Bereitschaftssystem

„Die Landesgrenze darf bei schneller Hilfe kein Hindernis sein“

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Bei einem Einsatz an der Küste von Wemmingbund, dahinter liegt die deutsch-dänische Grenze in der Flensburger Förde

Die Zusammenarbeit der deutsch-dänischen Blaulichtfamilie sollte systematisiert werden, schlägt die SP in Sonderburg vor. Was das im Alltag konkret bedeutet.

Ob bei Rettungseinsätzen auf der Flensburger Förde oder beim Flutschutz am Wattenmeer-Deich: Immer wieder arbeiten deutsche und dänische Bereitschaftseinheiten zusammen. Damit diese Einsätze gelingen, sind Übungen und Austausch zwischen den Einheiten notwendig. Bislang wird dies über Interreg-Projekte ermöglicht, doch die Schleswigsche Partei (SP) in Sonderburg will ein System von Dauer.

„Es stärkt das Netzwerk der Blaulichtfamilie“

Stadtratspolitiker Stephan Kleinschmidt (SP) sagt: „In der Grenzregion stehen wir bereits stark zusammen. Aber wenn es um Naturkatastrophen und Krisen geht, müssen wir schnell handeln können – über die Grenze hinweg.“ Eine enge Zusammenarbeit sei entscheidend, sowohl politisch als auch praktisch. „Damit die Landesgrenze kein Hindernis ist, wenn schnelle Hilfe benötigt wird“, sagt Kleinschmidt.

Seit über zehn Jahren baut die Notfallkooperation Barrieren ab. Derzeit ist die grenzüberschreitende Bereitschaftszusammenarbeit im EU-Projekt „Danger 112“ organisiert und baut auf früheren Initiativen auf. „Es stärkt das Netzwerk der Blaulichtfamilie, aber wieder einmal wurde ein Enddatum festgelegt – diesmal 2025“, erläutert Kleinschmidt.

SP schlägt permanente Organisation vor

Jedes Mal muss ein neuer Interreg-Antrag ausgearbeitet werden, wenn ein Projekt abgelaufen ist. Das ist sehr zeitintensiv.

Allan Dalager

Der Sonderburger Vize-Bürgermeister Kleinschmidt sagt: „Wenn der Katastrophenschutz für uns, die hier leben und arbeiten, optimal funktionieren soll, erfordert dies eine starke grenzüberschreitende Zusammenarbeit, sowohl taktisch, operativ als auch strategisch.“ Deshalb schlug die SP am Mittwochabend im Sonderburger Stadtrat vor, die Notfallkooperation dauerhaft zu machen und weiter zu stärken.

Das Ziel: Sie soll ein fester Bestandteil des Katastrophenschutzes in der Grenzregion sein, damit „Brand & Redning Sønderjylland“ und „Sønderborg Beredskab“ Planungssicherheit haben – und die Bürger Sicherheit.

Die Bitte der SP: dauerhafte Unterstützung, um die Notfallkooperation nach 2025 zu sichern. „Diesmal ohne Ablaufdatum. Es geht um unsere Sicherheit!“, sagte Kleinschmidt am Mittwochabend im Kommunalparlament.

Ein entsprechendes Finanzierungs- und Organisationsmodell soll ausgearbeitet werden.

Allan Dalager Clausen ist Leiter der Sonderburger Bereitschaft „Beredskab Sønderborg“. Er sagt: „Indem wir über viele Jahre hinweg an Interreg-Projekten teilgenommen haben, konnten wir viele Erfahrungen sammeln. Unsere Beziehungen zu ,Brand & Redning Sønderjylland‘ und zur Bereitschaft nach Norddeutschland sind gut.“

Ein Blick in die Sonderburger Wachzentrale, wo Angestellte rund um die Uhr Notrufe und Alarme koordinieren.

Dennoch freue er sich, dass eine dauerhafte Zusammenarbeit im Gespräch ist. Dalager erläutert, was das für ihn und seine Rettungszentrale bedeuten würde: „Dann müssten wir nicht mehr diesen langen und umfassenden Bewerbungsprozess durchlaufen. Jedes Mal muss ein neuer Interreg-Antrag ausgearbeitet werden, wenn ein Projekt abgelaufen ist. Das ist sehr zeitintensiv.“

Wunsch: weniger Zeit für Bürokratie

Würde die Zusammenarbeit auf organisatorischer Ebene systematisiert, könnte die Notfallkooperation möglicherweise auch personell im Alltag vor Ort verankert werden.

Dalager Clausen stellt also fest: Durch die vielen Interreg-Projekte ist die Zusammenarbeit gut, die verschiedenen Leitstellen kommunizieren in Notfällen gut miteinander. Um weniger Zeit für Bürokratie aufzuwenden, wäre eine dauerhafte Notfallkooperation über die Grenze hinweg aber wünschenswert.

Für Sonderburg spielt vor allem die Zusammenarbeit mit den deutschen Rettungstauchtrupps eine Rolle, liegt die deutsch-dänische Grenze im Süden der Kommune doch mitten in der Flensburger Förde.

Allan Dalager Clausen ist Leiter der Sonderburger Feuerwehr und der Rettungszentrale.