Deutsche Minderheit

Hamstern oder nicht hamstern: So handhabt es Nordschleswig

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Wie Mitglieder der deutschen Minderheit mit der Ansage der dänischen Bereitschaftsbehörde zum Thema Vorrat anlegen umgehen, zeigt eine kleine Umfrage.

Menschen in Dänemark müssen sich im Notfall drei Tage lang selbst versorgen können, das rät die dänische Bereitschaftsbehörde. Ob die Nordschleswigerinnen und Nordschleswiger diese Empfehlung umsetzen, zeigt eine Umfrage zwischen Ost- und Westküste.

Drei Liter Wasser pro Person und Tag, Lebensmittel, die sich auch ohne Kühlung halten, und Jodtabletten für den nuklearen Ernstfall: Das sind einige der Richtlinien, die die dänische Bereitschaftsbehörde an alle Menschen in Dänemark herausgegeben hat. Das Ziel: Alle Haushalte sollen im Falle einer Katastrophe gewappnet sein.

Doch halten sich die Menschen in Nordschleswig an diese Vorgaben? Eine Umfrage unter den Bürgerinnen und Bürgern in den Kommunen Sonderburg (Sønderborg), Apenrade (Aabenraa), Tondern (Tønder) und Hadersleben (Haderslev) gibt Antworten.

Angelika Feigel, Vorsitzende des Deutschen Rudervereins Hadersleben (Haderslev), hat bisher noch keine Vorräte angelegt. „Das sollte ich wohl bald mal in Angriff nehmen“, sagt sie. Geplant sind vor allem Konserven und „Trockenfutter“, wie es die Bereitschaftsbehörde empfiehlt. Mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: „Kürzlich habe ich eine Stiege Moselwein bekommen – der hält ja auch eine Weile.“

Angelika Feigel hat sich zumindest vorgenommen, Konserven und andere haltbare Lebensmittel einzukaufen (Archivbild).

Betty Weinschenck aus Tingleff (Tinglev) gehört zu den Bürgerinnen und Bürgern, die sich nicht gezielt auf einen dreitägigen Notfall vorbereiten. „Wir haben grundsätzlich einen guten Lebensmittelvorrat im Haus, teils als Konserven. Wir haben auch einen Gaskocher samt Gas von unserem Boot da, und ich habe immer eine größere Anzahl Kerzen gelagert. Wenn der Strom ausfällt und die Gefriertruhe dann nicht mehr läuft, was uns schon mal passiert ist, dann könnte man im Notfall auch einige der aufgetauten Waren mit dem Gaskocher zubereiten.“

Betty Weinschenck hat grundsätzlich einen Lebensmittelvorrat im Haus. Eine spezielle Notfallreserve hat sie nicht angelegt.

Drei Tage oder ein paar Tage länger zu überbrücken, sei in ihren Augen nicht das große Problem. Schwieriger werde es bei einem längeren Zeitraum. Dafür müssten sie und ihr Mann dann doch diverse Rationen und Hilfsmittel nachrüsten, so die 75-Jährige.

Hans-Peter Grella, Hoyer (Højer): „Ich habe immer Vorrat im Haus, damit ich nicht andauernd einkaufen muss. Ich könnte einen Gast und mich drei Wochen beispielsweise mit Dosensuppen verpflegen. Ich habe einen ganzen Stapel mit vier bis fünf Decken, Streichhölzer, Kerzen, Taschenlampe. Alles ist da. Und einen Gaskocher aus meiner Campingzeit, falls der Strom ausfällt. Dafür müsste ich wohl noch eine Gasflasche kaufen. Ich kenne den Aufruf der Bereitschaftsbehörde. Deswegen habe ich meinen Vorrat aber nicht angelegt. Der war schon vorher da“, erzählt der 79-jährige Rentner.

Hans-Peter Grella ist vorbereitet; er könnte sich und Gäste wochenlang mit Konserven versorgen.

Thomas Ihnen ist seit dem Sommer Ruderlehrer im Nordschleswigschen Ruderverband (NRV) und in der Kommune Hadersleben zu Hause. Er hat zwar Vorräte angelegt, doch dienen diese nicht direkt der Abwehr einer gesellschaftlichen Krise. Der Grund ist ein anderer: „Ich koche gern“, so Ihnen.

Thomas Ihnen nahm seine Arbeit im NRV im Sommer vergangenen Jahres auf (Archivbild).

