Heimunterricht in Nordschleswig

Deutsche Zugezogene: Bessere Integration erwünscht

Veröffentlicht Geändert
Nicht alle Kinder von Zugezogenen besuchen dänische Institutionen.

Menschen aus Deutschland fassen nicht immer Fuß in Dänemark. In der Kommune Sonderburg zog 2024 knapp die Hälfte aller Zugezogenen des vergangenen Jahres wieder zurück. Dagegen muss die Politik etwas tun, sagt Christel Leiendecker von der Schleswigschen Partei. Das sind ihre Vorschläge.

Raus aus Deutschland und im Süden Dänemarks neu anfangen: In den vier nordschleswigschen Kommunen Apenrade (Aabenraa), Sonderburg (Sønderborg), Hadersleben (Haderslev) und Tondern (Tønder) haben sich in den vergangenen fünf Jahren rund 3.700 Deutsche angesiedelt.

Die neu zugezogenen Menschen sollten von der Kommune besser begleitet werden, sagt die Sonderburger Stadtratspolitikerin Christel Leiendecker von der Schleswigschen Partei (SP).

„Müssen Verantwortung übernehmen – nicht nur darüber sprechen“

Ihr Argument: Gelingt die Integrationsarbeit, stärkt das die Schülerzahlen und sichert lokale Arbeitskraft. Gerade in einer Zeit, in der die Bevölkerungszahl rückläufig ist. „Doch damit das gelingt, müssen wir Verantwortung übernehmen und handeln – nicht nur darüber sprechen“, sagt Leiendecker.

Ende 2024 lebten 8.760 Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft in Nordschleswig. Viele von ihnen sind Teil der deutschen Minderheit und schon seit Jahrzehnten oder gar ihr ganzes Leben im Landesteil. Doch Tausende kamen seit 2020 neu hinzu.

In der Kommune Sonderburg haben 2024 insgesamt 366 Personen mit deutschem Pass einen festen Wohnsitz neu angemeldet. 141 Personen mit deutschem Pass zog es im vergangenen Jahr aber auch wieder zurück in ihr Ursprungsland.

Mehr Angebote zur Sprachförderung erwünscht

Wir wünschen uns, dass die Dorfgemeinschaften vor Ort die Initiative ergreifen und Angebote machen. Damit die Leute vor Ort neue Beziehungen knüpfen.

Christel Leiendecker

Eine Analyse des Technologischen Instituts hat untersucht, welche Anziehung und Bindung mit den Zugezogenen einhergehen. Bisher habe die Kommune Sonderburg nur in begrenztem Umfang mit konkreten Maßnahmen darauf reagiert, sagt Stadtratspolitikerin Leiendecker: Eine stiefmütterliche Behandlung eines wichtigen Themas, findet sie.

Der Zuzug sei keine Einbahnstraße, pointiert die Stadtratspolitikerin: „Ohne aktives Engagement riskieren wir, dass die neuen Bürger schnell wieder wegziehen.“

Die Kommune unterstützt und bezuschusst Integrations-Cafés und Sprachförderung. In Broacker (Broager) beispielsweise wird ein solches Angebot mit Dänischunterricht hervorragend genutzt. Diese Erfahrungen sollen nun auf die gesamte Kommune ausgeweitet werden.

„Aktuell fahren Deutsche aus der ganzen Kommune nach Broacker, um Dänisch zu lernen. Es wäre sinnvoller, wenn es vor Ort bei den Leuten Angebote gibt. Denn gerade die lokalen Beziehungen sind für die Integration wichtig“, sagt Leiendecker.

Aktuell haben 74.064 Menschen ihren Wohnsitz in der Kommune Sonderburg, 2.484 haben die deutsche Staatsbürgerschaft.

Kommune sieht Heimunterricht auch kritisch

Die Schleswigsche Partei will, dass die Politik die deutschen Zugezogenen zur Priorität macht. Inklusive mehr Ressourcen – beispielsweise für flexiblen Dänischunterricht. „Wir wünschen uns, dass die Dorfgemeinschaften vor Ort die Initiative ergreifen und Angebote machen. Damit die Leute vor Ort neue Beziehungen knüpfen.“

Auch eine verstärkte Beschäftigungsinitiative sowie die bessere Integration von Kindern und Jugendlichen sind wünschenswert, sagt Leiendecker.

Da in der Kommune Sonderburg überdurchschnittlich viele deutsche Kinder zu Hause unterrichtet werden – aktuell sind es 54 Mädchen und Jungen – sieht Leiendecker Handlungsbedarf: „Wir wollen Anforderungen an Eltern stellen, die ihre Kinder zu Hause unterrichten, denn der Kontakt mit anderen Kindern fördert sowohl die Integration als auch die Sprachentwicklung – insbesondere für Neubürger.“

In Dänemark, dem Land der Vereine und der sozialen Kontakte, sei eine Integration vor Ort am Wohnort Voraussetzung für ein gutes Leben. „Die Institutionen helfen, sich zu integrieren und die Sprache zu lernen. Wenn die Kinder im Homeschooling unterrichtet werden, fehlen der Familie Anknüpfungspunkte“, sagt Leiendecker.

Weitere Initiativen sollen in einem Masterplan für Ansiedlung implementiert werden. „Die Aufgabe, Zuzügler in der Kommune zu halten, verdient unsere volle Aufmerksamkeit.“

Mehr zum Thema Heimunterricht in Nordschleswig:

Alle Artikel aus der Reihe und weitere spannende Schwerpunktthemen gibt es auf unserer Themen-Seite.