Deutsch-Dänisch

Hadersleben: Vom getrennten Trauern zum gemeinsamen Erinnern

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Auf dem Friedhof Damager gedachten die Teilnehmenden der Franzosen, die im Zweiten Weltkrieg auf Seiten Deutschlands kämpfen mussten und ihren Verwundungen in Krankenhäusern Nordschleswigs erlagen.

Was viele Jahre lang unmöglich schien, ist heute Tradition: In Hadersleben gedenken Mehrheit und Minderheit gemeinsam nicht nur den Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

„Der Bruder meines Großvaters ist nicht aus dem Krieg zurückgekehrt“, sagt Rolf Meyer aus der deutschen Minderheit, nach der Zeremonie am Gedenkstein für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, die aus der deutschen Volksgruppe stammten. Obwohl nun schon 107 Jahre vergangen sind, seit der Waffenstillstand in Kraft trat und an der Westfront die Waffen schwiegen, gibt es sie: die Erinnerung an Menschen, die in diesem Krieg starben. Ihnen wurde am 11. November 2025 in Hadersleben gedacht, an drei Plätzen. 

Zwei der Gedenksteine liegen nicht weit voneinander entfernt, im Dammpark und auf dem alten Klosterfriedhof. Kurz nach 10 Uhr am Morgen versammelten sich Fahnenträger in zivilen Anzügen und Soldaten des Südschleswigschen Infanterieregiments. „Zivile Vereine können gern teilnehmen, wir halten die Zeremonie bewusst offen und dezent“, so Presseoffizier Claus Jørgensen. 

Zunächst gedachten die Anwesenden der Soldaten an ihrem Denkmal, die als Dänen im Deutschen Reich lebten und für das Kaiserreich fielen. Dann marschierten die Fahnenträger zum Gedenkstein für die Soldaten aus der deutschen Volksgruppe; der typische deutsche Stahlhelm auf dem Stein machte dies deutlich. Das dänische Heer legte einen Kranz nieder, ebenso der deutsche Honorarkonsul Carsten Friis für die Bundesrepublik, Vizebürgermeister Kjeld Thrane (K) für die Kommune Hadersleben und Rolf Meyer für die deutsche Gemeinde.

Von getrennt zu gemeinsam

Was an diesem Dienstagvormittag so selbstverständlich ablief, war viele Jahre ganz und gar nicht selbstverständlich. Carsten Friis und Rolf Meyer kennen die Geschichte. Dänen gedachten ihrer Gefallenen, Deutsche der ihren. Es war Pastorin Christa Hansen, die eine gemeinsame Feier anregte, was zuerst auf Widerstand stieß.

Doch an diesem grauen, vernieselten Vormittag am 11. November lobten die Beteiligten die gemeinsame Feier. Es sei gut so, wie es jetzt ist. Und als die Trompeterin das letzte der beiden Stücke am deutschen Gedenkstein beendet, nicken zwei Teilnehmerinnen anerkennend. Trotz Kälte und Regens kamen alle Töne glasklar und sauber aus ihrem Instrument. 

Das dänische Heer gedenkt auch den Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus der deutschen Volksgruppe.

20 Minuten blieben den Soldatinnen und Soldaten und den Anwesenden für den Wechsel zum dritten Gedenkort. Eine größere Gruppe von Menschen hatte sich dort eingefunden, um am Gedenkstein den Franzosen aus Lothringen und dem Elsass zu gedenken, die im Zweiten Weltkrieg für die Wehrmacht kämpfen mussten, verwundet wurden und in Nordschleswig ihren Verletzungen erlagen. 

„‚Gott mit uns', stand auf den Koppeln der deutschen Soldaten. Das zeigt uns, was mit uns Menschen falsch läuft“, so Feldpastor Andreas Skovbo Meng. Oft glaubten die Menschen, die Geschichte oder eine religiöse Macht stünde auf ihrer Seite. Doch dieser Gedanke der Überlegenheit gegenüber anderen lasse die Erde zur Hölle werden.