Selbst gemachter Rotkohl und selbst gemachtes Sauerkraut wandern deshalb auch in Weckgläser, in denen sie einige Zeit haltbar sind. Und die von eigener Hand geräucherten Fische würden auch ein paar Tage halten, ergänzt Ihnen. Einem dreitägigen Notfall sieht er daher eher gelassen entgegen: „Ich würde nicht verhungern.“

Jens Klüver, Lehrer an der Deutschen Schule Buhrkall (Burkal), hat ebenfalls nicht gezielt eine Notration angelegt, wie von den Behörden empfohlen. „Ich würde von einem normalen Vorrat sprechen. Es gibt Konserven, und ich besitze einen Gaskocher und eine Taschenlampe. Etwas Selter ist auch immer im Haus. Ich habe im Notfall auch eine Regentonne. Es ist allerdings kein richtiges Trinkwasser.“

Jens Klüver hat Konserven, Gaskocher, Taschenlampe und Mineralwasser im Haus.

Die Drei-Tage-Empfehlung der Bereitschaftsbehörde ergibt in seinen Augen Sinn. Er werde es sich durch den Kopf gehen lassen, ob er seinen Vorrat entsprechend anpasst und dann womöglich sogar noch mehr Tage ohne externe Versorgung auskommen kann.

Elke Christensen, Seth (Sæd), hat den Aufruf befolgt. „Die Behörde gibt so etwas ja nicht heraus, um die Bevölkerung zu irritieren“, meint die Setherin. „Wir haben eine volle Gefriertruhe mit Fleisch. Wenn der Strom ausfällt, schmeißen wir den Grill an. Ich habe aber extra Knäckebrot und extra Konserven mit Thunfisch und Makrelen gekauft. Ausreichend Streichhölzer, Kerzen und Feuerzeuge haben wir immer im Haus. Wasser zum Händewaschen und für unseren Hund können wir aus unseren Regentonnen holen. Wasser können wir auch auf dem Grill kochen. Wir würden die drei Tage überstehen.“

Das Ehepaar Calle und Elke Christensen hat eine gut gefüllte Gefriertruhe, außerdem Knäckebrot und Konserven.

Ihr Mann Calle Christensen sagt: „Eine Petroleumlampe besitzen wir auch. Unser Transistorradio müsste aber auf seine Tauglichkeit überprüft werden. Vielleicht müssten wir da ein neues Gerät kaufen“, erzählt er. „Bei Stromausfall würde unser Pellet-Ofen ausfallen. Dann müssen wir uns gegenseitig wärmen“, meint Calle Christensen.

Kristine Toft, Rinkenis (Rinkenæs), hat ausreichend Verpflegung im Haus, falls die Familie drei Tage lang autark auskommen muss. „Wir haben zu Hause ein kleineres Lager, nichts Großes. Unter anderem Wasser, Haferflocken, Thunfisch, Toilettenpapier und Feuchtservietten. Ich habe alles in eine Tüte gepackt und runter in den Keller gebracht. Aber mit dem, was wir ohnehin im Schrank haben, kommen wir drei Tage lang klar.“

Kristine Toft arbeitet als Sekretärin an der Deutschen Schule Sonderburg.

Silvia Steger, Sonderburg, kocht leidenschaftlich gerne Marmeladen und andere haltbare Lebensmittel ein. „An Eingemachtem und Schnaps fehlt es mir also nicht“, sagt sie lachend. „Aber im Ernst: Ich bin dabei, mir einen Vorrat anzuschaffen, und habe die Ansage von der Behörde im Hinterkopf. Ich will mir beispielsweise einen Vorrat an Wasser in Flaschen anlegen. Wovon ich definitiv genug habe, ist Knäckebrot. Damit komme ich locker drei Tage lang hin!“

Silvia Steger neben einem Regal mit selbst gemachten Produkten in ihrem Geschäft „De Kreative“ in der Sonderburger Innenstadt

Gunnar Pedersen, Apenrade (Aabenraa), ist mit seinen 94 Jahren der älteste der Befragten in der kleinen, nicht repräsentativen Umfrage des „Nordschleswigers“. Er ist Jahrgang 1930 und hat die Kriegsjahre mit all ihren Entbehrungen am eigenen Körper erlebt.

Gunnar Pedersen ist ein Mann klarer Worte.

Und dennoch oder gerade deshalb hat Gunnar Pedersen eine ganz unmissverständliche Meinung zu den Notvorrat-Empfehlungen der Bereitschaftsbehörde: „Ich weigere mich schlichtweg zu hamstern, weil ich nicht – auch nicht indirekt – Teil einer Kriegsmacherei werden will“, sagt der frühere Ingenieur. „Und bange machen lasse ich mich auch nicht“, sagt er. „Wenn sich alle auf Krieg und Krisen vorbereiten, verliert die Politik womöglich den Antrieb, sich wirklich um Dialog und Frieden zu bemühen.“ Als jemand, der Krieg – wenn auch nur von der Seitenlinie aus – miterlebt hat, lautet seine Botschaft: „Nie wieder!“