Deutsche Minderheit

Christian Fuglsang: Zukunft zwischen Familienbetrieb und Großstadt in der Ferne

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Die Rückkehr nach Hadersleben und ein Engagement im Familienbetrieb sieht Christian Fuglsang in einigen Jahren als realistische Zukunft (Archivbild).

Christian Bülow Fuglsang ist ein junger Ingenieur mit starken Wurzeln in der deutschen Minderheit – und einem klaren Blick in die Zukunft. Nach seinem Masterabschluss in Kopenhagen steht der Haderslebener vor einer wichtigen Entscheidung: zurück nach Nordschleswig und Karriere im Familienunternehmen Fuglsang oder eigene Wege gehen?

Wenn Christian Bülow Fuglsang über seine Zukunft spricht, klingt das nach Neugier und Selbstbestimmung. Aufgewachsen in Hadersleben (Haderslev) und in der deutschen Minderheit in Nordschleswig, hat er sich bewusst für ein Studium an der Technischen Universität Dänemarks (DTU) und ein Leben in Kopenhagen entschieden. Im vergangenen Sommer schloss der 24-Jährige seinen Master mit Auszeichnung ab.

Ein preisgekrönter Start

Schon während des Studiums arbeitete Christian an Lösungen für eine nachhaltigere Industrie – und direkt für sein familiäres Umfeld. Seine Masterarbeit schrieb er über die flexible Nutzung von günstigem, grünem Strom für die neue Energiezentrale, die derzeit bei der Fuglsang-Malzfabrik in Hadersleben errichtet wird. Dafür erhielt er 2024 den ersten Preis beim Innovationswettbewerb „Grøn Dyst“, dotiert mit 30.000 Kronen.

In Hadersleben bauen wir gerade eine riesige Energiezentrale, sodass wir ab 2026 alles vollelektrisch betreiben können – also quasi eine grüne Umstellung“, erklärt Christian. „Das Konzept ist im Grunde so wie bei Privatverbrauchern, die ihre Spülmaschine nachts laufen lassen, wenn der Strom günstiger ist – nur in großem Maßstab. Mit riesigen Wassertanks können wir Energie speichern, wenn der Strom günstig ist, und sie später nutzen, wenn er teurer wird.“

Eine besondere Herausforderung: Bislang gab es keine Software, die solche komplexen Prozesse mit mehreren Temperaturniveaus simulieren konnte. „Da habe ich mir gedacht: Mal sehen, ob ich das hinkriege – und es hat ziemlich gut geklappt“, sagt er lachend.

Warum Kopenhagen? Netzwerke, Vielfalt und Lebensqualität

Auch in Zukunft möchte der gebürtige Nordschleswiger als Ingenieur an der grünen Umstellung industrieller Prozesse mitwirken – vorerst jedoch in der dänischen Hauptstadt.

„Bei diesem Thema sind viele Betriebe noch etwas träge – und genau da möchte ich helfen. Es motiviert mich, wenn ich sehe, dass mein Beitrag tatsächlich etwas für die Umwelt bewirkt“, sagt er.

Die Entscheidung, nicht sofort nach Nordschleswig zurückzukehren, hat viele Gründe. „Hier habe ich mein soziales Netzwerk, meine Freunde, und es gibt viel zu erleben – vom gemeinsamen Essen bis zu kulturellen Angeboten. Für mich als jungen Menschen ist das im Moment spannender als Nordschleswig“, erklärt er.

Flexibilität und die Möglichkeit, sich beruflich auszuprobieren, spielen für ihn eine große Rolle. Langfristig aber zieht es ihn zurück in die Heimat.

Junge Menschen sollten die Freiheit haben, ihre Erfahrungen woanders zu machen. Dann versteht man auch erst richtig, was für einen besonderen Goldklumpen wir mit der deutschen Minderheit haben.

Christian Bülow Fuglsang

Familienname mit Geschichte

Als Teil der Fuglsang-Familie liegt ein Weg zurück ins Familienunternehmen mit der Mälzerei in Hadersleben nahe. Den Gedanken daran schließt Christian keineswegs aus: „Das ist für mich in 10 bis 15 Jahren eine Option – vielleicht auch früher, wenn es passt. Aber nicht jetzt.“

Er könne sich gut vorstellen, zunächst Job-Hopping zu machen, um verschiedene Einblicke zu gewinnen, bevor er irgendwann nach Hadersleben zurückkehrt.

