch bislang halten sich die Verkehrsprobleme laut Vorstand in Grenzen. „Kein akuter Handlungsbedarf“, heißt es in der Mitteilung der Region. Die Einschätzung deckt sich mit Äußerungen des deutschen Bundespolizeipräsidenten Dieter Romann, der Anfang Juni 2025 in der Tagesschau erklärte, die Kontrollen seien gut organisiert und personell abgesichert. Kritischer sieht das die Gewerkschaft der Polizei: In einer Umfrage vom Mai 2025, über die unter anderem der „Spiegel“ berichtete, gaben rund 70 Prozent der befragten Beamtinnen und Beamten an, die Kontrollen seien auf Dauer kaum durchhaltbar.

Was bleibt, ist Unsicherheit. Die Region Sønderjylland–Schleswig sichert ihren Haushalt – aber auf Kosten eines zentralen Gedankens: der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, die über Jahrzehnte gewachsen ist. Ob Kopenhagen nachzieht, ist offen.