Leitartikel

„Gute Nachrichten für Nordschleswig: Mit Bernd Fabritius steht in Berlin wieder ein minderheitenpolitischer Leuchtturm“

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Der damalige und heutige Minderheitenbeauftragte Bernd Fabritius (CSU) 2019 bei einem Besuch in Nordschleswig. Links im Bild: Marion Petersen vom Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN)

Der „Anwalt der Minderheiten“ kehrt ins Amt des Minderheitenbeauftragten zurück. Warum das ein Glücksfall für die Deutschen in Dänemark ist? Cornelius von Tiedemann zeichnet die Biografie des Rumäniendeutschen nach, der Menschen lieber zusammenbringt, als sich an Unterschieden aufzuhalten – und dabei doch tief in der konservativen CSU verankert bleibt.

Neue Besen kehren gut. Alte Besen kehren manchmal besser. Apropos: Mit Bernd Fabritius kehrt ein enger Bekannter der deutschen Minderheit in Dänemark ins Amt des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten zurück. Für die deutsche Minderheit in Dänemark ist das ein Segen.

Nicht deshalb, weil die bisherige Beauftragte Natalie Pawlik in einer unsteten Regierung nicht für Kontinuität gestanden hätte. Im Gegenteil.

Doch für die deutsche Minderheit ist Fabritius, der bereits 2018 bis 2022 Minderheitenbeauftragter war, fast schon ein Leuchtturm im aktuellen politischen Berlin. Denn die Bundestagswahl hat viele Fürsprecherinnen und Fürsprecher der Minderheit, einen großen Teil ihres Netzwerkes in Deutschland, aus dem Parlament gespült.

Und neue Abgeordnete wissen oft mit Minderheitenpolitik im Allgemeinen und der deutschen Minderheit in Dänemark im Besonderen nur wenig anzufangen.

Einem Bernd Fabritius braucht sie hingegen niemand zu erklären. Im Gegenteil ist er selbst ein Aktivposten, wenn es darum geht, das Wissen um Minderheitenschutz zu mehren. Auch und gerade unter den Abgeordneten aller Fraktionen.

Für in Stereotypen denkende süddänische Norddeutsche mag ein bayrischer Politiker, der der CSU angehört und zudem noch Präsident des Bundes der Vertriebenen ist, dabei erst einmal fast schon exotisch konservativ klingen.

Doch der Rechtsanwalt, der in München zu Hause ist, ist keiner, der in solchen Schubladen denkt. Stattdessen widmet er sich lieber dem Brückenbau – so abgegriffen die Redewendung gerade hier im Grenzland auch sein mag.

Bilderbuchlaufbahn mit schlechten Voraussetzungen

Fabritius’ Lebenslauf ist bemerkenswert – und bildet den Hintergrund seines Engagements. Als Siebenbürger Sachse kam er als Rumäniendeutscher 1984 im Zuge einer Familienzusammenführung nach Deutschland. Die Familie musste bei null beginnen.

Fabritius legte eine fast märchenhafte Schul- und Hochschulkarriere hin, schloss das Jurastudium in Rekordzeit ab. Es folgte die eigene Kanzlei, in der er – Stichwort Brückenbau – sich besonders auch dem Recht von eingetragenen Lebenspartnerschaften widmete.

Fabritius lehrte Recht in München und promovierte selbst in einer einmaligen deutsch-rumänischen Kooperation zwischen den Unis in Tübingen und Hermannstadt (Sibiu). Der Politiker ist in zahlreichen Verbänden und Initiativen aktiv, die sich mit Flucht, Vertreibung und Integration beschäftigen. 2017 gründete er den bayrischen Landesverband der Schwulen und Lesben in der Union mit.

Wo steht Fabritius politisch?

Seine Herzensangelegenheit Flucht und Vertreibung weiß er auch in aktuelle politische Debatten zu übertragen. So ist er sich der Rolle des Klimawandels bei Migrationsbewegungen bewusst und zeigt deutliche Empathie für Kriegsgeflüchtete. Für sogenannte Wirtschaftsflüchtende, die das Asylrecht missbrauchen, hat er, ganz CSU-Linie, hingegen wenig Verständnis.

Der Mann aus Bayern lebt die Tradition der Union als Europapartei – und fordert auch von den osteuropäischen Mitgliedsstaaten europäische Solidarität. Dass ihm das S im Parteinamen der CSU wichtig ist, zeigt nicht nur seine Würdigung im Jahre 2022 für sein soziales Engagement durch Rumäniens damaligen Staatspräsidenten Johannis.

Konservativ, liberal, progressiv, moderat – Fabritius knüpft lösungsorientiert Netzwerke zwischen den Lagern und den Weltanschauungen, als Anwalt von nicht nur nationalen Minderheiten und als Diplomat, dessen Wort seine Biografie Nachdruck verleiht. Und das weit über Berlin hinaus.

„Guter Freund“ der Deutschen in Nordschleswig

In Nordschleswig war Fabritius häufig zu Gast. Als Festredner auf dem Deutschen Tag 2021 lobte er die deutschen Nordschleswigerinnen und Nordschleswiger für ihren Umgang mit der eigenen Geschichte und ihre gleichzeitige Zukunftsgewandtheit. „Ich komme stets ausgesprochen gerne zu Ihnen nach Nordschleswig“, so der Politiker damals.

Den bald 60-Jährigen betrachtet der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen, als „guten Freund“, der „sehr viel für uns getan hat“, wie er dem „Nordschleswiger“ vor vier Jahren verriet.

Das viele Tun wird auch in seiner kommenden Amtszeit nötig sein. Denn, wie eingangs festgestellt: Die Minderheiten, auch und gerade die deutsche Minderheit in Nordschleswig, brauchen neben den wenigen verbliebenen Nordlichtern mit Minderheiten-Kompass einen zuverlässigen Leuchtturm in Berlin.