GLAUBE & RELIGION

Dänisch-deutsche Erkenntnisse: Ehrendoktor-Würde für Jens Holger Schjørring in Kiel

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Jens Holger Schjørring
Jens Holger Schjørring mit den Grenzland-Bischöfinnen Nora Steen (links) und Marianne Christiansen in Kiel

Kirche und Widerstand: Wie christlich hat sich der evangelische Mainstream im deutschen Nationalsozialismus verhalten – und was hat Nordschleswig damit zu tun? Der dänische Theologe hat es erforscht. Weshalb der 82-Jährige in Kiel nun ausgezeichnet wurde.

Der dänische Kirchenhistoriker Jens Holger Schjørring ist an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet worden und damit in die Fußstapfen von Persönlichkeiten wie Selma Lagerlöf oder Eivind Berggrav getreten.

„Die Theologische Fakultät der CAU ehrt das Lebenswerk dieses verdienten und international geachteten Wissenschaftlers“, so der Dekan der Fakultät, Tim Lorentzen. Schjørring, der in Aarhus geforscht und gelehrt hat und in Ripen (Ribe) aufwuchs, hat in Tübingen, München und Oxford studiert und sich besonders mit deutschen und deutsch-dänischen Themen befasst.

Bischöfin Nora Steen (Schleswig und Holstein) unterstrich in ihrem Grußwort am Donnerstag in Kiel denn auch Schjørrings Leistungen für die dänisch-deutsche Verständigung.

Ein geschulter Blick auf die deutsch-dänische Geschichte

Schjørring beschäftigte sich besonders mit der modernen Kirchengeschichte während des Nationalsozialismus und danach – sowie mit der globalen Geschichte des Christentums. Dabei sorgte er dafür, den Blick für andere Sichtweisen als die europa-zentrierte zu weiten.

In Deutschland ist der 2009 in den Ruhestand getretene Professor besonders für seine Forschung zu den Auseinandersetzungen zwischen den nationalsozialistischen „Deutschen Christen“ und der „Bekennenden Kirche“ bekannt geworden.

Er leistete unter anderem wichtige Beiträge zu Dietrich Bonhoeffer, einer markanten Persönlichkeit des evangelischen Widerstands. Der lutherische Theologe stellte sich dem Nazi-Regime offen entgegen und war – wie der aus Tingleff stammende Jens Peter Jessen – in der Widerstandsbewegung aktiv. Beide verkehrten in sich überlappenden Kreisen, und auch Bonhoeffer bezahlte seinen Kampf gegen den Faschismus mit dem Leben.

Nordschleswig war ein wichtiger Teil seiner Forschung und Lehre

Auch über Valdemar Ammundsen schrieb Schjørring. Der war der erste Bischof in Haderleben nach der Grenzziehung 1920 und darum bemüht, die Spannungen zwischen Deutschen und Däninnen und Dänen abzubauen. Der Förderer Bonhoeffers war Triebkraft dahinter, dass sich Weltbund und Rat für Praktisches Christentum bei der gemeinsamen Tagung auf Fanø im Jahre 1934 für die Bekennende Kirche und gegen die gleichgeschaltete Reichskirche positionierten.

Deshalb gilt Schjørring als so wichtig für das deutsch-dänische Verständnis: Weil er auf diese grenzüberschreitenden Aspekte ein besonderes Licht warf und wirft. Und weil er auch als Experte dafür gilt, wie sich das Verhältnis der Volkskirchen der nordischen Länder zu Deutschland in der Nachkriegszeit entwickelt hat.

In Kiel wurde die Arbeit des 82-jährigen Schjørring deshalb nun als ein „Beitrag zum internationalen Verständigungsprozess“ gewürdigt – auch von Marianne Christiansen. Sie ist heute wie einst Ammundsen Bischöfin im Stift Hadersleben (Haderslev) und der Dänischen Kirche in Südschleswig und erinnerte in einem sehr persönlichen Toast daran, dass sie selbst bei Schjørring studiert hat.

Schjørring, der in Risskov lebt, reiht sich nun also ein in eine Liste namhafter Ehrenpromotionen der Theologischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität. Zuletzt wurde diese Auszeichnung 2023 an Professorin Gudrun Löwner vom United Theological College im indischen Bangalore vergeben.