„Es wäre zu einfach, direkt nach dem Studium dort einzusteigen“, meint Christian. Stattdessen wolle er sich weiterentwickeln und unterschiedliche Möglichkeiten kennenlernen.

Die Verbindung zur Minderheit – eine Haltung

Für Christian ist es kein Widerspruch, in Kopenhagen zu leben und sich trotzdem der deutschen Minderheit zugehörig zu fühlen: „Minderheit sein ist für mich mehr eine ‚væremåde‘, eine Art zu sein, als ein geografischer Ort. Man kann auch in Kopenhagen oder anderswo Minderheitler sein.“

Seine Schulzeit in der deutschen Minderheit war prägend: „Ich habe die kleineren Klassen und die zweisprachige Erziehung immer sehr geschätzt. Wenn ich irgendwann Kinder habe, fände ich es toll, wenn sie auch zweisprachig aufwachsen.“

Während seines Studiums lebte Christian Fuglsang im Minderheitenwohnheim „Collegium 1961“ in Hellerup (Archivbild).

Auch in Kopenhagen lebt er diese Identität – etwa durch den Austausch mit Freundinnen und Freunden aus der Minderheit oder durch seine Zeit im „Collegium 1961“ in Hellerup: „Das war für mich ein Stück Zuhause.“

Kontraste zwischen Nordschleswig und Kopenhagen

Was vermisst Christian an seiner Heimat? „Manchmal die Ruhe. Kopenhagen ist lebendig, laut, voller Möglichkeiten. Das ist beides gut – je nachdem, was man gerade braucht.“

Er plädiert dafür, junge Menschen nicht zu drängen, direkt nach dem Studium nach Nordschleswig zurückzukehren. „Man sollte sich von der älteren Generation in der deutschen Minderheit nicht unter Druck setzen lassen, unbedingt schnell zurückzukommen“, sagt er. „Junge Menschen sollten die Freiheit haben, ihre Erfahrungen woanders zu machen. Das bereichert nicht nur sie, sondern am Ende auch die Minderheit. Dann versteht man auch erst richtig, was für einen besonderen Goldklumpen wir mit der deutschen Minderheit haben.“

Raus aus der Komfortzone

Deshalb will Christian seine ersten Berufsjahre lieber außerhalb des Familienbetriebs verbringen. „Ich möchte Erfahrungen sammeln, verschiedene Firmen kennenlernen und Fehler machen, bevor ich irgendwann zurückkomme. Das ist wichtig für die persönliche und fachliche Entwicklung.“ Auch eine Zeit im Ausland kann er sich gut vorstellen.

Die Tür bei Fuglsang steht dabei für ihn immer offen: „Das ist ein Sicherheitsnetz und zugleich für mich ein familiärer Sammelpunkt.“

Die Frage, ob er in das Familienunternehmen Fuglsang einsteigen will, begleitet ihn, seit er denken kann. Doch Christian macht keinen Hehl daraus, dass er zunächst seinen eigenen Weg gehen will (Archivbild).

Was genau er dort eines Tages tun wird, ist offen: „In 15 Jahren kann sich viel verändern. Womit ich dann genau arbeite, weiß ich nicht. Aber es wird immer technische Aufgaben geben, an denen ich mitwirken könnte.“ Diese Perspektive gibt ihm Gelassenheit, Halt und Raum für seine jetzigen Pläne.

Werdegang

Christian Bülow Fuglsang wurde im Jahr 2000 in Hadersleben geboren und ist fest in der deutschen Minderheit Nordschleswigs verwurzelt. Gemeinsam mit seiner Schwester Anna wuchs er bei seinen Eltern, Karen Bülow Voetmann und Claes Fuglsang, auf.

Nach der Zeit an der Deutschen Schule Hadersleben besuchte er zunächst die Nachschule in Norburg (Nordborg) und anschließend das Deutsche Gymnasium für Nordschleswig in Apenrade (Aabenraa).

Sein weiterer Weg führte ihn an die Technische Universität Dänemarks (DTU) in Kongens Lyngby. Nach dem Studium entschied sich Christian bewusst für eine kurze Auszeit: ein halbes Jahr an einer Højskole, wo er sich intensiv einer anderen großen Leidenschaft widmete – dem Kochen.